Beschäftigte fertigen Pakete am Fließband ab.

Veränderte Arbeitszeiten der Deutschen Immer später, länger, mehr

Stand: 02.09.2016 15:30 Uhr

Die Arbeitszeiten der Deutschen werden unregelmäßiger: Jeder Vierte arbeitet am Wochenende, jeder Sechste in Schichtarbeit. Die Zahl derer, die pro Woche mehr als 48 Stunden arbeiten, ist in 20 Jahren um 30 Prozent gewachsen, zeigen neue Zahlen.

Arbeitnehmer sind hierzulande immer länger und immer häufiger auch am Wochenende oder abends im Einsatz. Die Zahl der Beschäftigten, die regelmäßig länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, stieg in den vergangenen 20 Jahren um gut 30 Prozent auf 1,7 Millionen im Jahr 2015. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Im Jahr 1995 hatten 1,3 Millionen Arbeitnehmer überlange Arbeitszeiten; im vergangenen Jahr waren es 1,7 Millionen und damit 4,8 Prozent der abhängig Beschäftigten, wie das Ministerium mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes mitteilte. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer muss demnach am Wochenende ran.

2015 arbeiteten 8,8 Millionen abhängig Beschäftigte "ständig" oder "regelmäßig" am Wochenende. Frauen sind dabei etwas häufiger betroffen als Männer.

Wochenendarbeit ist deutlich gestiegen

Das Ministerium verwies darauf, dass der Anteil der Beschäftigten mit Wochenendarbeit vor allem zwischen 1995 und 2010 "deutlich" gestiegen sei - von etwa sechs Millionen Betroffenen auf 8,3 Millionen. Es betonte, dass im Umkehrschluss die Zahlen zeigten, dass drei Viertel der abhängig Beschäftigten nie oder nur gelegentlich am Wochenende arbeiten.

Eine Krankenschwester verschiebt Betten in einem Krankenhaus.
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Eine Krankenschwester verschiebt Betten in einem Freiburger Krankenhaus.

Während 1996 nur 15,6 Prozent der abhängig Beschäftigten häufig abends arbeiten mussten, lag der Anteil den Zahlen zufolge im Jahr 2015 mit knapp 8,8 Millionen Betroffenen bei mehr als 24 Prozent.

Nachtarbeit mussten demnach 2015 knapp 3,3 Millionen und damit gut neun Prozent der Beschäftigten leisten - 1995 waren es noch 7,6 Prozent. Auch bei der Abend- und Nachtarbeit verwies das Ministerium auf den Umkehrschluss. Drei Viertel der abhängig Beschäftigten müssten nie oder nur gelegentlich am Abend arbeiten; 90 Prozent nie oder nur gelegentlich in der Nacht, hieß es in der Antwort auf die Linken-Anfrage weiter.

Die Schichtarbeit nahm ebenfalls zu. Im Schichtdienst arbeitet demnach aktuell etwas mehr als jeder Sechste, 20 Jahre zuvor dagegen nur gut jeder Achte. 1995 waren es demnach 3,8 Millionen Beschäftigte, im vergangenen Jahr 5,6 Millionen.

Nahles bereit zu flexibleren Arbeitszeiten

In Erwartung eines neuen Arbeitszeitgesetzes streiten Gewerkschaften und Arbeitgeber bereits über die dort zu regelnden Einzelheiten. Während die Arbeitgeber vor allem flexiblere Regeln und eine Abkehr vom starren Acht-Stunden-Tag fordern, betont der Deutsche Gewerkschaftbund das Recht der Arbeitnehmer, zu verlässlichen Zeiten abschalten zu können. Auch müssten Arbeitszeitregeln stärker mitbestimmt werden als bislang. Die IG Metall will die Arbeitszeit zum zentralen Tarif- und Mobilisierungsthema der kommenden Jahre machen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat ihre Bereitschaft zu flexibleren Regeln erkennen lassen, sofern diese zuvor über Tarifverträge geregelt würden.

Die Linke warnte angesichts der Zahlen vor einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten. "Immer mehr Menschen arbeiten schon jetzt abends, nachts oder am Wochenende", erklärte Linken-Sozialexpertin Jutta Krellmann. Sie schlug eine wirksame Anti-Stress-Verordnung und die Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. September 2016 um 08:43 Uhr

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