Eine Hand entnimmt einen 100 Peso Geldschein aus einer Kasse. | Bildquelle: dpa

Schwere Wirtschaftskrise Argentinien begrenzt Devisenkäufe

Stand: 02.09.2019 03:52 Uhr

In Argentinien spitzt sich derzeit die Schuldenkrise zu. Der heimische Peso verlor in den vergangenen Wochen massiv an Wert. Jetzt steuert die Regierung gegen und schränkt den Handel mit Devisen ein.

Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise wird Argentiniens Regierung den Devisenhandel einschränken. Die Regierung des wirtschaftsliberalen Staatschefs Mauricio Macri veröffentlichte am Sonntag ein Dekret, wonach große Exporteure künftig eine Erlaubnis der Notenbank für den Kauf von Fremdwährungen und zur Überweisung von Devisen ins Ausland einholen müssen. Die Maßnahmen gelten bis 31. Dezember.

Für Privatpersonen, die die US-Währung erwerben wollen, gilt künftig eine monatliche Obergrenze von 10.000 Dollar. Das Dekret sieht zudem vor, dass der Gegenwert exportierter Güter und Dienstleistungen unter Bedingungen, die die Zentralbank ebenfalls festlegen werde, bis Ende des Jahres in Form von Devisen ins Land fließen muss.

Mit dem Schritt will Argentiniens Regierung die Abwertung des Peso stoppen und eine weitere Kapitalflucht aus dem hoch verschuldeten Land verhindern. Die Maßnahmen seien nötig, um "den Devisenhandel intensiver zu regulieren und das normale Funktionieren der Wirtschaft zu stärken", heißt es in dem Dekret. 

Argentiniens Präsident Macri | Bildquelle: dpa
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Seit Argentiniens Präsident Macri am 11. August die Vorwahl gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Alberto Fernandez verlor, steht der Peso massiv unter Druck.

IWF steht hinter Argentinien

Um die Zahlungsfähigkeit des Landes zu gewährleisten, sollen außerdem die Laufzeiten von Staatsanleihen und Krediten des Internationalen Währungsfonds verlängert werden. Dieser hat Argentinien 57 Milliarden Dollar geliehen.

Der IWF werde in engem Kontakt mit den Regierungsbehörden bleiben und in den aktuell herausfordernden Zeiten weiter zu dem Land stehen, sagte ein IWF-Sprecher. Die von der Regierung in Buenos Aires angekündigten Maßnahmen zum Kapitalverkehr werde sich der IWF im Detail anschauen.

Vorwahlen verunsichern Anleger

Argentiniens Landeswährung steht zum wiederholten Male heftig unter Druck, nachdem Macri bei Vorwahlen eine herbe Niederlage gegen den linken Oppositionskandidaten Alberto Fernández hinnehmen musste. Seitdem verlor der Peso gegenüber dem Dollar mehr als 20 Prozent an Wert. Die Kapitalmärkte befürchten einen Sieg des protektionistisch orientierten Fernández bei der Präsidentenwahl im Oktober.

Die Ratingagenturen Fitch und Moody's senkten außerdem ihre Einschätzungen der Kreditwürdigkeit Argentiniens am Freitag zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Fitch korrigierte die Bewertung auf "RD" - das bedeutet "Restricted Default", also so viel wie eingeschränkter Kreditausfall, und ist nur eine Stufe vom Rating für Zahlungsausfall entfernt. Argentinien habe einseitig beschlossen, fällige Schuldtitel erst später zurückzubezahlen, teilte die Ratingagentur zur Begründung mit.

Das Land befindet sich seit 2018 in der Rezession. Die Arbeitslosenrate in dem südamerikanischen Land war zuletzt angestiegen. Mit mehr als 55 Prozent hat Argentinien eine der höchsten Inflationsraten weltweit.

Währungsverfall: Argentinien führt wieder Devisenkontrollen ein
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
02.09.2019 14:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. September 2019 um 08:45 Uhr.

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