Peter Altmaier | REUTERS

Konjunkturprognose Einbruch von 5,8 Prozent erwartet

Stand: 01.09.2020 11:45 Uhr

Es kommt wohl nicht ganz so schlimm wie erwartet: Bundeswirtschaftsminister Altmaier korrigierte die Konjunkturprognose nach oben - auf ein Minus von 5,8 Prozent. Die Talsohle der Rezession sei durchschritten.

Die Bundesregierung korrigiert ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr nach oben. Er freue sich, dass er gute Nachrichten überbringen könne, so Bundeswirtschaftsminister Altmaier bei der Vorstellung der Zahlen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde wegen der Corona-Krise um 5,8 Prozent einbrechen, so Altmaier. Bislang war man von einem Minus von 6,3 Prozent ausgegangen. Altmaier äußerte die Hoffnung, dass man sogar ein "noch leicht besseres Ergebnis" erzielen könne.

"Die Rezession im ersten Halbjahr ist weniger stark ausgefallen als wir befürchten mussten", sagte der Wirtschaftsminister. Der Aufschwung gehe schneller und dynamischer vonstatten, als man zu hoffen gewagt hatte. Altmaier sprach von einer beispielhaften V-förmigen Entwicklung: "Die Talsohle ist durchschritten." Die Verbesserung um einen halben Prozentsatz bedeute für die Wirtschaft insgesamt Zuversicht, so Altmaier.

Der wirtschaftliche Einbruch fällt demnach nur etwas größer aus als im Jahr der Finanzkrise 2009, als das BIP um 5,7 Prozent geschrumpft war. Es wäre dennoch die schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

Geringeres Plus für 2021

Für 2021 rechnet die Regierung mit einem Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent. Hier war bisher ein Plus von 5,2 Prozent vorhergesagt worden. Laut Altmaier ist das einerseits darauf zurückzuführen, dass ein Teil des für 2021 erwarteten Wachstums nun schon 2020 stattfindet. Dieser "Vorzieh-Effekt" sei positiv. Andererseits verwies der Minister auf die schwierige wirtschaftliche Lage in anderen Ländern, welche die Exporte verringern würde. Daher sei es wichtig, dass sich die Inlandsnachfrage stabilisiert habe, so Altmaier.

Europas größte Volkswirtschaft ist bislang besser durch die Corona-Krise gekommen als viele andere große Industrienationen. So brach das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr zwar mit 9,7 Prozent so stark ein wie noch nie. Die Lage in Frankreich (-13,8 Prozent), Großbritannien (-20,4 Prozent) und Italien (-12,8 Prozent) ist aber deutlich schlimmer.

Altmaier: Zweiter Lockdown kann verhindert werden

Altmaier zeigte sich überzeugt, dass ein zweiter Lockdown verhindert werden könne, wenn keine größeren Öffnungsschritte unternommen und Hygieneregeln eingehalten würden. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie sei unter diesen Voraussetzungen ein Aufschwung möglich, so der Wirtschaftsminister. Man habe viel erreicht. "Ich wage die Prognose, dass wir im Jahr 2022 wieder das Vorkrisenniveau beim Bruttoinlandsprodukt erreicht haben", sagte er.

Zuletzt hatte es vermehrt Hinweise auf eine wirtschaftliche Belebung in der zweiten Jahreshälfte gegeben: Der Ifo-Geschäftsklimaindex - der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft - legte zuletzt vier Monate in Folge zu. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise stieg die Beschäftigung in Deutschland wieder: Im Juli waren knapp 44,6 Millionen Menschen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig - ein Plus von 64.000 oder 0,1 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. September 2020 um 11:45 Uhr.