Zwei Handys sind auf einem Tisch aufgestellt, im Hintergrund ist der Schriftzug "5G" zu sehen. | Bildquelle: REUTERS

5G-Versteigerung in Mainz Mehr als 300 Runden und ein Neuling

Stand: 09.05.2019 18:25 Uhr

Es ist die bisher längste Versteigerung in der Geschichte der Bundesnetzagentur. Vier Unternehmen bieten auf die 5G-Mobilfunklizenzen. Dabei schraubt ein Neuling die Preise mit in die Höhe.

Von Stephan Lenhardt, SWR

224 Gebotsrunden gab es bei der bis vor Kurzem längsten Mobilfunkversteigerung vor neun Jahren. Mittlerweile sind es bei der laufenden sogenannten 5G-Versteigerung mehr als 300 Runden. Der Rekorderlös von fast 100 Milliarden DM, also rund 50 Milliarden Euro, bei der historischen UMTS-Versteigerung aus dem Jahr 2000 dürfte diesmal aber nicht geknackt werden. Derzeit bleibt die Summe der Gebote noch unter der Sechs-Milliarden-Euro-Grenze. 

Kritik an überhöhten Lizenzgebühren

Zuletzt gab es Kritik - vor allem aus der Opposition - an den aus ihrer Sicht überhöhten Lizenzgebühren. Denn das Geld fehle hinterher den Netzbetreibern beim Aufbau der Netze. Hans Dieter Schotten, Professor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), ist vom Verlauf der Auktion aber nicht überrascht. "Die sechs Milliarden Euro waren tatsächlich eine Größenordnung, die in Fachkreisen im Vorfeld als realistisch eingeschätzt wurden."

Bundesnetzagentur 5G-Mobilfunkfrequenzen Versteigerung | Bildquelle: dpa
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Seit Mitte März versteigert die Bundesnetzagentur in einem abgesperrten Bereich 41 Mobilfunkblöcke.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz rechnete laut Handelsblatt vor Auktionsbeginn mit Einnahmen von bis zu fünf Milliarden Euro.  Diese Grenze ist zwar überschritten, aber auch noch nicht überdeutlich.

"Wir würden dieses Geld viel lieber zusätzlich in neue Mobilfunkstationen stecken als in Lizenzscheine", sagte Vodafone Deutschland Chef Hannes Ametsreiter der "Welt am Sonntag". Dass ein Teilnehmer der Auktion Interesse an möglichst günstigen Gebühren hat, liegt wohl in der Natur der Sache. "Es gibt jetzt noch keinen Grund, Alarmismus zu betreiben", meint der Experte Schotten vom DFKI. 

"Steigende Erlöse werden sich nicht nachteilig auswirken

Die Bundesnetzagentur verteidigt das aus ihrer Sicht transparente Verfahren der Auktion. Man gehe nicht davon aus, dass sich die steigenden Erlöse nachteilig auf den Netzausbau auswirken werden. "Wir haben ambitionierte Auflagen zum Netzausbau gemacht. Die Bieter wissen, dass sie nach der Auktion investieren müssen und können das in ihren Geboten berücksichtigen", sagt Präsident Jochen Homann.

Präsident Bundesnetzagentur 5G-Mobilfunkfrequenzen Versteigerung | Bildquelle: dpa
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Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, verteidigt das aus seiner Sicht transparente Verfahren der Auktion.

Bis Ende 2022 müssen beispielsweise mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s versorgt sein. "Sich an Haushalten zu orientieren, war ein Denkfehler. Dadurch landet man immer wieder in Funklöchern in Deutschland", kritisierte Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Er fordert eine Umstellung auf die Fläche - unabhängig von Besiedelungen.

Die Bundesnetzagentur argumentiert, die nun zur Versteigerung stehenden Frequenzen seien technisch gar nicht für einen Flächenausbau geeignet. Präsident Homann deutet aber eine Änderung der Versorgungsauflagen in der Zukunft an: "Schon in wenigen Jahren werden Flächenfrequenzen frei, bei deren Vergabe wir erneut Auflagen zur Versorgung definieren werden."

1&1 Drillisch bald vierter Mobilfunkanbieter?

Besonders aufmerksam beobachten Experten die Rolle von 1&1 Drillisch während der Auktion. Dahinter steckt das Unternehmen United Internet von Mittelständler Ralph Dommermuth aus dem Westerwald. Bisher hat er kein eigenes Netz betrieben, sondern sich in fremde Netze eingemietet. Doch aktuell hält das Unternehmen mehrere Höchstgebote auf die insgesamt 41 Frequenzblöcke.

Bundesnetzagentur 5G-Mobilfunkfrequenzen Versteigerung | Bildquelle: dpa
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Experten beobachten die Rolle von 1&1 Drillisch": Das Unternehmen hält mehrere Höchstgebote auf 41 Frequenzblöcke.

Schotten vom DFKI meint, es scheine ein ernsthaftes Bemühen von 1&1 Drillisch zu geben, vierter Netzbetreiber zu werden. Ob dadurch auch die Mobilfunkpreise sinken, ist noch unklar. Möglicherweise werden nun Nischen-Angebote geschaffen, die es vorher nicht gab. "Mehr Anbieter führen zu günstigeren Preisen, besserem Service und mehr Technologieinnovationen als weniger Anbieter“, sagt United Internet-Chef Dommermuth der Zeitung "Welt".

Eigene 5G-Netze für die Industrie

In einem zweiten Schritt nach der Auktion können sich Industrie-Unternehmen im zweiten Halbjahr 2019 für eigene Frequenzen bewerben. Die bekommen sie - ohne Auktion, aber gegen Gebühr - von der Bundesnetzagentur zugeteilt. Sie können dann eigene Netzwerke auf dem Betriebsgelände aufbauen. Das ist die so genannte Campuslösung. "Investoren blicken derzeit gespannt auf diese einzigartige Entwicklung in Deutschland", sagt Schotten.

Die Vergabe für lokale Industrienetze hatten die Netzbetreiber im Vorfeld heftig kritisiert. Sie hätten die Frequenzen lieber selbst genutzt. Gut möglich aber, dass Telekom und Co diese so genannten Campusnetzwerke dann doch im Auftrag der Industrie zumindest betreiben werden. Es könnte also zu neuen Rollenverteilungen kommen.

Über dieses Thema berichteten WDR 5 "Profit" am 23. April 2019 um 18:04 Uhr und B5 Bayern am 09. Mai 2019 um 06:17 Uhr.

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