Besuch im Silicon Valley: Peter Altmeier fährt zum ersten Mal in seinem Leben mit einem autonomen Auto. | Bildquelle: dpa

Silicon Valley Altmaier will mehr Innovation

Stand: 09.07.2019 07:35 Uhr

Wirtschaftsminister Altmaier will bei Zukunftstechnologien aufs Tempo drücken. Deutschland dürfe den Anschluss nicht verlieren und müsse auch nach China und Australien schauen, sagte er im Silicon Valley.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio, und Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der deutsche Wirtschaftsminister strahlt, als er aus dem selbstfahrenden Auto aussteigt. Das erste Mal in seinem Leben sei er mit einem autonom fahrenden Fahrzeug gefahren, erzählt der Minister der Presse. Peter Altmaier hat gerade eine kleine Tour durch San Francisco absolviert - im Berufsverkehr am Morgen, mit verstopften Straßen und zum Teil mit bis zu 30 Prozent Steigung in den steilen Straßen der nordkalifornischen Metropole.

"Das war sehr eindrucksvoll, was die Technologie heute kann - mit künstlicher Intelligenz, mit Sensortechnik, vieles davon in Deutschland erforscht und erfunden", sagt Altmaier. Er glaube, dass diese Technologie in den nächsten Jahren große Fortschritte machen wird. "Deshalb ist es wichtig, dass Deutschland vorne mit dabei ist."

Wirtschaftsminister Altmaier besucht auf seiner US-Reise die US-Firma Zoox und informiert sich über autonomes Fahren. | Bildquelle: dpa
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Wirtschaftsminister Altmaier besucht auf seiner US-Reise die US-Firma Zoox und informiert sich über autonomes Fahren.

60.000 Deutsche leben im Silicon Valley

Zoox heißt das Unternehmen, das nahe von Fisherman's Wharf in San Francisco ein Entwicklungslabor unterhält. Von dort werden die selbstfahrenden Autos in das nur wenige Kilometer entfernte Silicon Valley geschickt, um sie auf Alltagstauglichkeit zu testen. Marc Wimmershof, gebürtiger Deutscher, ist Entwicklungschef bei Zoox. Er hat den deutschen Gast im selbstfahrenden Auto begleitet. "Die meisten sind sehr überrascht, wie gut und weit die Technik entwickelt ist", berichtet er.

Rund 60.000 Deutsche, so hat die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich berichtet, leben im Silicon Valley. Der vergleichsweise kleine Landstrich ist gerade mal 100 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Allein drei deutsche Schulen gibt es in der Region. Alle deutschen Automobilhersteller, aber auch SAP aus Heidelberg unterhalten hier größere Einrichtungen.

Blick nach China und Australien

An keinem anderen Ort der Welt können junge Unternehmen für ihre Geschäftsideen mehr Risikokapital erhalten als an der Sand Hill Road mitten im Silicon Valley. So haben Google, Facebook und Hunderte andere Unternehmen angefangen. Der deutsche Wirtschaftsminister ist da aber anderer Meinung. Er nennt Städte in China, aber auch Australien.

Im ARD-Interview präzisiert Altmaier seine Aussage: "Wir müssen auch den Blick darauf lenken, dass das Silicon Valley nur ein Ort ist, wo die Zukunft gestaltet wird", sagt er. "Heute gibt es auch in vielen Städten wie in Shenzhen oder Shanghai sehr viel Innovation, sehr viel Zukunft, sehr viel Offenheit. Wir erleben das Gleiche auch an anderen Orten und in Australien und Europa. Deshalb müssen wir uns dem Thema insgesamt öffnen."

Andere Länder besser vernetzt

Vor allem junge Unternehmen, die aus Deutschland ins Silicon Valley kommen, um hier Geschäfte zu machen, beklagen die mangelnde Vernetzung der deutschen Community. Eine, die aus Erfahrung spricht, ist Kati Schmidt. Die Münsteranerin lebt seit fast zehn Jahren hier und war eine der ersten Mitarbeiterinnen der Wohnungsvermittlungsplattform AirBnb.

"Ich habe gehört, dass die Franzosen besser vernetzt sind", sagt Schmidt. Das sei ein bisschen peinlich, schließlich sei Deutschland "ein größeres und ein cooleres Land". Manchmal seien es die ganz kleinen Länder wie Österreich, bei denen man sich wundere, was sie alles auf die Beine stellen. "Da könnten die Deutschen noch etwas lernen und müssten das eigentlich noch übertrumpfen."

Den deutschen Wirtschaftsminister ficht das offenbar nicht an. Altmaier verkündet eine Partnerschaft zwischen dem Forschungszentrum Jülich und dem IT-Riesen Google. Beide wollen auf dem Gebiet der Quantentechnologien und der Quantenalgorithmen künftig zusammenarbeiten. Am späten Nachmittag reist Altmaier in die US-Hauptstadt Washington weiter.

Altmaier im Silicon Valley
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
09.07.2019 06:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2019 um 07:00 Uhr.

Korrespondentin

Franka Welz HR  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo HR

Franka Welz, HR

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