Club-Besitzer Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen. | Matt Dunham/AP/dpa/Archiv

Ukraine-Krieg Premier-League-Sanktionen gegen Abramowitsch

Stand: 13.03.2022 13:06 Uhr

Nun hat nach der britischen Regierung auch die Premier League reagiert und Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine stark sanktioniert. Den Klub trifft das hart.

Club-Besitzer Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen. | Matt Dunham/AP/dpa/Archiv

Club-Besitzer Roman Abramowitsch will den FC Chelsea verkaufen. Bild: Matt Dunham/AP/dpa/Archiv

Sportschau

Nach der Verhängung von Sanktionen durch die britische Regierung hat der Vorstand der Premier League Roman Abramowitsch nun verboten weiterhin im Vorstand des FC Chelsea zu agieren.

Die Entscheidung des Premier-League-Vorstands habe aber keine Auswirkungen auf die Möglichkeit der "Blues", weiterhin den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Das teilte die Premier League am Samstag (12.03.2022) mit.

Sanktionen der britischen Regierung

Zuvor hatte die britische Regierung bereits verfügt, dass alle britischen Vermögenswerte des FC Chelsea-Besitzers Roman Abramowitsch eingefroren werden. Das gilt auch für alle Unternehmen, die ihm gehören. Transaktionen mit britischen Privatpersonen und Unternehmen sind ihm verboten.

Außerdem wurde er mit einem Reise- und Transportverbot belegt. Das gab die britische Regierung am Donnerstag (10.03.2022) bekannt.

Großbritannien reagiert damit auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. "Es darf keine sicheren Häfen geben für die, die Putins bösartigen Angriff auf die Ukraine unterstützt haben", wurde Premierminister Boris Johnson zitiert. Abramowitsch wird eine Nähe zu Kreml-Chef Wladimir Putin nachgesagt, was er allerdings bestreitet.

FC Chelsea darf keine Tickets mehr verkaufen

Der Klub darf keine Tickets mehr verkaufen. Nur Dauerkartenbesitzer können die Spiele besuchen.

Chelsea-Fans schwenken eine riesige Fahne auf der Tribüne | picture alliance / empics

Chelsea-Fans schwenken eine riesige Fahne auf der Tribüne Bild: picture alliance / empics

Außerdem dürfen die "Blues" keine Spielertransfers mehr tätigen oder neue Verträge abschließen. Abgesehen vom Catering wird auch der komplette Warenverkauf im Stadion untersagt - zum Beispiel Fanartikel.

Hauptsponsor verlangt Aussetzung des Sponsorings

Außerdem verliert der Fußball-Weltpokalsieger anscheinend auch seinen Hauptsponsor. Das Mobilfunk-Unternehmen "Three" hat den Verein des deutschen Trainers Thomas Tuchel laut Mitteilung vom Donnerstag aufgefordert, die Werbung bis auf Weiteres von der Trikotbrust und aus dem Stadionumfeld zu nehmen.

"Im Lichte der jüngsten Sanktionen verlangen wir vom FC Chelsea, dass unser Sponsoring ausgesetzt wird", hieß es. Dies werde vielen Chelsea-Fans missfallen, sei aber "in den gegebenen Umständen das Richtige". Medienberichten zufolge hat sich "Three" die Werbung umgerechnet 48 Millionen Euro pro Saison kosten lassen.

Der Autokonzern Hyundai teilte am Samstag (12.03.2022) mit, dass er das Sponsoring "bis auf Weiteres" aussetze. Der 2018 abgeschlossene Vertrag zwischen Huyundai und dem Klub soll Chelsea nach Medienberichten Erlöse von mehr als 50 Millionen Euro gebracht haben.

Abramowitsch hatte Verkauf angekündigt

Was die Sanktionen für den geplanten Verkauf des FC Chelsea bedeuten, war zunächst unklar. Abramowitsch hatte kürzlich angekündigt, den Klub nach fast 20 Jahren verkaufen zu wollen. Der Schritt galt als Reaktion auf die Forderung nach Sanktionen gegen ihn, die nun allerdings noch vor dem Chelsea-Verkauf in Kraft treten.

Nach Informationen britischer Medien soll trotz der Sanktionen ein Verkauf möglich sein, allerdings unter strengen Auflagen. So darf Abramowitsch nicht an der Transaktion verdienen.

Laut "The Athletic" könnte das Geschäft in vier bis sechs Wochen über die Bühne gehen. Demnach führt die britische Regierung derzeit Gespräche dazu mit dem US-amerikanischen Bankunternehmen Raine, das mit dem Verkauf des Klub-Weltmeisters Chelsea beauftragt wurde, bevor die Sanktionen gegen dessen Eigentümer in Kraft traten.

Ärger in Portugal

Bekannt wurde am Samstag auch, dass die Umstände von Abramowitschs Einbürgerung in Portugal untersucht werden. Ein Rabbiner, der offenbar den Weg für den 55-Jährigen bereitet hatte, wurde auf Drängen der Staatsanwaltschaft vorläufig festgenommen. 

Abramowitsch hatte von einem 2013 von Portugal verabschiedeten Gesetz profitiert. Danach ist allen Nachkommen sephardischer Juden, die Ende des 15. Jahrhunderts verfolgt und von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, erlaubt, die portugiesische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Eine Bescheinigung über die entsprechende Abstammung von Abramowitsch wurde von der jüdischen Gemeinde der Stadt Porto ausgestellt. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Porto, Daniel Litvak, wurde im Rahmen der Ermittlungen über mögliche Fälle von "Einflussnahme, aktiver Korruption, Fälschung von Dokumenten, Geldwäsche oder sogar Steuerhinterziehung" zunächst in Gewahrsam genommen. Die ermittelnden Behörden hatten im Januar angekündigt, die Einbürgerung von Abramowitsch untersuchen zu wollen.

Möglicherweise nützliche Staatsbürgerschaft

Seit April 2021 besitzt Abramowitsch, dessen Vermögen auf rund 11,2 Milliarden Euro taxiert wird, auch die portugiesische Staatsbürgerschaft. Was sich angesichts der weitreichenden Sanktionen gegen den Kriegstreiber Russland und seine Oligarchen durchaus als nützlich erweisen könnte.

Unter Abramowitsch erlebten die "Blues" die erfolgreichste Zeit ihrer Vereinsgeschichte und gewannen national und international alle möglichen Titel, zuletzt die Champions League und die Klub-WM.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2022 um 17:00 Uhr.