Der digitale Einkaufswagen "Dash Cart" im Amazon Fresh-Store. | Bildquelle: AFP

Amazon-Supermarkt Smarter Einkaufswagen als Datenlieferant

Stand: 09.10.2020 10:23 Uhr

Mit Büchern fing Amazon einst an. Inzwischen mischt der mächtige US-Konzern in vielen Lebensbereichen mit. In Los Angeles gibt es nun einen mit Technik vollgestopften Amazon-Supermarkt.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Wer will, der kann sein Amazon Einkaufserlebnis schon zu Hause mit der Sprachassistentin Alexa beginnen. Dafür diktiert man ihr einfach seine Einkaufsliste: "Alexa, füge Hafermilch hinzu."

Im ersten Amazon-eigenen Supermarkt in Woodland Hills, einem Stadtteil von Los Angeles, geht es dann mit Amazon-Technik weiter, wenn man möchte. Seinen Einkaufswagen kann man mit der Amazon-App verbinden, erklärt ein Mitarbeiter am Eingang. "Dash Cart" nennt sich der grüne Einkaufswagen, der mit Technik vollgestopft ist. Scanner, mehrere Kameras und eine integrierte Wage sollen erfassen, was man einkauft und im Display am Einkaufswagen die Preise anzeigen.

Das klappt auf den ersten Metern gut, die Kamera fotografiert etwa ein eingepacktes Baguette, die Scanner erfassen den Barcode, das Display zeigt an: Ein Brot für 89 Cent befindet sich im Einkaufswagen.

Kniffeliger wird es an der Frischetheke. Ähnlich wie bei der Waage im normalen Supermarkt muss man auch hier eine Nummer für das Abwiegen von Obst oder Gemüse eingeben - nur eben direkt in seinem Einkaufswagen. Wer das vergisst, wird mit einem gelben Licht und Ton darauf hingewiesen.

Neue Märkte erschließen

Die Technik, die Amazon hier vorstellt, ähnelt dem Konzept der "Amazon Go"- und "Amazon Go Grocery"-Supermärkte, von denen es mittlerweile etwa zwei Dutzend in den USA gibt. Dort sind die Kameras allerdings im Laden verteilt, erfassen, was der Kunde einpackt - oder wieder aus dem Warenkorb legt. Mit dem Smartphone werden die Einkäufe registriert und beim Verlassen des Ladens abgerechnet. Kein Warten an der Kasse, kein Bargeld oder Bankkarte sind nötig.

Nach diesem Prinzip funktioniert auch der "Dash"-Einkaufswagen - nur, dass die Kameras in dem sehr schweren Einkaufswagen eingebaut sind. Wie die Technik genau funktioniert, darüber klärt Amazon allerdings nicht auf.

Amazon-Fresh-Supermarkt | Bildquelle: VIA REUTERS
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Der "Amazon Fresh"-Supermarkt bietet eine breite Produktpalette

Viele Produkte der Edel-Öko Supermarktkette "Whole Foods" sind in den Regalen zu finden. Diese hatte Amazon 2017 gekauft. So hatte sich der Warenversandkonzern noch stärker in das Standortgeschäft eingearbeitet. Mit den neuen Supermärkten, die bald in noch mehr US-Städten eröffnen sollen, versucht Amazon, sich ein noch größeres Publikum zu erschließen. Denn im Gegensatz zu "Whole Foods" finden Kunden hier nicht nur Bioware, sondern auch alles, was sie aus den traditionellen Supermärkten kennen.

Bezahlt wird auch mit Kundendaten

Hinzu kommen weitere Service-Angebote. "Sie haben viele Sachen und sie haben Amazon Pick-Up. Ich kann hier also Bestellungen abholen und abgeben und muss nicht extra zur Post", erklärt Kunde Leo. Gepaart wird dies mit Technik, die viele Kunden schon von zu Hause kennen - wie der Sprachassistentin Alexa, die man hier fragen kann, wo man zum Beispiel den Wein findet.

Amazons Ziel ist es, dass der Kunde sich irgendwann gar nicht mehr aus der Amazon-Welt heraus bewegen muss. Er kann alles über sein Konto organisieren. Die Vorteile für Amazon liegen auf der Hand: So kann der Konzern bequem noch mehr Daten von Kunden sammeln und über ihr Einkaufsverhalten lernen.

Schlangestehen geht immer noch

Weniger bedeutsam ist wohl, dass Kassierer durch smarte Einkaufswagen ersetzt werden. Denn Personal spart Amazon nicht unbedingt ein: Im Laden sind insgesamt viele Mitarbeiter, die helfen - vor allem dann, wenn es mit dem schlauen Einkaufswagen mal nicht so klappt wie gedacht.

In Deutschland sind solche Modelle erst einmal nicht denkbar, die Datenschutzgesetze sind strenger als in den USA. Denn wohin die Kundendaten fließen und wofür sie verwendet werden, bleibt verborgen.

Immerhin: Als Kunde hat man in den "Amazon Fresh"-Läden auch die Option, auf ganz traditionelle Weise einzukaufen - mit einem normalen Wagen und anschließendem Anstehen an der Supermarktkasse.

Amazon goes Supermarkt
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
09.10.2020 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 09. Oktober 2020 um 09:25 Uhr.

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