Angestellter in der Kabelherstellung | Bildquelle: picture alliance / Sebastian Gol

Arbeitsmarktstudie 360.000 Geflüchtete in regulären Jobs

Stand: 28.08.2020 11:54 Uhr

Die Bundesagentur für Arbeit zeigt sich mit der Integration der Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt zufrieden. Mehr als 360.000 Menschen aus den größten Herkunftsländern gehen einer geregelten Beschäftigung in Deutschland nach.

Fünf Jahre nach Beginn der großen Fluchtbewegung sind in Deutschland mehr als 360.000 geflüchtete Menschen aus den größten Herkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die Zahlen beziehen sich auf Dezember des vergangenen Jahres. Im September 2015 waren es noch 84.500.

Für die Studie berücksichtigt wurden Geflüchtete aus den acht Ländern Eritrea, Nigeria, Somalia, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan und Syrien. Insgesamt sei die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter seit 2015 "recht erfolgreich" verlaufen, sagte IAB-Migrationsforscher Herbert Brücker. Vier Jahre nach dem Zuzug seien gut 40 Prozent der Geflüchteten erwerbstätig gewesen, nach fünf Jahren rund die Hälfte.

Schrittweise ausgezahlt haben sich nach Einschätzung des Migrationsforschers Investitionen in Sprachkurse. "Nur etwa ein Prozent der Geflüchteten hatte sehr gute oder gute deutsche Sprachkenntnisse bei der Ankunft in Deutschland'", sagte Brücker. Inzwischen spreche mehr als die Hälfte gut oder sehr gut Deutsch.

Geflüchtete von Corona-Krise besonders schwer getroffen

Allerdings hat die Corona-Krise die Situation der Geflüchteten abrupt verschlechtert. Keine andere Beschäftigtengruppe ist nach Angaben des IAB stärker von Entlassungen betroffen. "Wir gehen davon aus, dass rund zehn Prozent der erwerbstätigen Geflüchteten ihre Jobs verloren haben", sagte Brücker.

Viele Geflüchtete arbeiten demnach in der Gastronomie, bei Sicherheitsdiensten, in Reinigungen oder in den sogenannten nicht-medizinischen Gesundheitsberufen wie der Altenpflege. Genau diese Berufe ließen sich jedoch nicht vom Homeoffice aus erledigen. Zugleich habe der Lockdown in der Corona-Krise diese Branchen besonders hart getroffen.

Bedeutung von Zuwanderung für den Arbeitsmarkt wird steigen

Auch die Arbeitsmarktintegration der noch erwerbslosen Geflüchteten ist laut Brücker "weitgehend zum Erliegen gekommen". Das IAB rechnet allerdings damit, dass bei einer Erholung von der Pandemie diese Jobs wieder entstehen.

Grundsätzlich geht Brücker davon aus, dass die Bedeutung von Zuwanderung für den Arbeitsmarkt mittel- und langfristig weiter steigt. "2019 ist die deutsche Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 340.000 Personen geschrumpft", sagte er. Dieser Trend werde sich noch verschärfen, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen. Nur Zuwanderung könne das ausgleichen und die Sozialversicherungssystem stabilisieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. August 2020 um 11:15 Uhr.

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