15 Jahre Attacke auf die Märkte

Jubiläum der ATTAC-Gründung Fünfzehn Jahre Attacke auf die Märkte

Stand: 03.06.2013 11:09 Uhr

Als das Netzwerk ATTAC 1998 in Paris gegründet wurde, wusste fast niemand, was eine Finanztransaktionssteuer sein könnte. Das ist heute nicht mehr so. Trotzdem läuft es für ATTAC in seinem Gründungsland nicht besonders gut.

Von Anne Christine Heckmann, ARD-Hörfunkstudio Paris

Grüne Ballons fliegen in den grauen Pariser Himmel. Mit ihnen viele Geldscheine. Damit will ATTAC deutlich machen: 60 Milliarden Euro Steuergelder verflüchtigten sich jedes Jahr. Mit der Aktion machte das Bündnis letzte Woche vor dem französischen Wirtschaftsministerium mobil - gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung. Auch 15 Jahre nach seiner Gründung kämpft das Netzwerk weiter dafür, dass die Wirtschaft den Menschen dienen muss und nicht umgekehrt.

"Wir fordern die Abschaffung von Steuerparadiesen, eine demokratische Reform des Bankensektors aber auch den Erhalt des öffentlichen Dienstes und der sozialen Rechte. Wir sagen: Schluss mit den Sparprogrammen - sie sind ineffektiv und ungerecht", betont Aurélie Trouvé, Vize-Präsidentin von ATTAC Frankreich. Die Krise sei von Banken und Finanzakteuren zu verantworten. Sie müssen auch die Kosten dafür zahlen, "denn da ist auch Geld zu holen".

Ein Artikel machte den Anfang

In Paris wurde das Netzwerk der Globalisierungsgegner 1998 gegründet. Den Anstoß dafür gab ein Artikel in der Zeitung "Le Monde diplomatique" mit dem Titel: "Die Märkte entwaffnen!". Autor Ignacio Ramonet forderte, dem internationalen Finanzkapitalismus Zügel anzulegen - in einer Zeit als die wenigsten wussten, dass es das Wort "Finanztransaktionssteuer" überhaupt gibt. "Viele Leute haben daraufhin geschrieben, mehrere hundert. Mehr Leserbriefe hat "Le Monde Diplomatique" wohl nie für einen Artikel bekommen", erinnert sich Susan George, die Politikwissenschaftlerin und Attac-Gründungsmitglied ist.

Der Name Attac ist eine französische Abkürzung. Sie steht für "Verein zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger". Zugleich gibt es die sprachliche Nähe zu "Attacke" - zu verstehen als Attacke gegen die Globalisierung. Als 1998 die meisten noch in die Kräfte des freien Marktes vertrauten, sagte das Netzwerk voraus, die neoliberale Wirtschaftspolitik werde zwangsläufig in die Krise führen. Die ATTAC-Aktivisten der ersten Stunde wie Bernard Cassen wollten aufklären: "Wir müssen unseren Mitbürgern klar machen, dass die Finanzgeschäfte nicht so komplex sind, wie man uns das vormacht. Die Mechanismen sind einfach und sie bestimmen uns. Es ist also Teil der staatsbürgerlichen Pflichten zu verstehen, was da vorgeht und gegebenenfalls dagegen anzukämpfen."

Schwindendes Interesse im Gründungsland

ATTAC wurde vor allem mit Protestaktionen unter anderem bei G8- und G20-Gipfeln bekannt. 30.000 Mitglieder hatte das Netzwerk zur Hochzeit in Frankreich. Doch in den letzten Jahren gingen die Zahlen stark zurück. Ein Grund war ein heftiger Führungsstreit in der französischen Chefetage. Mittlerweile ist ATTAC in Deutschland mit rund 20.000 Mitgliedern doppelt so stark wie die französische Schwesterorganisation.

Doch trotz Personalsorgen will ATTAC Frankreich weiter kämpfen. Es gebe noch viel zu tun, sagt Vize-Chefin Trouvé: "Nennen Sie mir eine konkrete Maßnahme, die wirklich dazu beigetragen hat, dass sich was ändert auf den Finanzmärkten. Es gibt keine! Wir machen uns auch weiter keine Illusionen. Aber das heißt nicht, dass wir nicht weiter kämpfen!"

Dieser Beitrag lief am 03. Juni 2013 um 10:51 Uhr auf NDR Info.

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