Die Werbeagentur "Die Querdenker" in Hameln.

"Die Querdenker" Eine Agentur wehrt sich

Stand: 21.11.2020 00:27 Uhr

Mit Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen macht die "Initiative Querdenken" immer wieder Schlagzeilen - sehr zum Leidwesen einer Werbeagentur im niedersächsischen Hameln.

Von David Römhild, NDR

Schon im Treppenhaus der kleinen Werbeagentur wird deutlich: Die Abstands- und Hygieneregeln nimmt die Firma ernst. Ein Schild mit den Worten "MASKE AUF!" begrüßt Besucher, daneben stehen Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel bereit. An der Wand darüber prangt, weiß auf rotem Grund, der Name der Agentur: "Die Querdenker".

Werbeagentur "die Querdenker" in Hameln
galerie

Die geltenden Hygieneregeln nehmen die Mitarbeiter der Werbeagentur sehr ernst.

Ein Name, der für Irritationen sorgt

Der Name würde "immer wieder Irritationen hervorrufen", so Geschäftsführer Mirko Wiemann. Häufig werde seine Agentur mit den protestierenden Anhängern der "Querdenken"-Bewegung verwechselt. Dabei hätten sie mit der politischen Initiative aber nichts zu tun, sagt Wiemann. Es gebe in ihrer Agentur niemanden, der die Corona-Maßnahmen nicht für sinnvoll halten würde.

Besonders häufig müsse sie sich am Telefon erklären, erzählt Karina Hüser. Oft fühlt sich die Geschäftsführerin dabei schnell in die "Schublade der 'Initiative Querdenken' einsortiert". Neue Kunden anzuwerben, sei fast unmöglich: Zu schwierig mache die Verwechslungsgefahr den Gesprächseinstieg. Die Werbeagentur lebt von den Aufträgen, die in der Corona-Krise erhalten blieben: Stammkunden wie die örtliche Volksbank, die Stadt oder ein Hersteller von Tütensuppen. Das Geschäft mit Messe- und Eventfirmen sei bereits zu Beginn der Pandemie weggebrochen.

"Völlig falsche Richtung"

Die Mehrheit ihrer Angestellten haben die Chefs ins Homeoffice geschickt, auch das mache das Geschäft nicht einfacher. Es sei durch Corona "wahnsinnig schwierig geworden". Hinzu käme nun immer die Befürchtung, dass sein Gegenüber auflege, wenn er anrufe, so Wiemann. Dabei seien auch unter seinen zehn Mitarbeitern keine Corona-Leugner. Der Geschäftsführer hat für die Agentur Corona-Masken bestellt. Die sollten eigentlich mit dem Schriftzug "Die Querdenker" bedruckt werden. Das würden sie jetzt aber doch lieber sein lassen: "Das geht ja in eine völlig falsche Richtung."

Das ganze Werbematerial ihrer Firma trage natürlich den Schriftzug, sagt Geschäftsführerin Hüser. Vor dem Agenturbüro stehen Autos mit dem Aufdruck "Die Querdenker". Hinzu kommen Webseite, Briefpapier und Visitenkarten. Über eine Namensänderung wollen die Werber aber noch nicht nachdenken - trotz der Verwechslungsgefahr mit den Anhängern der "Querdenken"-Bewegung.

Die Geschäftsführer der Agentur "Die Querdenker" bei der Arbeit
galerie

Die Geschäftsführer der Agentur bei der Arbeit. Noch ist eine Namensänderung kein Thema.

Appell an Medien - Umbenennung noch kein Thema

Die Geschäftsführerin hat sich an lokale und auch überregionale Medien gewandt und die Journalisten per E-Mail dazu aufgefordert, bei der Berichterstattung über die Anti-Corona-Bewegung nicht pauschal "die Querdenker" zu schreiben oder zu sagen: "Wir sind die richtigen 'Querdenker', und ich möchte nicht, dass wir damit in Verbindung gebracht werden."

Tageszeitungen, Radio- und Fernsehsender berichteten. Die Resonanz darauf war laut Wiemann überwiegend positiv. Nur ein Anrufer habe ihn beschimpft. Bestandskunden hingegen meldeten sich mit Vorschlägen für einen neuen Agentur-Namen. Doch "Die Querdenker" sei für sie immer ein sehr gutes Markenzeichen gewesen: "Seit über 20 Jahren arbeiten wir damit und haben beste Resonanz bekommen." Viele Kunden hätten die Agentur gerade wegen des Namens gewählt.

Rechtlich sei der allerdings nur schwer zu schützen. Höchstens als Wort- und Bildmarke in Verbindung mit der Agentur sei das überhaupt möglich. Das Verwechslungsproblem werde damit nicht gelöst, erklärt der Geschäftsführer. Den Firmennamen zu ändern, kommt auch für seine Kollegin Hüser nicht in Frage. Sie stünden zu dem, was sie seien. Zu lange hätten sie gebraucht, um den Namen aufzubauen. Das wolle sie sich "nicht kaputt machen lassen".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. November 2020 um 09:38 Uhr.

Darstellung: