Fabio Jakobsen jubelt bei der Zieleinfahrt  | AFP/Thomas Samson

Tour de France Jakobsen gewinnt Zielsprint in Nyborg

Stand: 02.07.2022 17:19 Uhr

Zwei Jahre nach seinem Horror-Sturz, nach dem er um sein Leben kämpfte, hat Fabio Jakobsen sein Comeback mit einem Etappensieg bei der Tour de France gekrönt. Wout Van Aert übernahm nach der 2. Etappe von Roskilde nach Nyborg das Gelbe Trikot.

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Jakobsen siegte am Samstag (02.07.2022) nach 202,5 Kilometern auf der spektakulären Etappe in Dänemark, die kurz vor dem Zielsprint über den Großen Belt, die 18 Kilometer lange Meeresbrücke durch die Ostsee führte.

Der Niederländer vom Team Quick Step Alpha Viny entschied den Sprint vor dem Belgier Wout Van Aert (Jumbo-Visma) und dem Dänen Mads Pedersen (Trek-Segafredo). Jakobsen feierte seinen ersten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt und untermauerte damit seine Rolle als Sprintfavorit.

Van Aert übernimmt Gelbes Trikot

Van Aert übernahm dank der Zeitgutschrift das Gelbe Trikot von Auftaktsieger Yves Lampaert, der zuvor auf der Brücke über dem Großen Belt bereits eine Schrecksekunde erlebt hatte. Nach einem Sturz war der Belgier zwischenzeitlich abgehängt, doch mit Hilfe seiner Teamkollegen schaffte er es wieder ins Feld.

Zwei Kilometer vor dem Ziel war es zu einem Massensturz im Hauptfeld gekommen, durch den auch Titelverteidiger Tadej Pogacar aufgehalten wurde. Da die Stürze jedoch innerhalb der letzten drei Kilometer stattfanden, hatten sie keine Auswirkungen auf die Zeitabständde im Gesamtklassement.

Jakobsens Comeback: "15 Jahre lang davon geträumt"

Jakobsen feierte mit seinem Sieg sein eigenes Radsport-Märchen. Vor zwei Jahren schien die Karriere des Niederländers bereits vorbei. Nach einem schlimmen Sturz bei der Polen-Rundfahrt, als er von seinem Landsmann Dylan Groenewegen in die Ballustraden gedrängt worden war, lag Jakobsen zwischenzeitlich im künstlichen Koma und musste mehrmals operiert werden. Er hatte nach dem Sturz nur noch einen eigenen Zahn und musste im Gesicht mit 130 Stichen genäht werden.

"Das ist unglaublich. Es war ein langer Prozess. Viele Leute haben mir geholfen, wieder zurückzukommen. Heute habe ich ihnen etwas zurückgezahlt. Das ist ein fantastischer Tag. Davon habe ich 15 Jahre lang geträumt", sagte der Niederländer nach dem Rennen.

Bester Deutscher war Max Walscheid (Neuwied/Cofidis), der auf Platz zwölf fuhr. "Es waren sehr viele knappe Situationen, ich habe mehr als einmal die Bremse angefasst. Die Strecke war in Ordnung, der Wind kam sehr von vorn. So waren alle noch dabei. Dadurch war es sehr unorganisiert und hektisch", sagte Walscheid.

Viel Nervosität bei der Fahrt über den Großen Belt

Das Finale über den Großen Belt war in den Tagen vor dem Rennen das Hauptthema gewesen, die Angst vor Windkanten war groß. Tour-Direktor Christian Prudhomme ließ erst am Samstagmorgen entscheiden, über welche Seite der Brücke das Feld geführt werden sollte. Offenbar war der Fokus auf die finalen Kilometer so groß, das die Etappe lamnge vor sich hindümpelte.

Für Spannung sorgte vor allem die Nervosität im Feld. Nach nur wenigen Hundert Metern auf der Brücke war Auftaktsieger Lampaert in einen Sturz verwickelt. Erst vier Kilometer später hatte Lampaert mit der Unterstützung von zwei Helfern den Anschluss zum auf etwa einhundert Fahrer reduzierten Feld geschafft. Auf dem zweiten Teil der Verbindung über den Großen Belt herrschte dann Gegenwind, der sämtliche Attacken neutralisierte und schließlich zum Sprint-Finale führte.

Letzte Dänemark-Etappe am Sonntag

Am Sonntag wird die Tour zum Abschluss des Gastspiels in Dänemark mit der dritten Etappe über 183 Kilometer von Vejle nach Sönderborg fortgesetzt. Danach folgt der erste Ruhetag, ehe es ab Dienstag in Frankreich weitergeht.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Juli 2022 um 18:20 Uhr.