Das Team der "Olympischen Athleten aus Russland" zieht bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang ins Stadion ein (09.02.2018). | Rob Schumacher-USA TODAY Sports
Hintergrund

WADA-Strafen Was bedeuten die Sanktionen gegen Russland?

Stand: 09.12.2019 17:29 Uhr

Keine WM, keine Olympischen Spiele, keine sportlichen Großereignisse: Die WADA hat drastische Strafen gegen Russland für die kommenden vier Jahre verhängt. Was bedeuten die Sanktionen im Einzelnen? Ein Überblick.

  • Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada wird für vier Jahre gesperrt.
  • Athleten des Landes sowie Trainer und Betreuer dürfen in diesem Zeitraum bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio und 2022 in Peking sowie Weltmeisterschaften von Sportarten, die sich dem WADA-Code verpflichtet haben, nicht unter eigener Fahne starten. Sie müssen als neutrale Athleten antreten.
  • Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang durften die Russen noch als Delegation "Olympische Athleten aus Russland" auftreten. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt erklärt, dies sei bei den jetzigen Sanktionen anders: "Jetzt sind es wirklich neutrale Athleten. Es darf nichts auf Russland hinweisen. Das wird man in Russland als Höchststrafe empfinden", sagte er in der tagesschau.
  • Drastische Auswirkungen hat die WADA-Entscheidung auch auf die Fußball-WM 2022 in Katar. Sollte sich Russland für das Turnier qualifizieren, darf das Land auch dort nicht als Nation auftreten. Das heißt: Weder Flagge noch Hymne, sondern neutrale Trikots. "Das ist ein Schlag ins Kontor der Russen. Das ist historisch beispiellos", erläutert Seppelt. "Die Beweislast ist so überwältigend, dass der Weltsport aus meiner Sicht keine andere Wahl hatte, als so zu entscheiden", ergänzt er.
  • Russische Regierungsvertreter dürfen während der Sperre nicht an Sitzungen von Vorständen oder Ausschüssen internationaler Sportorganisationen teilnehmen oder in diese Gremien gewählt werden. Sie dürfen zudem nicht an Olympischen Spielen und Paralympics (Sommer und Winter) sowie anderen Sportgroßveranstaltungen teilnehmen.
  • Das Land darf während des Vierjahreszeitraums keine Sportgroßveranstaltungen ausrichten oder sich um eine WM oder andere wichtige Ereignisse bewerben. Darüber hinaus kann Russland sich nicht für die Olympischen Spiele und Paralympics 2032 als Ausrichter bewerben.
  • Bereits an das Land vergebene Weltmeisterschaften sollen entzogen werden. Betroffen davon könnten unter anderen die Rodel-WM im Februar 2020 in Sotschi, die für 2022 nach Russland vergebene Volleyball-WM und die Kurzbahn-WM der Schwimmer in Kasan sowie die Eishockey-WM 2023 in St. Petersburg sein. Der Chef der WADA-Prüfkommission, Jonathan Taylor, erklärte allerdings, dass eine gewisse Flexibilität bestehen bleiben müsse. Dies könnte bedeuten, dass etwa die Zeit für einen Ersatzausrichter der Rodel-WM zu kurz ist.
  • Weder der Präsident, der Generalsekretär, der Geschäftsführer noch Mitglieder des Exekutivkomitees des russischen Nationalen Olympischen Komitees oder russischen Paralympischen Komitees dürfen an einer größeren Veranstaltung im Vierjahreszeitraum teilnehmen.
  • Die Rusada muss zudem alle seit Januar 2019 angefallenen Kosten der WADA für die Untersuchungen und zusätzlich eine Geldbuße von zehn Prozent ihres Einkommens im Jahr 2019 oder 100.000 Dollar - je nachdem, welcher Betrag niedriger ist - an die WADA zahlen.
  • Von der Sperre nicht betroffen sind laut WADA vier Spiele der Fußball-EM 2020, die in Russland stattfinden. Ausgenommen ist auch das für 2021 in St. Petersburg vorgesehene Finale der Fußball-Champions League.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Dezember 2019 um 14:00 Uhr.