Tür mit einem Hinweisschild, dass das Geschäft geschlossen ist | Bildquelle: picture alliance/dpa

Rückgang nach 14 Jahren Corona stoppt Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt

Stand: 04.01.2021 10:19 Uhr

Der mehr als ein Jahrzehnt dauernde Aufwärtstrend am deutschen Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Pandemie abrupt beendet worden: Die Zahl der Erwerbstätigen ist 2020 zum ersten Mal seit 14 Jahren gesunken.

Die Corona-Krise hat 2020 den mehr als ein Jahrzehnt währenden Aufwärtstrend am deutschen Arbeitsmarkt gestoppt. Zum ersten Mal seit 14 Jahren sank die Zahl der Erwerbstätigen. 2020 waren im Jahresdurchschnitt rund 44,8 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Nach den vorläufigen Berechnungen des Bundesamtes lag die Zahl damit um 477.000 oder 1,1 Prozent niedriger als 2019. 2019 hatte die Zuwachsrate noch plus 0,9 Prozent betragen. "Damit endete in der Corona-Krise der über 14 Jahre, auch während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 anhaltende Anstieg der Erwerbstätigkeit in Deutschland", erklärten die Statistiker.

Zuwachs auch ohne Corona wohl bald beendet

Laut Bundesamt wäre der seit 2007 andauernde Beschäftigungszuwachs allerdings "vermutlich auch ohne die Corona-Krise bald zum Ende gekommen, da das Erwerbspersonenpotenzial aufgrund des demografischen Wandels schwindet". Durch die Alterung der Bevölkerung stehen also immer weniger Menschen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Diese Entwicklung werde "derzeit immer schwächer durch eine höhere Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung sowie die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte kompensiert", fügten die Statistiker hinzu.

Starker Rückgang im Dienstleistungsbereich

Den stärksten Rückgang der Erwerbstätigen gab es im vergangenen Jahr bei den Dienstleistern mit 281.000. Insgesamt waren noch rund 33,5 Millionen Personen in den Dienstleistungsbereichen tätig. Die größten Beschäftigungsverluste darunter hatten der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit 207.000 Erwerbstätigen und die Unternehmensdienstleister mit 156.000, zu denen auch die Arbeitnehmerüberlassung zählt.

Beschäftigungsgewinne gab es hingegen im Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit 153.000. Im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) sank die Erwerbstätigenzahl um 191.000 auf rund 8,2 Millionen. Vom Baugewerbe kamen mit einem Anstieg um 17.000 auf rund 2,6 Millionen noch positive Impulse. In der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei waren 22.000 Personen weniger erwerbstätig als 2019.

Kurzarbeit nimmt leicht ab

Auch zur Kurzarbeit in Deutschland wurden heute Zahlen vorgelegt: Nach Berechnungen des ifo-Instituts waren im Dezember geschätzt 1,95 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im Vormonat waren es 1,98 Millionen, wie das Institut in München mitteilte. "Hinter der Fassade der Stabilität verbergen sich jedoch größere Verschiebungen", erläuterte ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link. In der Industrie sei die Kurzarbeit über alle Branchen gesunken. Gestiegen sei sie jedoch im Einzelhandel und im Gastgewerbe, die besonders vom aktuellen Lockdown betroffen seien. Die Ergebnisse beruhen den Angaben zufolge auf einer Umfrage unter rund 7.000 Unternehmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2021 um 10:00 Uhr.

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