Die Allianz Arena leuchtet in den Regenbogenfarben. | imago images/Sven Simon

Kritik an UEFA-Entscheidung "Peinlich", "beschämend", "gestrig"

Stand: 22.06.2021 15:43 Uhr

An der UEFA-Entscheidung, das Münchner Stadion nicht in Regenbogenfarben zu erleuchten, gibt es scharfe Kritik. Mehrere Städte wollen ihre Stadien nun entsprechend leuchten lassen.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union (UEFA), das Münchner EM-Stadion nicht in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen, scharf kritisiert. "Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns hier in München verbietet, ein Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz, für Respekt und für Solidarität zu den vielen Menschen der LGBT-Community abzugeben", sagte Reiter. München habe "einfach ein Signal der Menschlichkeit" senden wollen.

Enttäuschung auch über DFB

Er empfinde es zudem als "sehr enttäuschend, dass der Deutsche Fußball-Bund "sich nicht in der Lage sah oder sich nicht in der Lage sehen wollte, hier dieses Ergebnis zu beeinflussen". Den Gegenvorschlag, die Münchner Arena an einem anderen Tag entsprechend zu beleuchten, bezeichnete Reiter als "aus meiner Sicht lächerlich".

Stattdessen solle am Spieltag das Münchner Rathaus mit Regenbogenflaggen geschmückt werden und das Windrad in unmittelbarer Nähe der Arena in Regenbogenfarben beleuchtet werden. "Wir werden uns in München alternativ positionieren", sagte Reiter.

DFB verteidigt UEFA

DFB-Interimspräsident Rainer Koch verteidigte das UEFA-Verbot: "Da die Beleuchtung vom Münchner Stadtrat als eine gezielte Aktion gegen die Entscheidung des ungarischen Parlaments begründet worden ist, handelt es sich nicht mehr um ein bloßes Statement im gemeinsamen Kampf gegen jede Form von Diskriminierung, sondern um eine politische Aktion", schrieb das deutsche Mitglied der Exekutive der UEFA bei Facebook. Da die UEFA eine "politisch und religiös neutrale Organisation" sei, habe sie die Anfrage aus der Münchner Politik ablehnen müssen.

Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto sagte am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vor ungarischen Journalisten. "Man hat entschieden, sich nicht für eine politische Provokation gegenüber Ungarn einspannen zu lassen." Die UEFA habe "die richtige Entscheidung getroffen."

Kritik von zahlreichen Seiten 

Kritik an der UEFA-Entscheidung kam unterdessen aus fast allen deutschen Parteien. "Liebe UEFA, es ist nicht so, dass ich von euch viel erwartet habe. Aber ihr seid noch peinlicher als ich dachte. Schämt euch!", schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bei Twitter zu der Entscheidung vor dem EM-Gruppenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte in Berlin: "Die Ablehnung ist eine Entscheidung der Gestrigen." Und Katarina Barley (SPD), Vize-Präsidentin des Europaparlaments, schrieb: "Vor Autokraten einzuknicken, hat noch nie zu etwas Gutem geführt."

Die Grünen riefen dazu auf, Regenbogenflagge zu zeigen. "Für Toleranz. Gegen Homofeindlichkeit. Nicht nur, wenn es um Fußball geht. Lasst uns ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen und den Regenbogen durchs Land tragen", schrieb Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock auf Twitter.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, erklärte: "Menschenrechte gelten für alle Menschen, überall. Auch im Stadion. Flagge können wir morgen trotzdem zeigen. Im Stadion oder eben am Balkon".

Und die Linke schrieb auf ihrem Twitter-Account: "Wer bei Menschenrechten von Neutralität spricht, hat nichts verstanden."

Söder bedauert - Kritik an AfD

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bedauerte die Entscheidung der UEFA. "Schade, dass die Münchner Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten darf. Das wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen", schrieb er bei Twitter. "Wir müssen uns stark machen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung".

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt distanzierte sich von der Entscheidung. Er hätte sich den Entscheid gut anders vorstellen können - auch "deswegen, weil ich empört darüber bin, was da wieder für eine Diskussion in Deutschland von Teilen der AfD losgetreten wird", so Dobrindt.

Eine andere Entscheidung wäre "auch ein Signal gegen vollkommen beschämende und unanständige Wortmeldungen von AfD-Vertretern bezüglich der Regenbogenfarben" gewesen, sagte er mit Blick auf Kritik aus den Reihen der Rechtspopulisten an der Regenbogen-Kapitänsbinde von Fußball-Nationaltorwart Manuel Neuer. Gegen solche Tendenzen müsse klar Flagge gezeigt werden.

Auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Bundestag, Marco Buschmann, bedauerte die Entscheidung. "Die #Regenbogenfarben stehen für Selbstbestimmung, Toleranz, Weltoffenheit, Freiheit", twitterte er.

Der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, sagte: "Gleichbehandlung und der Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sind universelle Werte, denen sich die UEFA selbst verpflichtet fühlt", erklärte Franke auf Anfrage der Nachrichtenagentur epd. "Das Verbot, das Münchner Stadion in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, ist deshalb unverständlich. Die UEFA verspielt damit die Gelegenheit, ein deutliches Zeichen für Toleranz und gegen Homophobie und LSBTIQ-Feindlichkeit im Fußball zu setzen."

Mehrere Städte wollen ihre Stadien beleuchten

Unterdessen kündigten mehrere Städte an, am Mittwochabend ihre Stadien in Regenbogenfarben zu erleuchten. "Wir nutzen unsere Stadionbeleuchtung immer wieder, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen", sagte Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg. "Wenn die UEFA ein solch selbstverständliches und wichtiges Zeichen in München im Rahmen des EM-Spiels nicht zulässt, dann wollen wir dies gerne tun und freuen uns, unsere schöne Fassade in bunten Farben erleuchten zu lassen."

Vor Augsburg hatten bereits andere Städte wie Berlin, Köln, Frankfurt und Wolfsburg angekündigt, die Stadien in Regenbogenfarben zu bestrahlen. "Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", twitterte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2021 um 12:00 Uhr.