Amazon-Chef Jeff Bezos | AP

Als "größter Buchladen der Welt" Vor 25 Jahren ging Amazon an die Börse

Stand: 15.05.2022 16:12 Uhr

Mit einem Ausgabepreis von 18 Dollar ist Amazon 1997 an die Börse gegangen. Seitdem hat das Unternehmen das Einkaufsverhalten der Menschen grundlegend verändert und Eigentümer Bezos zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

In den Monaten vor dem Börsengang erzählte Firmengründer Jeff Bezos potentiellen Investoren immer wieder diese Geschichte:


Vor drei Jahren, als ich noch für einen Hedgefonds in New York gearbeitet habe, bin ich über diese Zahl gestolpert: Die Internetnutzung wächst um 2300 Prozent im Jahr! Da habe ich entschieden: Vor dem Hintergrund dieser Rate entwickle ich einen Business-Plan.
Peter Mücke ARD-Studio New York

Das geschah angeblich auf der Autofahrt mit seiner Frau von New York nach Seattle, wo Bezos im Sommer 1994 seine Firma Cadabra gründete. Ein Name, der einen befreundeten Anwalt an Kadaver erinnerte.

Aus "Cadabra" wurde "Amazon"

Drei Monate später änderte er den Namen seiner Firma in Amazon. Die Geschäftsidee blieb die gleiche: Versandhandel übers Internet. Er habe sich bewusst für Bücher entschieden, erzählt Bezos. Von Büchern gebe es mit Abstand die meisten verschiedenen Exemplare auf dem Markt. Musik sei die Nummer zwei. Es gebe 200.000 verfügbare CDs, aber mehr als drei Millionen Buchtitel weltweit. Und allein 1,5 Millionen davon auf Englisch.

So ging Amazon.com als "größter Buchladen der Welt" vor 25 Jahren an die New Yorker Technologie-Börse Nasdaq - und schlug sich gut: Ausgabepreis 18 Dollar - nach drei Aktiensplits entspräche das heute 1,50 Dollar je Aktie. Wer bei der Zuteilung leer ausgegangen war, konnte am Ende des ersten Handelstags beim Schlusskurs von 23 Dollar - splitbereinigt knapp zwei Dollar - immer noch ein Schnäppchen machen. Zum Vergleich: Am Freitag ging die Amazon-Aktie mit 2263 Dollar aus dem Handel. Und das, obwohl der Kurs seit dem Sommer um 40 Prozent eingebrochen ist.

Den Markt besser verstanden als andere

"Ich glaube, ich hätte damals zumindest in Erwägung gezogen, Amazon zu kaufen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht vorhergesagt hätte, dass der Kurs um 2500 Prozent steigen würde", sagt Arun Sundararajan, Techexperte an der New York University, der sich seit Jahren mit dem Phänomen Amazon beschäftigt. Aber Amazon sei damals schon eine Firma gewesen, die den Online-Handel besser verstanden habe als andere - auch schon zum Zeitpunkt des Börsengangs, so Sundararaja.

Aus seiner Sicht hatte Amazon im Gegensatz zu den Konkurrenten eines verstanden: "Wenn Du die Weihnachtsgeschenke nicht rechtzeitig lieferst, dann hast Du jedes Vertrauen verloren." Weihnachten 1998 und 1999 sei Amazon der einzige Online-Händler gewesen, dessen Seiten nicht zusammengebrochen sind, berichtet Sundararaja weiter. Amazon habe die Kapazitäten gehabt, um die enorme Nachfrage abzudecken, und habe die Logistik-Infrastruktur aufgebaut, um die Weihnachtsgeschenke auch pünktlich auszuliefern - was gut für die Kunden war, aber zunächst nicht für die Aktionäre.

Statt Gewinne auszuschütten investierte Besoz massiv. Aus dem Buchladen im Internet wurde ein Online-Marktplatz für so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Mit Kindle setzte Amazon den e-Book-Standard, der 80 Prozent des US-Marktes abdeckt. Der hochprofitable Amazon Web Service bietet Cloud-Services weltweit.

Eine Strategie, die die Welt veränderte


In Laufe der Zeit habe es immer wieder die Frage gegeben, ob Amazon das richtig mache - weiter wachsen, statt Gewinne abzuschöpfen, so Sundararaja. Aber mit dieser Strategie habe Amazon mehr als jedes andere Unternehmen in der westlichen Welt das gesamte Einkaufsverhalten verändert - und sei dafür verantwortlich, dass es heute so normal ist, online einzukaufen.

Das und die Tatsache, dass breit aufgestellte Online-Händler weniger abhängig sind von Trends und Entwicklungen als etwa Facebook oder Twitter, macht Sundararajan sicher, dass Amazon auch 50 Jahre nach dem Börsengang weiter erfolgreich sein wird. Wenn ich mir die Top Five der Techunternehmen ansehe - Microsoft, Amazon, Apple, Google und Facebook - dann halte er es für am wahrscheinlichsten, dass davon Amazon auch in 25 Jahren noch da sein werde und den Markt dominiere.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2021 um 07:38 Uhr.