Niederlandes Jackie Groenen (l.) bejubelt einen Treffer. | Bildquelle: imago images / Bildbyran

Sieg gegen Schweden Niederlande sind im WM-Endspiel

Stand: 03.07.2019 23:39 Uhr

Niederlandes Jackie Groenen (M.) bejubelt einen Treffer mit Shanice Van de Sanden (l.). | Bildquelle: imago images / Bildbyran
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Niederlandes Jackie Groenen (M.) bejubelt einen Treffer mit Shanice Van de Sanden (l.).

Die Niederlande stehen zum ersten Mal in einem Fußball-WM-Endspiel bei den Frauen. "Oranje" setzte sich im Halbfinale am Mittwoch (03.07.19) glücklich und erst nach Verlängerung mit 1:0 (0:0) gegen Schweden durch. Im Endspiel am Sonntag (17.00 Uhr, live im Ersten und auf sportschau.de) treffen die Europameisterinnen auf den Titelverteidiger und Rekord-Weltmeister aus den USA.

War das erste WM-Halbfinale zwischen den USA und England (2:1) am Dienstag (02.07.19) von Beginn an ein Fest für Fans des Fußball-Spektakels gewesen, so kamen beim zweiten Semifinale lange Zeit nur Taktikfreunde unter den knapp 50.000 Zuschauern auf ihre Kosten. Ein bei der Seitenwahl herzhaft gähnendes Einlaufkind schien das bereits vor dem Anpfiff geahnt zu haben. Die Niederlande waren zwar durchaus bemüht, Tempo zu machen und Druck aufzubauen. Aber da die Schwedinnen hochkonzentriert verteidigten und zum Beispiel der von einer Zehenverletzung gehandicapten Lieke Martens gar keinen Raum ließen, geriet das Tor von Keeperin Hedvig Lindahl vor der Pause nie in Gefahr.

Mit enormem läuferischen Aufwand setzten die Skandinavierinnen ihrerseits immerhin ein paar Nadelstiche im Angriff. So zwang die in die Startelf gerutschte Lina Hurtig "Oranje"-Keeperin Sari van Veenendaal nach einer Ecke einmal zu einer Fußabwehr (37.). Insgesamt aber war die Partie in der ersten Halbzeit vor allem geprägt von Zweikämpfen im Mittelfeld. Der Beifall von den Rängen im Grand Stade de Lyon fiel nach 45 Minuten entsprechend leise aus - und das, obwohl doch die Fans beider Lager für lautstarke Anfeuerung bekannt sind.

Fischer an den Pfosten, Miedema an die Latte

Niederlandes Vivianne Miedema (l.) und Schwedens Caroline Seger | Bildquelle: imago images / Bildbyran
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Umkämpftes Halbfinale: Beiden Mannschaften war der Druck anzumerken.

Jill Roord ersetzte zu Beginn des zweiten Abschnitts bei den "Oranjeleeuwinnen" Martens, aber besser wurde es für die favorisierten Europameisterinnen zunächst nicht. Außenseiter Schweden war es, der mutiger wurde. Der Dreier-Sturm mit Stina Blackstenius, Hurtig und Sofia Jakobsson beschäftigte die Abwehr der Niederländerinnen nach Kräften. Eine Ecke brachte die bis dahin größte Chance: Nach einem Schuss von Nilla Fischer lenkte Schlussfrau van Veenendaal den Ball mit einer Hand noch an den Pfosten (56.).

Nachdem Schwedens Torhüterin Lindahl einen Kopfball von Vivianne Miedema - ebenfalls nach einer Ecke - an die Latte abgewehrt hatte (64.), wurde das Tempo in der Partie und das Risiko, das die Teams gingen, höher. Eine Entscheidung in der regulären Spielzeit sollte her, das war offensichtlich der Wunsch bei den Weltranglisten-Achten und -Neunten.

"Oranje"-Trainerin Sarina Wiegman legte in der 72. Minute von der Bank nach: Flügelstürmerin Shanice van de Sanden, in den bisherigen fünf Turnierspielen immer Startelfspielerin, kam als "Joker" in die Partie - stach aber nicht: Ihren Schuss in der Nachspielzeit lenkte Lindahl aus dem linken Winkel (90.+2).

Schwedens dritter Halbfinal-K.o.

Zum ersten Mal in der WM-Geschichte bei den Frauen war ein Halbfinale nach 90 Minuten noch nicht entschieden. Die Niederlande schienen bei weiterhin knapp 30 Grad Celsius die größeren Kraftreserven zu besitzen, zumindest gingen sie in der Verlängerung das höhere Tempo. Jackie Groenen, seit Jahren mit der "Johan-Cruyff"-Rückennummer 14 auf ihrem Trikot spielend, schwang sich schließlich in der 99. Minute zur Heldin der Partie auf: Ihr allererster Schuss aufs Tor bei dieser WM brachte die Niederlande 1:0 in Führung. Darauf suchte Schweden in den verbleibenden gut 20 Minuten mit aller Macht eine Antwort, fand sie aber nicht mehr. Bitter für die Skandinavierinnen, die im Viertelfinale Deutschland aus dem Turnier geworfen hatten: In ihrem vierten WM-Halbfinale setzte es die dritte Niederlage. Nur 2003 hatten sie es ins Endspiel geschafft - und dort dann gegen die DFB-Elf verloren.

Die Niederlande dagegen surfen weiter auf ihrer Euphoriewelle. Nach dem EM-Titel vor zwei Jahren im eigenen Land und dem erstmaligen Einzug in ein WM-Halbfinale, stehen sie nun - bei ihrer erst zweiten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft überhaupt - erstmals im Endspiel.

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USA sind haushoher Favorit im Finale

Vom Titelgewinn in Frankreich dürfen sie aber wohl nur träumen. Denn der Gewinner der Partie zwischen "Oranje" und "Blågult" war ein Team, das bereits am Vorabend auf dem Rasen des Stadions in Lyon gestanden hatte: Die Rekord-Weltmeisterinnen und Titelverteidigerinnen aus den USA gehen klar favorisiert ins WM-Endspiel am Sonntag (07.07.19, 17.00 Uhr, live im Ersten und auf sportschau.de) gegen die Niederlande. Zum einen lassen die bisher im Turnier - und vor allem in den beiden Halbfinals - gezeigten Leistungen der beiden Endspiel-Kontrahenten keinen anderen Schluss zu. Und zum anderen haben die USA nicht nur einen Tag mehr Zeit zur Erholung, sondern auch noch 30 Minuten weniger Spielzeit bei Sommerhitze in den Knochen.

Wenn die Tränen nach dem Halbfinal-Aus bei den Schwedinnen getrocknet sind, spielen sie am Samstag (06.07.19, 17.00 Uhr, im Live-Ticker auf sportschau.de) in Nizza im Spiel um Platz drei gegen England. Ob Kosovare Asllani, die kurz vor dem Abpfiff verletzt vom Platz getragen werden musste, dann mitspielen kann, ist ungewiss.

Dieses Thema im Programm:
Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 03.07.2019 | 20:15 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete das Erste am 03. Juli 2019 in der Sportschau ab 20:15 Uhr.

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