US-Kongress verlängert Abwrackprämie Spritfresser bleiben in den USA heiß begehrt

Stand: 07.08.2009 04:34 Uhr

Nach dem überraschenden Erfolg des US-Abwrackprogramms "Cash for Clunkers" hat der US-Kongress nun weitere zwei Milliarden Dollar dafür frei gemacht. Das Programm fördert gezielt den Absatz sparsamer Fahrzeuge. Doch König Kunde verlangt in den USA noch immer nach Spritfressern.

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

Ein Sport Utility Vehicle (SUV) (Archivbild)
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Der spritfressende SUV ist bei den Amerikanern nach wie vor beliebt

Es sind nicht mehr die großen Luxus-Schlitten früherer Jahrzehnte, die im amerikanischen Autoverkehr auffallen - Straßenkreuzer aus den 50er- und 60er-Jahren mit viel Chrom und vielen PS. Heute heißen die amerikanischen Superschlitten schlicht SUV, Kurzform für Sport Utility Vehicle. Das sind Geländewagen, die fast nie ein Gelände sehen: groß, mächtig, und schwer.

Bill beispielsweise ist 43 Jahre alt und schwärmt für die großen SUV: "Die sind sehr schön und ich mag sie. Wunderbare Wagen. Hervorragend. Unglücklicherweise brauchen sie viel Benzin, aber ich liebe sie nun einmal. Ich bin ein Familienmensch und ich brauche ein großes Auto."

Autoliebhaber tolerieren hohe Benzinpreise

Bill trafen wir auf einer Autoshow in Washington. Dort lernten wir auch John kennen. Einen "Redneck" nennen manche Amerikaner Leute wie John und nützen so eine nicht sehr freundliche Bezeichnung für Menschen aus meist ländlichen Regionen. Rednecks fallen vor allem durch ihre Muskelpakete auf.

Auch John spricht von Muskeln, aber in einem anderen Zusammenhang. Er meint damit die sogenannten "Muscle-Cars", vor denen er steht. Sportwagen in der Volksausgabe - mit riesigen Hubräumen und knalligen Spoiler: "Ich besitze und liebe 'Muscle-Cars'. Und egal, auch wenn das Benzin eines Tages drei Dollar die Galone kosten sollte, werde ich das zahlen. Ich liebe solche Autos nun einmal."

Die US-Abwrackprämie ist ein großer Erfolg

Werbung für die "Cash for Clunkers"-Kampagne
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Der Kongress bewilligte nun weitere zwei Milliarden Dollar für die US-Abwrackprämie "Cash for Clunkers".

Aber es gibt natürlich auch die anderen Amerikaner. Vor allem Autofahrer an der Ost- und der Westküste der USA haben ihre Spritschleudern umgetauscht gegen ein sparsameres Fahrzeug. Immer mehr Amerikaner denken umweltbewusst. Das Regierungsprogramm "Cash for Clunkers", auf deutsch "Bargeld für Rostlauben", die amerikanische Abwrackprämie, entwickelte sich zu einem vollen Erfolg.

Rund 200.000 Autobesitzer ließen schon innerhalb der ersten zwei Wochen ihr altes Fahrzeug verschrotten und erhielten dafür eine Prämie von maximal 4.500 Dollar, umgerechnet rund 3.300 Euro. Das sei ein positives Zeichen, meinen Autoexperten in der Regierung von US-Präsident Barack Obama.

Autos sollen bequem und haltbar sein

Trotzdem: Nach wie vor tun sich viele Amerikaner schwer, auf kleinere Autos umzusteigen. Die Wege sind weit in den USA, der Durchschnitts-Amerikaner verbringt deutlich mehr Zeit im Auto als der Durchschnitts-Europäer. Da möchte man es bequem haben und die Motoren sollen schließlich auch lange halten. Die Folge: Viele entscheiden sich für Fahrzeuge mit großen Hubräumen.

Spritfresser verkaufen sich besser als Mittelklassewagen

Ein Auto wird verschrottet
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Viele alte Autos werden derzeit verschrottet und ausgetauscht. Verkauft werden nach wie vor eine Menge großer Spritfresser.

Bob Lutz, Vizepräsident von General Motors, meinte kürzlich in aller Offenheit in einem Zeitungsinterview: "Es bleibt eine Tatsache, dass das amerikanische Publikum große, verbrauchsstarke Autos kauft." Und auch dieser Besucher auf der Autoshow in Washington bestätigt dies: "Mein Lieblingsauto ist der Pick-up Ford 150. Der ist nicht kaputt zu kriegen und komfortabel. Da bekomme ich die ganze Familie rein und meine Frau und die Kinder können auf langen Strecken sogar wunderbar darin schlafen."

Deutlich mehr als 15 Liter verbrauchen diese drei Tonnen schweren Automonster auf 100 Kilometer. Für die US-Autoindustrie bedeutet dies: Man entwickelt zwar neue sparsame Motoren für den Markt der Zukunft. In der Gegenwart aber setzt man trotz der eingebrochenen Verkaufszahlen immer noch mehr spritfressende Autos ab als sparsame Klein- und Mittelklassewagen. Der Kunde ist eben König.  

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