Die Mitarbeiterin einer Apotheke am Medikamentenschrank | Bildquelle: dpa

Mehr Lieferengpässe Medikamente oft nicht verfügbar

Stand: 28.07.2019 03:07 Uhr

"Leider nicht verfügbar." Diesen Satz bekommen Patienten in Apotheken derzeit immer wieder zu hören. Betroffen sind auch Klassiker wie Ibuprofen.

Von Oliver Feldforth und Marcus Pfeiffer, HR

Apotheker Klaus LangHeinrich arbeitet als Vertretungsapotheker in mehreren Filialen und überall dasselbe Problem: Viele Medikamente kann er gerade nicht ausgeben. Ob Standardimpfstoffe, Blutdrucksenker oder Schmerzmittel - die Liste der nicht lieferbaren Wirkstoffe wird immer länger. Derzeit liegen laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) insgesamt 225 Meldungen über eingeschränkte Verfügbarkeit oder Lieferengpässe vor.

"Wir haben jeden Tag das Problem, dass wir eine Verordnung, so wie sie ausgestellt ist, zunächst nicht beliefern können und müssen dann versuchen, im Sinne des Patienten Alternativen zu finden", sagt LangHeinrich. Es gebe aber auch Situationen, wo er keine Lösung für die Patienten habe. Er müsse sie dann ohne das - oft dringend benötigte - Medikament wegschicken.

Lieferengpässe bei Medikamenten
26.07.2019, Marcus Pfeiffer, HR

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"Früher nur vereinzelt Engpässe"

Ein Grund für die Misere: Aus Kostengründen wird die Produktion immer mehr ins Ausland verlagert und immer weniger Hersteller produzieren einen Wirkstoff. Fällt dann eine Fabrik aus, kommt es schnell zu Engpässen. So gibt es offenbar zurzeit Engpässe beim Wirkstoff Ibuprofen, weil ein Werk in Texas ausfällt. Einige Apotheker versuchen sich zu helfen und horten kleine Vorräte, was aber auch nicht viel bringt.

Laut BfArM hat sich das Problem in den vergangenen Jahren verschärft: Im Jahr 2013 wurden dem Bundesinstitut nur 40 Mittel mit Lieferproblemen neu gemeldet, 2018 waren es schon 264. Das berichtete die "Rheinische Post" im Juni. "Früher gab es vereinzelt Engpässe, heute haben Apotheken im Schnitt deutlich mehr als 100 Positionen, die nicht lieferbar sind", zitierte die Zeitung Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein.

Antibiotikum nur in zwei Fabriken hergestellt

Beim einem hochwirksamen und unentbehrlichen Breitband-Antibiotikum - dem Kombipräparat Piperacillin/Tazobactam - gibt es weltweit nach Recherchen des ARD-Magazins FAKT nur noch zwei Produktionsstätten. Beide liegen in China. Im Oktober 2016 kam es zu einer Explosion in der Fabrik im Licheng-Distrikt. Die Folge: monatelange Lieferengpässe.

"Die Ursachen von Lieferengpässen sind vielfältig", teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit. "Globale Lieferketten mit einer Konzentration auf wenige Herstellungsstätten für Arzneimittel und Wirkstoffe können ein Grund für Lieferengpässe sein, aber z. B. auch Qualitätsmängel bei der Herstellung, Produktions- und Lieferverzögerungen bei Rohstoffen oder Produktionseinstellungen bei Arzneimitteln oder Marktrücknahmen aus verschiedenen Gründen."

SCHWERPUNKT: Diskussion über Lieferengpässe bei vielen Medikamenten
26.07.2019

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"Jeden Tag einen Kunden wegschicken"

Hersteller, Behörden und Krankenkassen schieben sich gegenseitig die Schuld an der Misere zu. Nach Einschätzung des Bundesinstituts besteht "derzeit kein Anlass, grundsätzlich von einer besorgniserregenden Situation auszugehen".

Apotheker LangHeinrich erlebt das anders. Er muss im Schnitt jeden Tag einen Kunden ohne Medikamente wieder nach Hause schicken. "Seit einem Jahr kommt es zu diesen Engpässen und sie werden immer häufiger", berichtet LangHeinrich.

Neue Regeln für Mindestvorrat?

Die Hersteller wollen ein Ende der Rabattverträge, mit denen die Krankenversicherungen einzelne Produzenten an sich binden, um Kosten zu sparen. "Wir brauchen eine Öffnung dieser Ausschreibungen für mehrere Unternehmen", so Bork Bretthauer, Geschäftsführer  des Interessenverbands der "ProGenerika". Dann könne man die Versorgung auf mehrere Schultern verteilen.

Eine Lösung für das Problem könnte ein vom Gesetzgeber vorgeschriebener Mindestvorrat bei den Herstellern sein. Bis jetzt schreibt das Arzneimittelgesetz eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vor. "Die vorzuhaltenden Arzneimittel müssen dabei mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für zwei Wochen entsprechen", heißt es im Arzneimittelgesetz. Doch was ist bedarfsgerecht? Glaubt man Apothekern wie LangHeinrich, trifft dies auf die momentane Regelung nicht zu.

"Bund muss Thema auf europäischer Ebene platzieren"

Die Präsidentin der Gesundheitsministerkonferenz, Barbara Klepsch (CDU), sieht die Bundesregierung in der Pflicht. "Der Bund muss dieses Thema auf europäischer Ebene platzieren. Dort müssen die Regularien getroffen werden", so Klepsch. "Dort müssen auch Mindestkapazitäten vorgehalten werden. Und wenn wir an Lösungsansätze denken, dann sollte man sicherlich auch bei Medikamentenengpässen über eine gewisse nationale Bevorratung nachdenken."

Bis das aber geregelt ist, müssen alle weiter mit den Lieferengpässen kämpfen und Apotheker wie LangHeinrich werden täglich Patienten zurück zum Arzt schicken müssen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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