Krystsina Tsimanouskaya | REUTERS

Nach Kritik an Funktionären Belarusische Athletin soll Japan verlassen

Stand: 01.08.2021 17:09 Uhr

Eigentlich hätte sie am Montag im Vorlauf über 200 Meter antreten sollen: Die belarusische Athletin Timanowskaja muss die Olympischen Spiele offenbar vorzeitig verlassen. Sie hatte Kritik an belarusischen Sportfunktionären geübt.

Die belarusische Leichtathletin Kristina Timanowskaja wird nach Angaben des Belarusischen Olympischen Komitees nicht weiter an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen.

Unabhängigen belarusischen Medien zufolge soll die 24-Jährige nach kritischen Äußerungen über belarusische Sportfunktionäre in Tokio bereits zum Flughafen gebracht worden sein.

Unter japanischem Polizeischutz

Die oppositionelle belarusische Athletenvertretung Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF) veröffentlichte auf Telegram ein Video, in dem Timanowskaja erklärt, auf sie sei Druck ausgeübt worden und sie solle gegen ihren Willen aus dem Land gebracht werden. Aktuell steht sie laut BSSF-Angaben unter dem Schutz der japanischen Polizei. Timanowskaja wolle um Asyl in Europa bitten und sich dafür an die österreichische Botschaft in Tokio wenden.

BSSF hatte zuvor von einer "gewaltsamen" Ausreise Timanowskajas gesprochen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte auf Anfrage mit, es beobachte den Fall und habe das Belarusische Olympische Komitee um Aufklärung gebeten.

In einer Mitteilung des Belarusischen Olympischen Komitees auf Telegram hieß es, die Läuferin sei von einem Arzt untersucht worden und werde wegen ihrer "emotional-psychischen Verfassung" nicht an weiteren Wettkämpfen teilnehmen. Auf ihrem Instagram-Account bezeichnete Timanowskaja diese Darstellung als "Lüge".

Kritische Äußerung über Sportfunktionäre

Dem Radiosender Euroradio sagte sie in einem Interview: "Sie haben mir einfach gesagt, meine Sachen zu packen und nach Hause zu fliegen."

Timanowskaja hätte am Montag im Vorlauf über 200 Meter antreten sollen. Sie hatte sich zuvor kritisch über Sportfunktionäre im autoritär geführten Belarus geäußert. Die Sportlerin vermutete, dass andere belarusische Athleten nicht antreten könnten, weil für sie nicht genügend negative Doping-Proben eingereicht worden seien.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. August 2021 um 20:00 Uhr.