Naomi Osaka bei den French Open | imago images/Shutterstock

Osakas French-Open-Rückzug "Ich bewundere deine Verwundbarkeit"

Stand: 01.06.2021 20:14 Uhr

Stars aus der Sportszene haben mit Mitgefühl und Sorge auf Naomi Osakas Rückzug von den French Open reagiert. Die Weltranglisten-Zweite hatte die Konsequenzen aus dem Streit um ihren Presseboykott gezogen - und von Depressionen berichtet.

"Ich glaube, es ist für das Turnier, für die anderen Spielerinnen und mein Wohlbefinden das Beste, wenn ich aussteige, sodass sich alle wieder auf Tennis in Paris fokussieren können", schrieb Osaka am Montagabend (31.05.2021). Zuvor hatten die Turnier-Verantwortlichen Osaka mit dem Ausschluss gedroht, sollte sie ihren Medienverpflichtungen nicht nachkommen.

Osaka boykottierte Pressekonferenz

Osaka hatte kurz vor Beginn der French Open via Instagram erklärt, dass sie in Paris nicht mit den Medien reden wolle. Als Grund hatte die Nummer zwei der Welt angegeben, dass die Journalistinnen und Journalisten keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern nehmen würden.

Nach ihrem Erstrundensieg am Sonntag war sie dann wie angekündigt der obligatorischen Pressekonferenz ferngeblieben. Der veranstaltende französische Tennisverband belegte Osaka zunächst mit einer Geldstrafe von 15.000 US-Dollar und drohte mit härteren Sanktionen, sollte die Siegerin der US Open und Australian Open nicht einlenken.

Mit einer Ausschluss und sogar einer Sperre für spätere Grand-Slam-Turniere hatten die Veranstalter gedroht. Einer solchen Strafe kam Osaka mit ihrem Rückzug womöglich zuvor.

Osaka schreibt, sie leide an Depressionen

Sie leide seit den US Open 2018 immer wieder unter Depressionen, teilte Osaka nun in ihrem Statement mit. In Paris habe sie sich verletzlich gefühlt und sich schließlich mit ihrem vieldiskutierten Presseboykott schützen wollen. "Ich akzeptiere es, dass mein Timing nicht ideal war und meine Botschaft klarer gewesen sein könnte", schrieb Osaka.

Sie wolle nun zunächst einmal Abstand von den Tenniscourts gewinnen und dann nach ihrer Rückkehr mit der Tour an Verbesserungen für die Spieler, die Presse und Fans arbeiten.

Reaktionen von Williams, Navratilova, Gauff und Curry

Internationale Sport-Stars reagierten besorgt und mit großem Respekt auf Osakas Ausstieg. "Ich fühle mit Naomi. Ich wünschte, ich könnte sie umarmen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt", sagte US-Tennisprofi Serena Williams. "Jeder ist anders und jeder geht unterschiedlich mit den Dingen um. Man sollte sie einfach damit umgehen lassen, wie sie es für richtig hält."

"Ich hoffe wirklich, dass es ihr gut geht", schrieb die 18-malige Grand-Slam-Siegerin Martina Navratilova bei Twitter. "Als Sportler wird uns beigebracht, auf unseren Körper zu achten, und vielleicht kommt der mentale und emotionale Aspekt zu kurz."

Am Dienstagabend versprachen die vier Grand Slams dann "sinnvolle Verbesserungen" für ihre Turniere zu schaffen, damit sich eine derartige Krise nicht wiederholt. Daran solle "mit den Spielern, der Tour, den Medien und der breiteren Tennis-Gemeinschaft zusammengearbeitet werden", hieß es in einem Statement.

"Bleib stark. Ich bewundere deine Verwundbarkeit", twitterte US-Tennisprofi Coco Gauff. Auch Basketball-Superstar Stephen Curry meldete sich zu Wort. "Du hättest nie in die Lage kommen dürfen, eine solche Entscheidung treffen zu müssen - aber es ist verdammt beeindruckend, dass du den schwierigen Weg nimmst, wenn die Mächtigen die Ihren nicht schützen. Großer Respekt", schrieb der NBA-Profi von den Golden State Warriors.

Eine Stimme auch gegen Polizeigewalt

Osaka zählt zu den schillerndsten Athletinnen im aktuellen Frauentennis. Mit einem Jahresverdienst von bis zu 55 Millionen Dollar ist sie zur bestverdienenden Sportlerin der Welt aufgestiegen und genießt eine enorme Popularität. Diese nutzt sie immer wieder, um Zeichen über den Sport hinaus zu setzen. Ihr Protest gegen Polizeigewalt bei den US Open sorgte für weltweites Aufsehen.

Veranstalter wünschen "bestmögliche Genesung"

Die Veranstalter der French Open äußerten sich am späten Montagabend zum Rückzug von Osaka. "In allererster Linie tut es uns leid und wir fühlen mit Naomi Osaka", sagte Gilles Moretton, Präsident des französischen Tennisverbands FFT. "Wir wünschen ihr die bestmögliche und schnellste Genesung und hoffen, Naomi nächstes Jahr bei unserem Turnier wiederzusehen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Juni 2021 um 10:00 Uhr.