Fußball Wettskandal | null

Sportwetten Das Milliardengeschäft

Stand: 23.11.2009 13:14 Uhr

100 Milliarden Euro werden jedes Jahr auf Fußballwetten gesetzt, schätzt der Fußball-Weltverband FIFA. Doch wie funktionieren solche Wetten? Wie hoch sind die Gewinnspannen? Wie funktioniert die Manipulation? tagesschau.de hat Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengestellt.

Wo wird gewettet?

In Deutschland verbietet der Glücksspielstaatsvertrag, der 2008 in Kraft getreten ist, zwar das Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet. Aufträge beim staatlich lizenzierten Wettanbieter Oddset können nur in den Lotto-Annahmestellen abgegeben werden. Doch über ausländische Anbieter wird auch im Netz weiter gezockt.

Wie wird gewettet?

Gewettet werden kann nicht nur auf das Halbzeit- oder Endergebnis, sondern auch auf kommende Meister oder Absteiger. Zudem kann man bei Livewetten im Internet auch tippen, welcher Spieler etwa die nächste gelbe Karte bekommt oder das nächste Tor schießt.

Bei der Einzelwette sagt der Spieler den Ausgang des Spiels voraus (Heimsieg, Auswärtssieg oder Unentschieden), während bei der Ergebniswette auf das genaue Ergebnis gesetzt wird (etwa 2:1 für den Verein xy).

Bei der Halbzeit-/Endstandwette muss der Spieler nicht den genauen Spielstand, sondern nur die Tendenz angeben. Er tippt, wer zur Halbzeit führt und wer gewinnt.

Bei der Kombinationswette wird auf verschiedene Fußballspiele gesetzt. Um zu gewinnen, muss die gesamte Tippreihe richtig sein. Die Systemwette besteht aus mehreren Kombiwetten. Allerdings müssen nicht alle Tipps richtig sein.

Am schwersten zu kontrollieren sind die Livewetten im Internet: Hier wird während des laufenden Spiels gewettet. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Wer schießt das nächste Tor? Welcher Spieler erhält die nächste gelbe Karte, welche Mannschaft den nächsten Eckstoß oder Elfmeter?

Was gibt es zu gewinnen?

Sportwetten werden meist zu festen Gewinnquoten von einem Buchmacher angeboten. Der Tipper weiß dann - die Seriosität seines Anbieters vorausgesetzt - schon bei der Abgabe, wie viel Geld er im Erfolgsfall erhält. So lag die Quote beim staatlichen Anbieter Oddset für die Partie Bayern München gegen Bayer Leverkusen am Sonntag bei 1,75 für einen Bayern-Sieg, bei 2,8 für ein Unentschieden und bei einem Auswärtssieg Leverkusens bei 3,45. Bei einem Einsatz von 10 Euro hätte der Tipper bei Oddset für einen Sieg des FC Bayern also 17,50 Euro erhalten, bei einem Unentschieden 28 Euro und bei einem Leverkusen-Sieg sogar 34,50 Euro.

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Die Wettmöglichkeiten sind vielfältig, die Möglichkeiten zur Manipulation auch.

Bei privaten Wettanbietern im Internet sind die Quoten teils deutlich höher. So hätte es für einen Sieg von Leverkusen beim gleichen Einsatz bis zu 46 Euro gegeben.

Gibt es Gewinngrenzen?

Die meisten Wettbüros setzten ein Gewinnlimit pro Wette, um sich vor schweren Verlusten zu schützen, aber auch um Wettbetrug zu unterbinden. Der Höchstgewinn liegt in der Regel zwischen 10.000 und 50.000 Euro je Wette. Eine weitere Grenze kann ein maximaler Gewinn pro Tag oder in der Woche sein, der nicht überschritten werden kann.

Spezielle Anbieter - vor allem in Asien und teilweise auch in den USA - bieten höhere oder gar keine Limits. Damit wenden sie sich an sogenannte High Rollers, das sind Wetter, die mit besonders hohen Einsätzen spielen. Eine andere Möglichkeit für solche High Roller ist eine Wettbörse. Dort tippen Privatpersonen gegeneinander und geben selbst die Quoten an, für die sie bereit sind, eine Wette zu akzeptieren. Die Quoten sind hier in der Regel höher als beim Buchmacher.

Wer manipuliert und wie?

Laut europäischem Fußballverband UEFA laufen neun von zehn Manipulationsversuche über Asien. Auch die FIFA sieht in Fernost das Hauptproblem.

Am schwersten zu kontrollieren sind die Live-Wetten. So sind Absprachen denkbar, dass in einer bestimmten Spielminute ein Elfmeter gegeben wird: der bestochene Spieler grätscht im entsprechenden Moment den gegnerischen Stürmer um - fertig ist der Strafstoß.

Doch die Manipulation auf dem Platz kann auch wesentlich subtilere Züge annehmen, erklärt der kanadische Autor Declan Hill, der sich seit Jahren mit den Wettsyndikaten und ihren Methoden beschäftigt. Man müsse gar nicht Eigentore schießen oder das eigene Team durch einen absichtlich verursachten Elfmeter benachteiligen. "Der Schlüssel ist die Unterlassung", sagt er: Ein "gekaufter" Torwart positioniere sich schlecht, Verteidiger agierten weniger solidarisch, "Mittelfeldspieler spielen riskante Pässe oder oft nach hinten".

Was tun die Fußballverbände?

Die großen Fußballverbände haben aufwendige Frühwarnsysteme installiert, um Spielmanipulationen aufzudecken und zu unterbinden. So arbeiten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) seit dem Skandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 mit dem Unternehmen Sportradar zusammen. Dieses untersucht unter anderem die Quotenveränderungen der Wettanbieter in bestimmten Zeit-Intervallen. Verändern sich die Quoten auffällig, werden automatisch Warnhinweise versendet. Auch die internationalen Verbände FIFA und UEFA haben aufwendige Frühwarnsysteme gegen Wettbetrug installiert, die Auffälligkeiten registrieren und melden sollen.

Nach Ansicht des Chefredakteurs des Fußball-Magazins "11 Freunde", Philipp Köster, werden durch das Frühwarnsystem allerdings die unteren Ligen nur unzureichend erfasst. Gerade diese seien aber empfänglicher für Bestechungsversuche, da die Spieler hier nur wenig verdienen. Außerdem seien Live-Wetten durch das aktuelle System schwerer zu erfassen.