Wintersonnenwende | Bildquelle: dpa

Wintersonnenwende Der kürzeste Tag des Jahres

Stand: 21.12.2017 11:28 Uhr

Seit Wochen werden die Tage kürzer - die Stimmung bei vielen Menschen entsprechend schlechter. Und heute ist der Tiefpunkt: Es ist der kürzeste Tag des Jahres - die sogenannte Wintersonnenwende. Tim Staeger erklärt das Phänomen.

Von Tim Staeger, ARD-Wetterredaktion

Auf der Nordhalbkugel beginnt nun der kalendarische Winter, auf der Südhalbkugel ist dagegen Sommeranfang. Der kürzeste Tag des Jahres dauert in Garmisch-Partenkirchen 8 Stunden und 26 Minuten, in Flensburg sogar nur sieben Stunden und 13 Minuten. Danach werden die Tage, wenn auch anfangs nur zögerlich, wieder länger.

Verursacht werden die Jahreszeiten durch die Schieflage der Erdachse. Dadurch ist in unserem Sommerhalbjahr die Nordhalbkugel der Sonne stärker zugewandt und im Winterhalbjahr eben die Südhalbkugel. Die Neigung der Erdachse beträgt etwa 23,5 Winkelgrad und schwankt in einem Zeitraum von 41.000 Jahren zwischen 22,1 und 24,5 Grad. Bei größerer Schieflage sind die jahreszeitlichen Unterschiede stärker ausgeprägt, was zu kälteren Wintern und wärmeren Sommern führt.

Zieht man den Winkel der Erdachsenneigung von 90 Grad ab, so landet man also vom Pol ausgehend am Polarkreis, wo am Donnerstag genau für einen Tag die Sonne nicht aufgeht, wie beispielsweise in Jokkmokk in Nordschweden. Nördlich davon verkürzt sich danach die Polarnacht. Dagegen steht am südlichen Wendekreis auf 23,5 Grad südlicher Breite, etwa auf der Höhe von São Paulo in Brasilien die Sonne am wahren Mittag im Zenit, also genau senkrecht über den Köpfen. Am Äquator ändert sich die Tageslänge kaum und schwankt im Jahresverlauf lediglich um wenige Minuten.

Kälteste Zeit in vier bis sechs Wochen

Kurioserweise ist der kürzeste Tag am 21. oder 22. Dezember, der früheste Sonnenuntergang jedoch bereits am 12., der späteste Sonnenaufgang dagegen erst am 31. Dezember. Deswegen verlängern sich jetzt vor allem die Abende, wogegen sich der Zeitpunkt des Sonnenaufgangs erst allmählich verfrüht. Verursacht wird diese Besonderheit durch die elliptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne und der unterschiedlichen Bahngeschwindigkeit zwischen sonnennächstem Punkt am 3. Januar und sonnenfernstem Punkt am 5. Juli. Die exakten astronomischen Zusammenhänge werden durch die sogenannte Zeitgleichung beschrieben.

Zwar ist dieser Tage die Strahlungsleistung der Sonne auf der Nordhalbkugel am geringsten, die kälteste Zeit des Jahres ist jedoch im Mittel erst in etwa vier bis sechs Wochen. Denn die Ozeane sind gute Wärmespeicher und kühlen auch in den kommenden Wochen noch weiter aus, auch wenn die Sonne in der Folge langsam wieder höher steigt.

Neben der astronomischen und klimatologischen hat die Wintersonnenwende auch kulturelle Bedeutung. Umso nördlicher man sich befindet, je stärker also die jahreszeitlichen Unterschiede, desto tiefer ist die Bedeutung der Sonnenwenden kulturell verwurzelt. So zündeten die heidnischen Germanen am Yule-Fest Räder an, um die wiederkehrende Sonne zu begrüßen. Für die Kelten gab die Wintersonnenwende Anlass zum Fasten und zur inneren Einkehr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Dezember 2017 um 10:30 Uhr.

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