Olympia- und Russland-Flagge

WADA-Bericht Mehr als 1000 russische Sportler gedopt

Stand: 09.12.2016 16:34 Uhr

Der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur wirft Russland vor, eine staatliche Dopingpolitik betrieben zu haben. Mehr als 1000 Sportler seien Teil dieses Systems gewesen, stellt Chefermittler McLaren in seinem zweiten Bericht fest.

Der russische Doping-Skandal hat offenbar weit größere Ausmaße als bisher angenommen. Der zweite McLaren-Report für die Welt-Anti-Doping-Agentur stellt fest, dass mehr als 1000 russische Athleten von der systematischen Doping-Vertuschung profitiert haben sollen. Zudem habe es, gesteuert vom russischen Sportministerium, eine "institutionelle Verschwörung" gegeben, so der Vorwurf.

Betroffen gewesen seien dabei unter anderem die Olympischen Sommerspiele in London 2012, die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Es habe eine Strategie zur Medaillenbeschaffung in Sommer- und Wintersportarten gegeben, sagte Chefermittler Richard McLaren.

Diese Athleten sollen entweder selbst gedopt haben oder von "der systematischen und zentralisierten Vertuschung und Manipulation des Dopingkontrollprozesses profitiert" haben. Die Sportler hätten mit russischen Offiziellen im Sportministerium und dessen Behörden wie der Nationalen Anti-Doping-Agentur RUSADA, mit dem Moskauer Kontrolllabor und dem Inlands-Geheimdienst FSB gemeinsame Sache gemacht, um Dopingtests zu manipulieren.

"Ausmaß war so noch nie da"

Es seien auch Beweise dafür gefunden worden, dass Dopingproben von insgesamt zwölf Medaillengewinnern der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 manipuliert worden seien. Dabei handele es sich in vier Fällen um Gewinner von Goldmedaillen. "Das russische Team hat die Spiele von London in einer Weise korrumpiert, die nie dagewesen ist. Das ganze Ausmaß dessen wird wohl nie bekannt werden", sagte McLaren.

Nach eigenen Angaben haben die Ermittler zahlreiche Interviews mit Zeugen geführt. Außerdem werteten sie Datensätze, E-Mails und mehr als 4000 Excel-Dokumente aus. Trotz dieser großen Datenmenge scheinen die ersten Erkenntnisse nur die Spitze des Eisbergs zu sein, vermutet der Ermittler: "Das Bild ist noch nicht komplett. Wir hatten nur Zugriff auf einen kleinen Teil der Daten und des Beweismaterials, das möglicherweise existiert."

Hajo Seppelt @hajoseppelt
McLaren report two:historically unprecedented deception of sports integrity:what is #IOC answer?Exclusion of OG? 8/8 https://t.co/Epv1MGcdwC

Entsetzte Reaktionen aus Deutschland

"Die neuen Fakten des Abschlussberichtes machen uns sprachlos", sagte Andrea Gotzmann, Vorstandschefin der deutschen Anti-Doping-Agentur NADA. Deutschlands Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop forderte den kompletten Bann Russlands von internationalen Meisterschaften: "Die Konsequenz kann nur sein, dass der russische Sport bis zu einer glaubwürdigen Veränderung der Situation von allen internationalen Meisterschaften und Olympischen Spielen ausgeschlossen wird."

Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hat nach eigenen Angaben bereits 53 Prozent der russischen Leichtathleten, die von McLaren entlarvt wurden, bestraft. "Wir werden auch die Fälle der weiteren Athleten verfolgen, sowie wir die Beweise der unabhängigen Untersuchungskommission von der Welt-Anti-Doping-Agentur erhalten", hieß es in einer Erklärung vom IAAF.

Russland weist die Vorwürfe zurück

Aus Russland kam eine erste gereizte Reaktion vom Chef des Sportausschusses der Staatsduma, Michail Degtjarjow: "Bis jetzt hat McLaren über Doping in Russland nichts Neues gesagt. Irgendwelche "1000 Sportler" - wo sind die Beweise und die Zeugen?" Sportminister Pawel Kolobkow betonte, es gebe kein staatlich gestütztes Doping-Programm. "Wir werden weiter mit null Toleranz gegen Doping kämpfen."

Der kremlnahe Politologe Sergej Markow warf der Welt-Anti-Doping-Agentur vor, der Bericht sei voreingenommen und politisch bestellt. "Die Organisatoren wollen russischen Sportlern den Sieg stehlen, damit sie nicht unter der wehenden Fahne Russlands ganz oben auf dem Treppchen stehen", zitiert ihn die Agentur Interfax.

IOC prüft weitere Strafen

McLarens neuer Bericht geht an das Internationale Olympische Komitee (IOC). Dort sollen zwei getrennte Kammern die Beschuldigungen weiter untersuchen. Das IOC hatte angekündigt, Sportler und Offizielle mit schweren Sanktionen zu belegen.

Im ersten am 18. Juli veröffentlichen Bericht hatte Rechtsprofessor McLaren bereits belegt, dass es eine Verwicklung auch des russischen Geheimdienstes FSB bei der Vertuschung von Doping-Fällen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi gab. Damals hatte der Kanadier nur 57 Tage für die Untersuchung Zeit. Zwischen 2012 und 2015 seien rund 650 positive Doping-Proben russischer Athleten in rund 30 Sportarten verschwunden.

Welt-Anti-Doping-Agentur wirft Russland staatliche Dopingpolitik vor
tagesschau 17:00 Uhr, 09.12.2016, Florian Riesewieck, ARD London

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Dezember 2016 um 14:00 Uhr.

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