Im Amazon Logistikzentrum Pforzheim (Baden-Württemberg) laufen am Pakete auf einem Band zum Versand.  | Bildquelle: dpa

Amazon-Arbeitskampf Streik beim Krisengewinner

Stand: 29.06.2020 10:34 Uhr

Neue Runde im Tarifstreit zwischen Amazon und der Gewerkschaft ver.di. An sechs Standorten wird 48 Stunden gestreikt. Es geht um den seit Jahren andauernden Tarifkonflikt, aber auch um Corona.

Zahlreiche Mitarbeiter des Online-Versandhändlers Amazon haben in der Nacht Streiks an mehreren Standorten in Deutschland begonnen. In Rheinberg in Nordrhein-Westfalen rechnete die örtliche Streikleitung nach eigenen Angaben mit einer Beteiligung von 400 bis 450 Beschäftigten. Im nordrhein-westfälischen Werne wurde der Streik von einer Protestkundgebung begleitet. In Leipzig erwartet die Gewerkschaft ver.di etwa 400 bis 500 Streikende. Auch an den Standorten in Bad Hersfeld und Koblenz soll die Arbeit niedergelegt werden. Die Streiks sollen bis Dienstag dauern.

"Was wir derzeit sehen, ist, dass die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz normal arbeiten", erklärte Amazon. "Auswirkungen auf unsere Abläufe sehen wir aktuell keine, so dass Kundenbestellungen ganz normal bearbeitet werden."

Corona-Ausbruch bei Amazon

In der Corona-Krise macht der Onlinehändler Amazon große Gewinne. Die Mitarbeiter seien jedoch schlecht behandelt worden, kritisiert ver.di. Die Gesundheit der Beschäftigten werde zu Gunsten des Konzernprofits gefährdet. Deshalb werde mit den Streiks nun die Gangart im seit Jahren andauernden Tarifkonflikt verschärft. Als Grund für die Eskalation verwies ver.di auch auf die jüngsten Coronavirus-Ausbrüche an Amazon-Standorten wie Bad Hersfeld. "Nach unseren Informationen haben sich dort mindestens 30 bis 40 Kolleginnen und Kollegen infiziert", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Amazon verteidigt sich

Amazon verweist darauf, dass man allein in Deutschland seit Februar 470 Millionen Einheiten Desinfektionsmittel für die Hände, 21 Millionen Paar Handschuhe, 19 Millionen Masken, Gesichtsschilder oder anderen Mund-Nase-Schutz und 39 Millionen Packungen desinfizierende Wischtücher bestellt habe. Dem Unternehmen zufolge gibt es unter anderem eine Maskenpflicht an allen Standorten, zudem habe man Temperaturkontrollen und gestaffelte Schicht- und Pausenzeiten eingeführt sowie die Reinigung verstärkt.

Ver.di fordert den Abschluss eines Tarifvertrags "Gute und gesunde Arbeit" sowie die Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels. Amazon argumentiert, das Unternehmen sei auch ohne Tarifvertrag "ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber" und zahle am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Zusatzleistungen. Bundesweit hat Amazon 13 Logistikstandorte mit rund 13.000 Festangestellten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Juni 2020 um 08:45 Uhr in den Nachrichten.

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