Arcandor

Metro nennt Details des Arcandor-Angebots Kaufhof will 60 Karstadt-Häuser

Stand: 04.06.2009 11:43 Uhr

Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro hat sein Angebot zur Übernahme der Karstadt-Warenhäuser des angeschlagenen Arcandor-Konzerns konkretisiert. "Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können", sagte Metro-Finanzvorstand Thomas Unger der Tageszeitung "Die Welt". Damit würde der Konzern "dem weit überwiegenden Teil der Karstadt-Beschäftigten eine gesicherte Zukunft geben". Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte den Metro-Vorschlag bisher abgelehnt.

Handwerker montieren ein Arcandor-Logo auf der Konzernzentrale in Essen (Archivbild Juni 2007)
galerie

Vor ungewisser Zukunft: Die Arcandor-Konzernzentrale in Essen.

Die rund 4000 Mitarbeiter in den 30 zu schließenden Filialen würden nicht zwangsläufig alle arbeitslos, sagte Unger. "Wir haben selbstverständlich schon mal vorgefühlt: Es gibt Interesse einer ganzen Reihe von Handelsketten an den Häusern. Unsere eigene Elektronik-Handelskette Saturn gehört dazu." In jeder neuen Form der Nutzung würden immer auch erfahrene Handelsmitarbeiter gebraucht. Laut Unger könnte bereits "Ende Juli das erste Gerüst der Deutsche Warenhaus AG stehen".

"Verluste nicht sozialisieren"

Die Ablehnung der Staatsbürgschaft durch die EU für Arcandor begrüßte der Metro-Finanzchef: "Das bestätigt unsere Position, dass man die Verluste von Arcandor nicht sozialisieren darf. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit die Risiken unternehmerischen Handelns aufgebürdet bekommt." Der Metro-Vorschlag hingegen stelle ein Rettungskonzept dar, "das den Steuerzahler heraushält und zudem zukunftsfähige Strukturen für die Warenhäuser in Deutschland schafft", sagte Unger.

"Ein interessanter Weg"

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht die Vorschläge des Handelskonzerns Metro für eine Karstadt-Übernahme als mögliche Lösung der Probleme des Handelsriesen. Dies sei ein "interessanter Weg", sagte Guttenberg im Deutschlandfunk. Er fügte hinzu, wenn dieser verfolgt werden solle, "dann muss es nur schnell gehen".

Danach sieht es offenbar aus, denn der Vorstandschef des Handelskonzerns Metro, Eckhard Cordes, wird nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung bis Ende der Woche mit Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier über eine mögliche Karstadt-Übernahme sprechen.

Verheugen: "Kein Nein aus Brüssel"

Unterdessen wies EU-Industriekommissar Verheugen die Darstellung Guttenbergs zurück, die Europäische Kommission habe staatliche Hilfen für den Arcandor-Konzern abgelehnt. Es handele sich dabei um eine Falschmeldung, die die Kommission bereits dementiert habe, sagte Verheugen im Deutschlandfunk. Sollte sich die Bundesregierung zu Krediten oder Bürgschaften an Arcandor entschließen, dann müsse das zunächst in Brüssel angemeldet werden, erklärte der SPD-Politiker. Danach werde der Fall geprüft. Das Ergebnis eines solchen Verfahrens stehe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, betonte Verheugen.

Interview mit EU-Industriekommissar Verheugen

04.06.2009 08:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Guttenberg: "Klares Nein aus Brüssel"

Zuvor hatte Wirtschaftsminister Guttenberg erklärt, nach einer "sehr klaren Ansage" der Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes gebe es kaum Möglichkeiten für den Karstadt-Mutterkonzern, über den Deutschlandfonds Kredite zu kommen.

Kroes habe erklärt, nach Brüsseler Einschätzung habe sich der Konzern bereits vor dem Juli 2008 in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden, so Guttenberg. Die Probleme wären dann nicht der aktuellen Krise geschuldet, und Arcandor könnte darum nicht von der Lockerung der EU-Regeln für bestimmte Hilfsprogramme der Mitgliedstaaten profitieren. Die Bundesregierung hatte den 115 Milliarden Euro schweren sogenannten Deutschlandfonds für Firmen aufgelegt, die unmittelbar durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind.

Die Privatbank Sal. Oppenheim, Hauptaktionär beim angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor, wirbt trotzdem weiter intensiv um eine Staatsbürgschaft für das Unternehmen. "Im Gegenzug für die Staatsbürgschaft geben wir dem Staat unser Aktienpaket als Sicherheit", zitiert der "Tagesspiegel" einen Sprecher von Sal. Oppenheim. Wenn Arcandor die Bürgschaft nicht mehr brauche, solle die Bank ihre Anteile zurückbekommen. Auch der Vorsitzende des Betriebsrats von Arcandor, Hellmut Patzelt, will weiter um eine Staatsbürgschaft für den angeschlagenen Konzern kämpfen.

Darstellung: