Werder Bremen freut sich über den Sieg gegen Köln und den Relegationsplatz. | Bildquelle: REUTERS

6:1-Sieg gegen Köln Werder rettet sich in die Relegation

Stand: 27.06.2020 17:20 Uhr

Mit einem klaren Heimsieg gegen den 1. FC Köln und mit Schützenhilfe von Union Berlin hat sich Werder Bremen am letzten-Spieltag der Fußball-Bundesliga auf den Relegationsplatz 16 gerettet.

Von Frank van der Velden

Das "Wunder von der Weser" ist in Bremen ein feststehender Begriff. Er beschreibt die Gabe des SV Werder, sich aus scheinbar aussichtlosen Situationen zu befreien. Bisher galt das nur für den Europapokal, wo die Grün-Weißen nach krachenden Niederlagen im Hinspiel dann daheim mit spektakulären Siegen am Ende doch noch eine Runde weiter kamen.

Jetzt haben "Wunder von der Weser" eine neue Dimension. Nach einem 6:1-Sieg gegen den 1. FC Köln am letzten Bundesliga-Spieltag am Samstag (27.06.2020) rettete sich Werder auf den Relegationplatz 16 und wendete damit den ersten Abstieg nach 1980 vorerst ab.

Schützenhilfe aus Berlin

Schützenhilfe bekam das Team von Trainer Florian Kohfeldt dabei aus Berlin, wo der 1. FC Union den Bremer Konkurrenten Düsseldorf mit 3:0 besiegte und die Westdeutschen in die zweite Liga schickte.  Mit zwei Punkten und vier Toren Rückstand auf die Fortuna war Bremen in sein Abstiegs-Endspiel gegangen. Wie wunderlich der Sieg mit einem halben Dutzend Treffern ist, zeigt die Statistik. In den 16 Saisonheimspielen zuvor hatte Werder gerade Mal neun Tore zustande gebracht.

Das "Wunder von der Weser" nahm in der 22. Minute Gestalt an. Da stand nach mauem und holprigem Beginn Yuya Osako nach Pass von Maximilian Eggestein plötzlich frei vor dem Kölner Torwart Timo Horn und traf sehenswert zum 1:0. Nur fünf Minuten später erhöhte Milot Rashica nach schöner Einzelleistung und mit gütiger Mithilfe von Horn auf 2:0, und wieder nur zwei Minuten später flankte Marco Friedl von der linken Seite genau in die Schnittstelle auf Niclas Füllkrug, der zum 3:0 traf. Als dann auch zwischendurch noch Union Berlin gegen Düsseldorf in Führung ging, standen die Bremer Weichen auf Relegation.

"Da haben wir so richtig Gas gegeben und die erste Halbzeit so dermaßen dominiert, das war richtig gut und da waren wir zur richtigen Zeit da. Und das hat das Spiel heute einfach gebraucht", sagte Bremens Kevin Vogt in der ARD-Sportschau: "Wir waren sehr selbstbewusst, haben mit einem richtigen Offensivdrang gespielt und auch immer wieder Nadelstiche gesetzt und zu einem Superzeitpunkt immer auch die Tore gemacht. Ich glaube, dass der Gegner nicht damit gerechnet hat, dass wir da am Anfang so über ihn herrollen."

Offensive Aufstellung belohnt

In Sachen Aufstellung hatte Bremens Trainer Kohfeldt alles für den Sieg getan. Erstmals seit seiner schweren Knieverletzung lief Füllkrug von Beginn an auf und bildete gemeinsam mit Rashica und Osako das Angriffs-Trio. Über die Außen schalteten sich zudem die beiden Verteidiger Friedl und Theodor Gebre Selassie immer wieder ins Angriffsspiel ein.

Nach der Pause investierten die Kölner mehr und intensivierten vor allem ihr Pressing. Das Bemühen war dem FC nicht abzusprechen, doch das Team von Trainer Markus Gisdol war über 90 Minuten uneffektiv. Die erste Chance hatten dann auch wieder die Bremer. Bei einem Schuss von Osako hatte Ellyes Skhiri gerade noch den Fuß dazwischen.

Dann ging es Schlag auf Schlag. In der 55. Minute lenkte Sebastiaan Bornauw einen Schuss von Rashica an den Pfosten, Davy Klaassen staubte ab. Mit einem 4:0-Sieg hätte Bremer sogar den Ausgleich in Berlin verkraften können. Stattdessen setzte Osako in der 58. Minute noch einen drauf und machte nach schönem Pass von Gebre Selassie das 5:0 - und Berlin erhöhte gegen Düsseldorf auf 2:0.

Köln am Ende desolat

Während sich Trainer Kohfeldt die Freude äußerlich nicht anmerken ließ und sein Team weiter pausenlos von der Seitenlinie aus anfeuerte, ging es auf der Tribüne, wo auch Aufsichtsratschef Marco Bode saß, hoch her. "Das wäre nur vollendet, wenn wir jetzt auch noch die beiden nächsten Spiele so betreiten, dass wir am Ende in der Liga sind", sagte Kohfeldt hinterher mit Blick auf die Relegation.

Die Kölner ergaben sich in dieser Phase des Spiels. Bremen brachte alles auf den Platz, was die Mannschaft in so vielen Spielen zuvor hatte vermissen lassen. Auch der Ehrentreffer von Dominick Drexler in der 62. Minute gab dem Spiel keine Wende. Von einem herausgespielten Tor konnte ohnehin keine Rede sein. Rashica hatte Drexler per Fehlpass die Chance eröffnet. Sechs Minuten später traf der eingewechselte Josh Sargent nach zuvor schöner Einzelleistung von Rashica. Der traf in der 81. Minute zudem noch den Pfosten. Auch Niklas Moisander hatte in der 84. Minute noch eine klare Chance, setzte den Ball aber aus zehn Metern knapp über das Tor.

Relegation gegen Heidenheim oder den Hamburger SV

Das "Wunder von der Weser" zu Ende bringen müssen die Bremer nun in der Relegation. Dort geht es in zwei Spielen am Donnerstag (02.07.2020) und am Montag gegen den 1. FC Heidenheim oder den  Hamburger SV.  "Ich habe keinen Wunschgegner jetzt. Ich glaube ,dass beides sehr herausfordernd wird. Ich weiß, was es bedeutet, Derbys zu spielen. Ich weiß aber auch, dass es eine ganz herausfordernde Sache wird, gegen Heidenheim zu spielen", sagte Kohfeldt. Und Bremens Füllkrug erklärte: "Wir wissen natürlich, dass es am Donnerstag schon weiter geht. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Spiele spielen dürfen.  Es ist toll heute, so eine Leistung abgerufen zu haben, und dann noch ein großer Dank an Union Berlin."

Der 1. FC Köln muss sich derweil wohl Vorwürfe von rheinischen Nachbarn Fortuna Düsseldorf gefallen lassen. Kölns Trainer Gisdol rechtfertiget sich: "Es ist uns nicht gelungen, in dem Spiel die notwenige Spannung und Konzentration über 90 Minuten nochmal hinzubekommen. Aber ich werde den Teufel tun, meine Mannschaft da heute für zu verurteilen."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Juni 2020 um 18:00 Uhr.

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