Offene Geldbörse mit wenigen Münzen

Auswertung des Statistischen Bundesamts Drei Millionen Bürger arm trotz Arbeit

Stand: 24.01.2015 01:57 Uhr

Immer mehr Erwerbstätige können laut Statistischem Bundesamt kaum von ihrem Einkommen leben. Ende 2013 bezogen rund 3,1 Millionen von ihnen ein Einkommen, das unterhalb der Schwelle liegt, bei der offiziell die Armutsgefährdung beginnt. Im Jahr 2013 lag diese Grenze bei 979 Euro netto pro Monat für Alleinstehende und bei 2056 Euro im Monat für eine vierköpfige Familie. Als Grenzwert ist dabei die Marke von 60 Prozent des mittleren Einkommens definiert - und berücksichtigt werden dabei alle Einkommen einschließlich aller staatlichen Transferleistungen wie zum Beispiel Wohn- oder Kindergeld.

Die Zahl der Erwerbstätigen, die trotz einer Beschäftigung nicht über diese Schwelle kamen, lag 2013 um 25 Prozent über dem Vergleichswert aus dem Jahr 2008, als diese Zahl noch bei rund 2,5 Millionen lag, wie die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf eine Sonderauswertung der Statistiker berichtete.

Sparen bei Essen, Miete und Heizen

Demnach ergaben Haushaltsbefragungen, dass 379.000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen im Jahr 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen konnten. 417.000 verzichteten auf ein angemessenes Heizen, und 538.000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen.

Offene Geldbörse mit wenigen Münzen

Das Geld reicht nicht einmal für täglich vollwertiges Essen.

Für rund jeden zweiten Betroffenen (1,5 Millionen) sei bereits ein einwöchiger Urlaubsaufenthalt im Jahr nicht bezahlbar gewesen. Fast 600.000 Betroffene hätten sich kein eigenes Auto leisten können.

Zuschüsse reichen nicht aus

"Die Zahl der Erwerbstätigen, die mit ihrem Einkommen knapp unter oder geringfügig über den staatlichen Hartz-IV-Leistungen liegen, ist erschreckend hoch", sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, der Zeitung. Für viele dieser Haushalte sei offenkundig das Wohngeld unzureichend, um einigermaßen über die Runden zu kommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2015 um 20:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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MaWo 24.01.2015 • 10:06 Uhr

@ Politikverdrossen

"Diese Armut wird von der Politik bewusst und billigend in Kauf genommen. " Nein - vorsätzlich herbei geführt! Wer sonst sollte denn die mathematisch unmöglichen Vergünstigungen von Politikern und deren Begünstigte bezahlen? Globale Konzerne die z.B. mit 1% Steuer nichts für die Infrastruktur beitragen (LexLUX nur ein Beispiel), während die zweite und dreitte Reihe sowie der ganz normale Arbeitnehmer überproprotional belastet wird? Wer eigenverantwortliche Vorsorge, nach den damaligen politischen Aufforderungen getroffen hatte, genau der wird doch heute ausgeplündert und als Risikoträger für die Gewinnmaximierung von offensichtlich Unbedarften , ihre Eigenverantwortung betreffend, mit politischen Vorsatz missbraucht.