Logo der Alibaba-Group | Bildquelle: REUTERS

Ermittlungen in China Alibaba im Visier der Behörden

Stand: 24.12.2020 08:51 Uhr

Es ist einer der wertvollsten Konzerne der Welt und der größte Onlinehändler Chinas - doch nun scheint Alibaba der kommunistischen Führung zu mächtig geworden zu sein. Die Kartellbehörde ermittelt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Mögliche "monopolistische Praktiken": Aus diesem Grund sind in China Ermittlungen gegen Alibaba eingeleitet worden. Das teilte die zuständige Aufsichtsbehörde in Peking mit. Zudem wolle man mit dem Management des Schwesterunternehmens Ant "Gespräche führen". Ant ist das aus dem Alibaba-Konzern herausgelöste Finanz-Tech-Unternehmen.

Was den beiden Unternehmen genau vorgeworfen wird, wurde nicht bekannt. Aber klar ist: Das Alibaba-Konglomerat ist der kommunistischen Führung offensichtlich zu mächtig geworden. Das Entscheidende dabei: Weil China kein Rechtsstaat ist, muss das Alibaba-Management fest damit rechnen, dass die Behörden das Unternehmen bestrafen werden. Möglicherweise wird es zerschlagen oder de facto unter die Kontrolle der Staatsführung gestellt.

Größter Börsengang der Geschichte abgesagt

Gegründet wurde Alibaba 1999 vom damaligen Lehrer Ma Yun alias Jack Ma. Inzwischen ist das Unternehmen mit Sitz in der Stadt Hangzhou eines der mächtigsten Privatunternehmen Chinas. Mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro gehört Alibaba zu den wertvollsten Konzernen der Welt. In China dominiert es mit seiner Marke Taobao seit Jahren den Onlinehandel.

Jack Ma
galerie

Alibaba-Gründer Jack Ma ist zuletzt aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Der Schwesterkonzern Ant ist außerdem der führende Bezahl-Dienstleister. Im November hatte Gründer Jack Ma Ant an die Börse bringen wollen. Geplant war der größte Börsengang der Weltwirtschaftsgeschichte. Doch wenige Tage vor der geplanten Erstnotierung in Shanghai und Hongkong sagte Ant den Börsengang auf Druck der kommunistischen Staatsführung ab.

Führung sendet Zeichen

Von den nun eingeleiteten Ermittlungen gegen Alibaba und Ant geht nach Ansicht von Analysten ein deutliches Zeichen aus: Wer in China wirtschaftlich zu selbstbewusst und zu mächtig wird, wird von der Staatsführung zurechtgestutzt. Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte in den vergangenen Monaten mehrmals gefordert, dass sich auch die Privatwirtschaft in China strikt nach den Vorgaben der Kommunistischen Partei ausrichten müsse. Diese Aufforderung gilt einerseits für Unternehmen, andererseits aber auch für die Spitzenmanager der Firmen.

Der üblicherweise sehr umtriebige Alibaba-Gründer und Multimilliardär Jack Ma wurde bereits seit Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Chinas Behörden Ma aufgefordert haben, das Land vorerst nicht zu verlassen. Der Aktienkurs von Alibaba brach angesichts der Ermittlungen um zeitweise mehr als acht Prozent ein.

China: Behörden leiten Ermittlungen gegen Alibaba ein
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
24.12.2020 08:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.

Darstellung: