Tadej Pogacar im gelben Trikot auf der 20. Etappe der Tour de France | AP

Tour de France Pogacar vor erneutem Gesamtsieg

Stand: 17.07.2021 19:06 Uhr

Tadej Pogacar steht kurz vor der Krönung zum jüngsten Doppel-Champion in der Geschichte der Tour de France. Der Belgier Wout van Aert gewann unterdessen das Einzelzeitfahren auf der 20. und vorletzten Etappe der 108. Tour.

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Im vorentscheidenden Einzelzeitfahren der 108. Frankreich-Rundfahrt reichte dem Slowenen Tadej Pogacar auf den 30,8 Kilometern nach Saint-Emilion eine Fahrt ohne volles Risiko. Das erst 22 Jahre alte Radsport-Wunderkind wurde Achter und verteidigte seinen Vorsprung damit ohne Mühe. Als Pogacar um 17.19 Uhr als letzter Starter in Libourne von der Rampe rollte, war dem Dominator der diesjährigen "Großen Schleife" das Gelbe Trikot schon nicht mehr zu nehmen.

Pogacar mal wieder abgebrüht

Ein komfortables Polster von 5:45 Minuten hatte er vor der vorletzten Etappe auf seinen ärgsten Verfolger Jonas Vingegaard, der im Kampf gegen die Uhr Dritter wurde. Einzig ein schwerer Sturz oder Defekt hätte Pogacar das Gelbe Trikot auf der Fahrt durch die Weinregion rund um Bordeaux noch kosten können, doch er agierte auf dem flachen Profil abgebrüht.

Pogacar wird wohl mit dem größten Abstand seit Vincenzo Nibali (7:52) im Jahr 2014 in Paris über die Ziellinie fahren. "Ich bin so happy, dass es zu Ende ist", sagte der offenbar entkräftete Dominator kurz nach der Siegerehrung. Er habe aber "jeden Kilometer genossen, auch wenn ich gelitten habe. Es war super heiß", betonte Pogacar mit einem leichten Sonnenbrand auf der Nase.

Wohl jüngster Zweifach-Champion aller Zeiten

Nach der "Tour d'Honneur", bei dem das Gelbe Trikot traditionell nicht mehr attackiert wird, trägt sich Pogacar höchstwahrscheinlich in die Geschichtsbücher ein - nicht nur als jüngster Zweifach-Champion in der Historie des prestigeträchtigsten Radrennens der Welt, sondern auch als erneuter Gewinner des Bergtrikots und des Weißen Trikots des besten Jungprofis. Das Podium in Paris werden der junge Däne Vingegaard (Jumbo-Visma/+5:20) und Richard Carapaz (Ineos/+7:03) aus Ecuador komplettieren.

Den Tagessieg im Einzelzeitfahren sicherte sich am Samstag der belgische Allrounder Wout Van Aert (Jumbo-Visma), der bereits schon die doppelte Kletterpartie am Mont Ventoux gewonnen hatte: "Das bedeutet mir viel. Ein Zeitfahren bei der Tour de France zu gewinnen, stand schon immer auf meiner Bucket-List."

Greipel als 113. im Ziel - und am Karriereende

Vor Beginn der Etappe hatte der erfolgreichste aktive deutsche Radprofi André Greipel sein Karriereende nach der Saison verkündet: "Weil ich 39 bin und jetzt 18 Jahre das Ganze gemacht habe und gegen 20-Jährige fahre. Ich habe verstanden, dass jetzt Schluss ist", sagte der Sprint-Oldie. Der im Peloton nur "Gorilla" genannte Greipel kam bei seinem vorletzten Auftritt auf der großen Bühne als 113. ins Ziel, sein Fokus richtet sich auf die Schlussetappe nach Paris.

Rivalen gedemütigt

Pogacar hatte seinen Siegeszug bei seinem ersten Zeitfahr-Erfolg auf dem fünften Teilstück nach Laval gestartet. Nur zwei Tage später war das Ausnahmetalent aus dem Oberkrainer 6.000-Einwohner-Nest Komenda auf der ersten Alpen-Etappe ins Gelbe Trikot geschlüpft, nachdem er seine chancenlosen Rivalen zum ersten Mal gedemütigt hatte. Bereits 24 Stunden später hatten Experten wie der legendäre Eddy Merckx die Tour für entschieden erklärt. Denn dem ausgegebenen Motto des Titelverteidigers, "Angriff ist einfach die beste Verteidigung", war bereits zu diesem Zeitpunkt niemand im Feld gewachsen.

Nur Vingegaard setzt einen Nadelstich

"Er fährt hier einfach ein anderes Rennen. Wir müssen schauen, dass wir unser eigenes fahren", hatte der Gesamtdritte Carapaz bereits nach dem neunten Teilstück konstatiert. "Die Tour ist gelaufen", sagte auch der fünfmalige Tour-Champion Merckx, und er sollte Recht behalten. Nur Vingegaard schaffte es nach einer Attacke auf der elften Etappe am Mont Ventoux, für ein paar Minuten von Pogacar wegzufahren - es blieb der einzige kleine Nadelstich.

Attacken selbst gesetzt

Der Youngster kontrollierte Vingegaard und den erfahrenen Carapaz bei den beiden letzten Pyrenäen-Ankünften nach Belieben - und mit einer Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht. Ehe seine Verfolger überhaupt ausholen konnten, setzte Pogacar die Attacken einfach selbst und manifestierte das Gelbe Trikot.

Bei seinem Tour-Debüt im vergangenen Jahr hatte er sich in einem denkwürdigen Bergzeitfahren zum ersten Mal ins Rampenlicht katapultiert und war zum jüngsten Champion der Frankreich Rundfahrt seit 116 Jahren avanciert.

Pogacar war mit 57 Sekunden Rückstand auf Landsmann Primoz Roglic in die vorletzte Etappe gestartet und hatte ihm völlig überraschend an der Planche des Belles Filles noch Gelb entrissen. Nun trägt er das Trikot wieder bis nach Paris.

Ex-Tour-Sieger Froome leidet hinten

Derweil sieht sich auch der viermalige Tour-Sieger Chris Froome trotz mehr als vier Stunden Gesamtrückstand auf die Führenden als Gewinner. "Es ist großartig für mich, hier dabei zu sein. Ich freue mich sehr auf Paris. Ich habe sehr viel gelitten. Für mich war es auch ganz anders als sonst. Normalerweise leide ich vorne, diesmal leide ich hinten", sagte der 36 Jahre alte Brite am Samstag nach dem Einzelzeitfahren in der ARD.

Froome hatte die Tour 2013, 2015, 2016 und 2017 gewonnen. Seit seinem brutalen Sturz unmittelbar vor der Tour 2019 ist der Routinier nicht mehr an sein früheres Niveau herangekommen.

Gelingt Cavendish der alleinige Etappen-Rekord?

Mit einer 108,1 Kilometer langen Flachetappe von Chatou nach Paris wird am Sonntag die 108. Tour beendet. Der Gelb-Träger wird dabei traditionell nicht mehr angegriffen. Druck haben die Sprinter. Der Brite Mark Cavendish peilt seinen 35. Tagessieg an und wäre damit alleiniger Rekordhalter vor Belgiens Radsport-Legende Eddy Merckx.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juli 2021 um 20:02 Uhr.