Die argentinische Flagge | Bildquelle: REUTERS

Krise in Argentinien "Geldscheine sind nur noch Papierfetzen"

Stand: 30.08.2018 18:15 Uhr

Der Peso im freien Fall, die Märkte verunsichert - Argentinien rutscht immer tiefer in die Krise. Die Leitbank reagierte nun und erhöhte den Leitzins drastisch auf 60 Prozent.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Eigentlich wollte der Präsident die Argentinier und vor allem die Märkte beruhigen. Mit einer kurzen Fernsehansprache wandte Mauricio Macri sich an die Bürger - und traf dabei anscheinend nicht den richtigen Ton: "Ich weiß, dass solche stürmischen Situationen vielen von Ihnen Angst machen. Ich weiß das und ich verstehe es. Aber ich versichere Ihnen, dass ich alle nötigen Entscheidungen treffe, um Sie zu schützen. Wir unternehmen alles was wir können, um voran zu kommen."

Peso rutscht weiter ab

Die Märkte werteten die Nachricht als Alarmsignal. Schon seit vier Monaten rutscht der Kurs des argentinischen Peso immer weiter ab - nach der Ansprache des Präsidenten folgte ein neuer Sturzflug. In einem Tag wertete Argentiniens Währung noch einmal um fast acht Prozent ab. Für einen Dollar bekommt man in Buenos Aires mittlerweile mehr als 36 Pesos. Das ist mehr als doppelt so viel wie zu Beginn des Jahres.

Ein Bündel Pesos liegt vor Dollarnoten
galerie

Der Peso verliert gegenüber dem Dollar zunehmend an Wert.

Um den Absturz zu bremsen, erhöhte die argentinische Zentralbank den Leitzins auf 60 Prozent. Fausto Spotorno lehrt Wirtschaftswissenschaft an der katholischen Universität Argentiniens und arbeitet bei einer angesehenen Beratungsfirma. Seine Einschätzung: "Macris Botschaft war nicht deutlich genug. Der Markt hätte ein viel stärkeres Signal erwartet. Einfach nur die Gelder des Währungsfonds vorzuziehen, die schon in die Rechnung eingepreist waren, ändert an der Situation ja überhaupt nichts."

Haushaltsdefizit als Grundproblem

Seit Mai bekommt die Regierung Macri einen Kredit vom Internationalen Währungsfonds. Und nach der Abwertung der letzten Wochen - nicht zuletzt im Gefolge der Lira-Krise - hatte Argentiniens den IWF gebeten, den versprochenen Kredit schneller auszuzahlen als ursprünglich geplant. Damit wollte die Regierung Zweifel ausräumen, ob sie im kommenden Jahr genügend Geld zur Verfügung hat. Doch der Schuss ging anscheinend nach hinten los. "Der Vertrauensvorschuss der internationalen Märkte ist schon zum Teil aufgebraucht", analysiert Spotorno. "Jetzt verlangt der Markt von der Regierung Ergebnisse."

Ein Ziel ist es, endlich das enorme Haushaltsdefizit zu reduzieren. Doch hier muss Macri sich auf neue Widerstände einstellen. Die Gewerkschaften protestieren schon jetzt gegen seinen Sparkurs. Dozenten und Studenten demonstrieren gegen Einsparungen an den Universitäten und der größte Gewerkschaftsbund hat zu einem Generalstreik Ende September aufgerufen. All das kommt ein Jahr vor der nächsten Wahl.

Tausende demonstrieren gegen Kürzungen im Bildungssystem
tagesschau 09:00 Uhr, 31.08.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Preise werden steigen

Die Argentinier wissen: Jetzt werden die Preise rasant steigen - erfahrungsgemäß auch die Preise von Gütern, die nicht aus dem Ausland importiert werden. "Die jüngeren Leute - so wie ich - haben die letzte Staatspleite 2001 ja nicht bewusst erlebt, da war ich noch sehr jung. Aber jetzt sieht man was passiert und sagt sich: Das ist alles nicht übertrieben, was sie Dir erzählt haben", sagt eine Passantin in der Hauptstadt Buenos Aires.

Ein Mann pflichtet ihr bei: "Das Land hat ein Problem. Wir rechnen immer nur in Dollar, weil alle Regierungen unglaubwürdig waren. Und es ist logisch, nur in Dollar zu rechnen, wenn die Inflation bei 30 oder 35 Prozent liegt, die Zinsen bei über 40 Prozent. Die Geldscheine hier sind nur Papierfetzen."

Argentiniens Zentralbank erhöht Leitzins auf 60%
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
30.08.2018 17:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2018 um 07:45 Uhr.

Darstellung: