Nigers Präsident Mahamadou Issoufou hält eine Rede während des Gipfels der Afrikanischen Union. | Bildquelle: AFP

Freihandelsabkommen Schneller und leichterer Handel für Afrika

Stand: 08.07.2019 15:48 Uhr

Die Afrikanische Union hat ein Freihandelsabkommen auf den Weg gebracht. 54 der insgesamt 55 Mitgliedstaaten sind dem Pakt beigetreten. Dadurch soll die weltgrößte Freihandelszone entstehen.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Rabat

17 Jahre haben die Verhandlungen gedauert - jetzt soll die Freihandelszone endlich Wirklichkeit werden. Ein historischer Moment erklärt der Präsident von Niger, Mahmadou Issoufou, in Niamey: "Der Start der afrikanischen Freihandelszone ist das wichtigste Ereignis auf unserem Kontinent seit der Gründung der UN und der Afrikanischen Union. Es ist ein Ereignis, das Hoffnung gibt, ein geeintes und florierendes Afrika zu schaffen."

Alle dabei - bis auf Eritrea

1,2 Milliarden Menschen sollen in der künftigen Freihandelszone leben - ein gigantischer Markt. Und tatsächlich sind bis auf Eritrea alle afrikanischen Länder mit dabei. Auch Nigeria, das sich viel Zeit mit der Entscheidung gelassen hatte. Dass Nigeria mit von der Partie ist, ist besonders wichtig: Mit mehr als 190 Millionen Menschen ist es das bevölkerungsreichste Land auf dem afrikanischen Kontinent - und was das Bruttoinlandsprodukt angeht auch das wirtschaftsstärkste.

Hohe Einfuhrzölle, viel Bürokratie

Die Freihandelszone soll vor allem den innerafrikanischen Handel ankurbeln. Bisher sind die Handelshemmnisse enorm: Hohe Einfuhrzölle und ein Wust an Bürokratie verhindern, dass Waren leicht in Afrika zirkulieren können. Bisher liegt der Anteil des Handels zwischen den afrikanischen Staaten bei nur etwa 15 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen den Ländern Europas liegt er bei knapp 70 Prozent. 

Der ägyptische Präsident und Vorsitzende der Afrikanischen Union, Abdel Fattah al-Sisi (L), und der nigrische Präsident Mahamadou Issoufou begrüßen sich | Bildquelle: AFP
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Der ägyptische Präsident und Vorsitzende der Afrikanischen Union, Abdel Fattah al-Sisi, und der Präsident von Niger, Mahmadou Issoufou, nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens.

Der Analyst Christophe Dansette des französischen Senders France 24 sagt: "Es ist manchmal unglaublich, geradezu lächerlich: Ein Transport von Kamerun in den Tschad ist rund sechs Mal so teuer als wenn der gleiche Transport nach Hongkong ginge - und er braucht auch rund drei Mal so lange." Und das obwohl die Entfernung zum Tschad viel geringer ist.

Korrupte Zöllner

Das Land ist für viele Lkw-Fahrer allerdings auch der pure Albtraum: Der Tschad ist berüchtigt für seine korrupten Zöllner. Das weiß auch Staatschef Idriss Déby. Er macht gelegentlich Überraschungsbesuche am Zoll und liest den Verantwortlichen die Leviten. Zum Beispiel im vergangenen August: "Wenn ich das nächste Mal vorbeikomme und nichts passiert ist, heißt das, dass Sie gescheitert sind. Und ich gebe Ihnen nicht Bescheid, wann ich kommen werde. Sie alle haben sich schon genug bereichert, jetzt muss Schluss sein - verstanden?“ 

Ob auch das Freihandelsabkommen hilft, die Korruption einzudämmen, bleibt abzuwarten. Mit dem Abkommen sollen Zölle für 90 Prozent der Produkte in den kommenden fünf Jahren gestrichen werden. Die Bürokratie soll entschlackt, Lufträume für Waren geöffnet werden.

Sorgen vor Wettbewerbsdruck

Allerdings gibt es auch Sorgen, dass der steigende Wettbewerbsdruck gerade den besonders schwachen Ländern zu schaffen machen wird. Landwirte zum Beispiel könnten den Preiskampf gegen billigere Waren aus dem Nachbarland verlieren. Die Wirtschaftsstruktur der meisten afrikanischen Länder ist schwach. Sie produzieren selbst wenig, viele Länder sind von Rohstoffexporten abhängig.

Der amerikanische Afrika-Experte William Lawrence sieht aber auch viele Gewinner. Im chinesischen Sender CGTN sagte er: "Profitieren werden vor allem kleine Länder ohne Meerzugang, all jene, die am Rand stehen und Probleme haben, an der Wirtschaftsentwicklung teilzuhaben. Afrika ist immer schon ein Kontinent gewesen, auf dem Menschen sich viel bewegen. Das Abkommen könnte letztlich die Freizügigkeit stärken und dafür sorgen, dass es eine gemeinsame Währung gibt. Da gibt es viele Ambitionen."

Doch bis die Pläne Wirklichkeit werden, kann es noch dauern. Zunächst müssen sich die Länder noch über vieles einig werden. Immerhin: Die Hälfte der Länder hat das Abkommen schon ratifiziert.

Mega-Projekt mit Hindernissen: Die afrikanische Freihandelszone
Marc Dugge, ARD Madrid
08.07.2019 14:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2019 um 22:00 Uhr.

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