Steve Jobs | REUTERS

20 Jahre iPod Ein Gerät revolutionierte die Musikwelt

Stand: 23.10.2021 02:46 Uhr

Apple-Chef Jobs präsentierte heute vor 20 Jahren ein tragbares Musik-Abspielgerät unter dem Namen “iPod”, das rund 1000 Songs speichern konnte. Das Gerät revolutionierte die Musikindustrie und war der Beginn des Apple-Aufstiegs.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Als Steve Jobs den iPod vorstellte, ging es dem Unternehmen schlecht. Es hangelte sich von Quartalsergebnis zu Quartalsergebnis und schaffte es meist nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben. Apple war vor allem eines: Ein Unternehmen, das Computer herstellte. Sein Marktanteil betrug damals - 2001 - gerade mal zwei Prozent.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Dennoch gab sich Steve Jobs, wie immer, optimistisch. Und er verstand es, den großen Vorteil des mp3-Players bei seiner Vorstellung heute vor 20 Jahren auf den Punkt zu bringen.

Das Coolste am iPod ist, dass man seine gesamte Musiksammlung immer dabei hat - ein Quantensprung beim Musik hören.

iPod war nicht sofort ein Erfolg

Doch die Erfolgsgeschichte des iPod war selbst nach seiner Markteinführung kein Selbstläufer. Die ersten Verkaufszahlen waren alles andere als berauschend, erinnert sich sein Miterfinder, Tony Fadell:

Tatsächlich hat es noch noch zweieinhalb Jahre gedauert, bis wir mit dem iPod Erfolg hatten. Wir hatten also auch nach dem ersten iPod noch eine Menge Arbeit vor uns, um ihn zu einem echten Phänomen zu machen, was einem erst heute klar wird.

Fadell war damals als freier Berater zu Apple geholt worden. Mit seinem Start-Up Fuse hatte er erfolglos versucht, einen mp3-Player herauszubringen. Der japanische Sony-Konzern dominierte die damals noch relativ neue und junge Welt der digitalen Musik.

Apple stand 2001 unter Druck

Apple stand 2001 unter enormen Druck. Das Geschäft mit Computern lief schlecht, das Silicon-Valley-Unternehmen suchte deshalb nach neuen Erlösquellen. Fadell sollte vor Apple-Boss Steve Jobs seine Ideen zu einem mobilen Musikabspielgerät präsentieren. Der damalige Marketing-Chef von Apple Stan Ng stand ihm vorher mit Rat zur Seite, erinnert sich Fadell im CNet-Podcast.

Er riet mir, mein schlechtestes Modell als erstes zu präsentieren und erst zum Schluss mein favorisiertes Modell. Ich hatte es als Styropormodell gebaut und mit den Angelgewichten meines Großvaters schwerer gemacht. Steve Jobs nahm es in die Hand und sagte: 'Wir bauen das, und du wirst jetzt mit uns bauen'.

Fadell zögerte damals, bei Apple anzuheuern. Der Ruf des Unternehmens war schlecht, kaum einer im Silicon Valley glaubte noch an den Erfolg der Firma. Schließlich ließ er sich von Steve Jobs aber doch überzeugen. Die Anfanszeit sei schwierig gewesen, erinnert sich Fadell, der nach seiner Zeit bei Apple das Thermostat-Unternehmen Nest gründete und dieses 2014 für mehr als drei Milliarden Dollar an Google verkaufte.

Jobs behielt Recht

Am Ende wurde der iPod zum Erfolg. Steve Stobs hatte recht behalten: Ein Gerät mit tausenden Songs in der Hosen- oder Jackentasche war der Durchbruch. Für Apple war es die Chance, sich unabhängiger vom Computergeschäft zu machen.

Alles hat seinen Ursprung in iTunes und dem iPod. Alles war unglaublich nahtlos und einfach zu bedienen. Jedes Jahr haben wir dem Gerät neue Funktionen hinzugefügt. Wir wollten die Nutzer nicht überfordern, wir haben mit Musik, Werbung, Fotos, Podcasts und Videos angefangen und dann mit Spielen und so weiter. Wir haben also immer wieder neue Funktionen geboten. Außerdem waren wir uns nie sicher, dass wir gewinnen würden. Wir sorgten also immer für einen Sprung in der Entwicklung.

Die Musikindustrie, die damals fürstlich vom Verkauf von Schallplatten lebte, die auf CD oder in Vinyl gepresst waren, geriet durch die Popularität des iPods in eine schwere Krise. Das jahrzehntelang einstudierte Geschäftsmodell funktionierte plötzlich nicht mehr und fiel in sich zusammen. 

Warner, BMG, EMI, Universal und Sony waren gezwungen, sich plötzlich neu zu erfinden, weil plötzlich ein Unternehmen aus einem Seitental in Kalifornien den Ton angab. Für Apple war der digitale Musikabspieler die große Wende, und nicht etwas das iPhone. Der iPod war der Anfang des Smart Phones, wie wir es heute kennen. Dennoch hat es noch weitere sechs Jahre gedauert bis Steve Jobs am 29. Juni 2007 “the next big thing” vorstellen konnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. Oktober 2021 um 08:17 Uhr in der Sendung "Studio 9".

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Moderation 23.10.2021 • 19:59 Uhr

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