A350-Passagierflugzeuge sind im Airbus-Werk in Blagnac in der Nähe von Toulouse geparkt | Bildquelle: REUTERS

Deutschland und Frankreich Widerstand gegen Stellenabbau bei Airbus

Stand: 01.07.2020 16:55 Uhr

Der infolge der Corona-Krise geplante Stellenabbau bei Airbus wird Deutschland und Frankreich besonders stark treffen. Nun regt sich in Ministerien und Gewerkschaften beider Länder Widerspruch.

Politiker und Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich fordern ein möglichst faires und behutsames Vorgehen beim geplanten Abbau Tausender Airbus-Stellen: "Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass diese Umstrukturierung auch so erfolgen wird, dass sie kein Land bevorzugen und kein Land benachteiligen wird", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Altmaier äußerte aber grundsätzliches Verständnis für die Notwendigkeit von Einsparungen: Der Flugzeugbauer Airbus sei in einer ähnlichen Situation wie die Lufthansa, die von der Corona-Krise schwer getroffen worden sei. "Wir haben ein Interesse daran, dass beide Unternehmen diese Krise unbeschadet überstehen", sagte Altmaier.

Djebarri: Stellen durch Kurzarbeit retten

Der französische Verkehrs-Staatssekretär Jean-Baptiste Djebarri kritisierte die geplanten Streichungen: Der Konzern habe dabei nicht alle staatlichen und betrieblichen Maßnahmen berücksichtigt, sagte er: Allein durch andauernde Kurzarbeit könne man etwa 1500 Stellen retten, durch die Arbeit an einem umweltfreundlicheren Flugzeug, das bis 2035 mit Fördergeldern entwickelt werden soll, könnten weitere 500 gesichert werden.

Djebarri verwies auf das Konjunkturpaket des Staates: Die Regierung habe Air France nicht mit sieben Milliarden Euro geholfen, um einen Stellenabbau zu finanzieren, sondern um zu überleben und die Löhne zahlen zu können. "Airbus steht vor einer sehr schweren Zeit. Der Staat steht zu Airbus, wie auch zu Air France", sagte er.

Die französische Gewerkschaft Force Ouvriere bezeichnete Kündigungen bei Airbus als "rote Linie", die nicht überschritten werden dürfe. Hierzulande machte sich die IG Metall für eine Verlängerung der Kurzarbeit stark, um den Abbau zu dämpfen. Sie warnte vor einem "Kahlschlag".

Radikale Schrumpfkur bei Airbus

Airbus hatte am Dienstagabend angekündigt, infolge der Corona-Krise weltweit 15.000 der 90.000 Vollzeitstellen in der Verkehrsflugzeugsparte zu abzubauen, davon 5100 in Deutschland. Zusätzlich sollen hierzulande 900 Stellen bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec wegfallen, deren Abbau bereits vor der Krise geplant war - damit ist die Bundesrepublik der am stärksten von der geplanten Schrumpfkur betroffene Standort. Im Nachbarland Frankreich will der Flugzeugbauer 5000 Stellen abbauen.

Vor allem Standorte in Norddeutschland betroffen?

An welchen Standorten in Deutschland konkret Stellen wegfallen sollen, ist noch unklar. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann geht davon aus, dass es alle norddeutschen Standorte treffen wird, nannte aber keine Namen.

Die Konzernleitung habe signalisiert, möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, sagte der CDU-Politiker der dpa. Geprüft werden sollen Vorruhestands- und Kurzarbeitsregelungen sowie flexible Arbeitszeitmodelle, um Airbus über die Krise zu helfen. "Wir brauchen eine klare Unterstützung der Luftfahrtindustrie durch Bund und Länder", sagte Althusmann. Die Länder Hamburg, Niedersachsen und Bremen würden den Bund bitten, die Entwicklung neuer Antriebstechniken und Verbundstoffe für eine grüne Luftfahrt zu unterstützen.

Eine große Hoffnung ist laut Althusmann auch, dass der Bund die Zukunft des deutsch-französischen Airbus-Projekts ins Zentrum der deutschen EU-Ratspräsidentschaft stellt. Die französische Regierung hatte vor einigen Wochen ein milliardenschweres Hilfspaket für die gesamte Luftfahrtbranche aufgelegt. Eine Bedingung war dabei, dass bis 2035 ein CO2-neutrales Flugzeug entwickelt wird. In den kommenden drei Jahren sollen 1,5 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung in umweltfreundliche Technologien investiert werden.

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