IOC-Präsident Thomas Bach vor dem Logo der Olympischen Spiele in Tokio | imago images /Sven Simon

Fall Timanowskaja IOC entzieht belarusischen Funktionären Olympia-Akkreditierung

Stand: 06.08.2021 02:41 Uhr

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat nach der aufsehenerregenden Flucht der Leichtathletin Kristina Timanowskaja vor der eigenen Teamleitung erste Sanktionen gegen zwei Funktionäre der belarussischen Delegation verhängt. Das wurde am Freitag (06.08.2021) bekannt.

Juri Moisewitsch und Artur Schumak, die von der Disziplinarkommission des IOC zu Timanowskaja Entführungsvorwürfen befragt worden waren, verlieren den Angaben zufolge ihre Akkreditierungen und müssen das olympische Dorf verlassen. "Im Interesse des Wohlergehens der Athletinnen und Athleten des belarussischen NOK, die sich noch in Tokio befinden, hat das IOC gestern Abend als vorläufige Maßnahme den beiden Trainern die Akkreditierungen entzogen", teilte das IOC mit.

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Moisewitsch und Schumak seien aufgefordert worden, das olympische Dorf zu verlassen und hätten dies umgehend getan. Sie bekommen weiterhin die Möglichkeit, angehört zu werden.

Bach: "Können politisches System in Belarus nicht ändern"

"Damit ist der Prozess nicht abgeschlossen", sagte IOC-Präsident Thomas Bach bei einer Pressekonferenz zur Frage nach weiteren Sanktionen gegen das NOK aus Belarus. Die Disziplinarkommission werde den Fall weiter untersuchen "und ihre Schlüsse ziehen".

Allerdings, sagte Bach im Hinblick auf mögliche direkte Anweisungen aus der Regierung des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko, "ist das IOC nicht in der Position, das politische System eines Landes zu verändern."

Timanowskaja mittlerweile in Polen angekommen

Die 24-jährige Sprinterin Timanowskaja war eigenen Angaben zufolge von Trainer Moisewitsch und Schumak, dem stellvertretenden Leiter des nationalen Trainingszentrums, unter Druck gesetzt worden. Sie sollte gegen ihren Willen noch vor ihrem 200-m-Rennen in die Heimat fliegen, nachdem sie ihre Trainer für eine sportliche Entscheidung öffentlich kritisiert hatte. "Sie haben gesagt, wenn ich aufstehe und abhaue, dann erwarten mich ernsthafte Konsequenzen", sagte sie im Interview mit der "Welt". Auch ein Psychologe habe ihr Angst machen sollen. "Er sagte mir mehrfach, dass ich Probleme mit meinem Kopf hätte und fing an, unverständliche Dinge über manische Zustände zu erzählen. Er erklärte, dass Personen, die in so einem Zustand sind wie ich, sich das Leben nehmen."

Aus Angst vor Konsequenzen im autoritären Belarus wandte sich die Sportlerin an die Polizei und fand schließlich Hilfe bei der polnischen Botschaft. Mittlerweile ist Timanowskaja in Polen angekommen, wo sie ein humanitäres Visum bekommt. Sie sei "froh, in Sicherheit zu sein", sagte Timanowskaja in Warschau. Sie berichtete, ihr Ehemann Arseni Zdanewitsch sei ebenfalls auf dem Weg nach Polen, wo vermehrt belarussische Regierungskritiker Zuflucht suchen. Auch Zdanewitsch erhalte ein humanitäres Visum, teilte die polnische Regierung mit.

In den Fall Timanowskaja hatten sich auch hochrangige Politiker eingeschaltet. So verurteilten der deutsche Außenminister Heiko Maas und sein US-Amtskollege Antony Blinken das Vorgehen der belarussischen Delegation.

Alte Sanktionen gegen belarussisches NOK bestehen

Das IOC hatte das belarussische NOK bereits im vergangenen Jahr mit Sanktionen belegt. Der international umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko musste sein Amt als Vorsitzender abgeben, seinem Sohn und Nachfolger Wiktor verweigert das IOC die Anerkennung. Zudem sind die finanziellen Zuwendungen ausgesetzt.

Lukaschenko geht seit der Wahl 2020 mit Polizeigewalt gegen die Demokratiebewegung in seinem Land vor, zu der auch viele Sportler zählen.

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Dieses Thema im Programm:
Das Erste | Olympia Tokio 2020 | 06.08.2021 | 01:05 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. August 2021 um 06:00 Uhr.