Arbeitslosenzahlen

Arbeitslosigkeit stieg im Dezember leicht an Schlechter Dezember, aber ein gutes Gesamtjahr

Stand: 03.01.2013 13:52 Uhr

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich im letzten Monat des abgelaufenen Jahres verschlechtert. Im Dezember waren 2,84 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet - 88.000 mehr als noch im November. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Punkte auf 6,7 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) bekanntgab.

Ein Anstieg der Erwerbslosigkeit im Dezember sei üblich, so die BA, 2012 sei er aber etwas stärker als in den Vorjahren ausgefallen. "Der Arbeitsmarkt reagierte auch zum Jahresende robust auf die wirtschaftliche Eintrübung", sagte Behördenchef Frank-Jürgen Weise, schränkte aber ein: "Spuren sind sichtbar." Das vergangene Jahr sei von sehr unterschiedlichen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt geprägt gewesen, so Weise. "Im ersten Halbjahr ist es unerwartet gut gelaufen. Im zweiten Halbjahr unerwartet schlecht."

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Die Zahlen im Dezember 2012

An der Zunahme der Arbeitslosigkeit änderte auch das milde Wetter nichts. Nach Abzug jahreszeitlicher Effekte blieben am Jahresende 15.000 mehr Männer und Frauen ohne Arbeit als im Vormonat. Die Zahlen zeigten, dass Firmen unabhängig vom Saisonverlauf zunehmend zögerten, neue Mitarbeiter einzustellen, betonten Konjunkturexperten. Im November war die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer und Frauen im Vergleich zum Oktober noch minimal gesunken.

Beschäftigungsrekord im abgelaufenen Jahr

Bezogen auf das Gesamtjahr 2012 präsentierte sich der Arbeitsmarkt in Hochform: Die Zahl der erwerbslos gemeldeten Menschen war 2012 so niedrig wie zuletzt 1991. Und dies trotz Euro-Krise und Konjunktursorgen. Mit rund 41,5 Millionen Erwerbstätigen gab es einen Beschäftigungsrekord.

Nach Berechnungen der BA waren 2012 im Jahresschnitt 2,897 Millionen Menschen ohne Arbeit. Damit wurde selbst der vergleichsweise niedrige Wert des Boom-Jahres 2011 noch einmal um knapp 80.000 unterschritten.

Kommt jetzt die "Delle"?

In den kommenden Monaten erwarten Konjunkturforscher und Volkswirte großer Banken vor allem schlechte Nachrichten. Sie rechnen mit einer "Delle" bei der Arbeitsmarktentwicklung. Bestätigt fühlen sie sich vom jüngsten Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit, der die Entwicklung bei den offenen Stellen nachbildet. Danach ging die Nachfrage nach Arbeitskräften zum Jahresende weiter zurück und rutschte auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren.

Fachkräfte in vielen Bereichen gesucht

Im Dezember waren 421.000 offene Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet, das sind 47.000 weniger als vor einem Jahr. Besonders gesucht sind demnach Fachkräfte in den Bereichen Mechatronik, Energie und Elektro, Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau, Verkehr und Logistik sowie Verkauf und Gesundheit. Großen Arbeitskräftebedarf signalisiere zudem die Zeitarbeitsbranche.

"Angesichts eingetrübter Konjunkturerwartungen zeigen sich die Unternehmen insgesamt vorsichtiger, was Neueinstellungen angeht", kommentierte die Bundesagentur die Zahlen. Im langjährigen Vergleich liege die Kräftenachfrage aber immer noch auf einem hohen Niveau, betonte die Nürnberger Behörde.

"Zeichen der Eintrübung"

Trotz der abflauenden Konjunktur rechnet Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen 2013 mit keinem gravierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Die Chancen stehen gut, dass der Arbeitsmarkt weiter robust reagiert", sagte sie in Berlin. "Das Umfeld wird schwieriger, aber wir sind gut gewappnet." So habe die Bundesagentur für Arbeit ausreichend Mittel zur Verfügung, um Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen und Unternehmen bei der Kurzarbeit zu unterstützen. "Die Zeichen der Eintrübung sind nicht zu übersehen", räumte von der Leyen ein.

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KOMMENTARE

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Opolonius 03.01.2013 • 16:38 Uhr

Massenarbeitslosigkeit

Nach all den Jubelmeldungen, die einer DDr-Pressemeldung würdig wären, mag es ja kaum noch jemand glauben, dass nach wie vor Massenarbeitslosigkeit herrscht! Ein teil ds "Erfolges" am Arbeitsmarkt beruht allerdings auch darauf, dass da immer mehr Aufstocker eine Vollzeitjob haben oder gar zahlreiche unbezahlte Überstunden darüber hinaus leisten. Auch deswegen ist anders als in Norwegen ein Nachdenken über Mindestlöhne erforderlich. In Norwegen besteht im Gegensatz zu Deutschland nicht die Gefahr einen Job mit einem Gehalt zu bekommen, das unterhalb der Armutsgrenze liegt. Die Entwicklungschancen für Arbeitnehmer_innen sind dort wesentlich besser. Deutschland hatte und hat gegenüber anderen Ländern mit gutem Entwicklungspotential für Arbeitnehmer_innen allen Jubelmeldungen zum Trotz immer noch Nacholbedarf!