Flagge des Fußballclubs FC Liverpool | AFP

Super-League-Gründung Klubs drohen FIFA und UEFA mit Klage

Stand: 19.04.2021 15:07 Uhr

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat die Gründungsklubs der Super League deutlich kritisiert. Er drohte mit einem Ausschluss der betreffenden Klub-Spieler von Länderspielen - die Klubs kündigten rechtliche Schritte gegen eine solche Maßnahme an.

Von Chaled Nahar

"Sie spucken den Fans ins Gesicht", sagte Ceferin am Montagnachmittag (19.04.2021) mit Blick auf die angekündigte Gründung einer Super League. "Wir werden nicht erlauben, dass sie uns das Spiel wegnehmen." Der Fußball müsse gegen das Vorhaben zusammenstehen. "Für manche Menschen existieren lediglich die eigenen Taschen." Ceferin wiederholte seine Drohung, dass die Spieler der abtrünnigen Klubs künftig nicht mehr an Länderspielen teilnehmen dürften.

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Ceferins Haltung wurde auch von vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) unterstützt. Man trage alle Gegenmaßnahmen. "Dass hiervon auch die Berufung deutscher, bei Super-League-Klubs unter Vertrag stehender Nationalspieler betroffen sein kann, ist uns bewusst", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Spieler wie Ilkay Gündogan, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno, Kai Havertz, Timo Werner oder Antonio Rüdiger stehen allesamt bei Super-League-Teams unter Vertrag.

Ceferin: "Agnelli ist die größte Enttäuschung"

Der UEFA-Präsident hielt ein Scherbengericht. Die UEFA berate sich derzeit mit Juristen, sagte Ceferin. "Diese Klubs und ihre Spieler müssen so schnell wie möglich von allen unseren Wettbewerben ausgeschlossen werden." Offen ist, ob damit schon das Halbfinale der Champions League gemeint ist, in dem mit Chelsea, Real Madrid und Manchester City drei Klubs aus der Super League stehen.

Ceferin warf Führungskräften der Klubs Lügen vor. Ed Woodward von Manchester United habe ihn am Donnerstag angerufen. "Er sei sehr zufrieden mit der Reform, sagte Woodward", so Ceferin. Woodward habe dann aber wohl längst etwas ganz anderes unterschrieben, berichtete Ceferin.

Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin und zuletzt noch Vorsitzender der Klubvereinigung ECA, sei "die größte Enttäuschung von allen", sagte Ceferin. Er habe noch nie eine Person gesehen, die so oft und dauerhaft gelogen habe wie Agnelli, sagte Ceferin. "Wir haben am Samstag gesprochen. 'Mach Dir keine Sorgen, dass sind Gerüchte', sagte Agnelli zur Super League", so Ceferin. Dann habe Agnelli das Telefon ausgeschaltet. Die beiden waren mal privat verbunden: Ceferin ist der Patenonkel von Agnellis Tochter.

Super-League-Klubs kündigen rechtliche Schritte an

Die UEFA hatte zuvor bereits in einer gemeinsamen Erklärung mit den Ligen und Verbänden aus England, Italien und Spanien gedroht, Spieler und Klubs von Länderspielen und nationalen Ligen auszuschließen. Vor einiger Zeit hatte sich auch die FIFA ähnlich geäußert. Die Klubs aus der Super League kündigten an, rechtliche Schritte zu ergreifen.

"Ihre formelle Erklärung zwingt uns dazu, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um uns gegen solche nachteiligen Reaktionen abzusichern", schrieben die Super-League-Vereine in einem Brief am Montag (19.04.2021) an FIFA-Präsident Gianni Infantino und UEFA-Präsident Ceferin, aus dem die amerikanische Nachrichten-Agentur Associated Press zitiert. Solche Schritte würden die Finanzierung der Super League gefährden und seien zudem rechtswidrig. Wörtlich: "Aus diesem Grund hat SLCo (Super League Company) bei den zuständigen Gerichten einen Antrag gestellt, um die reibungslose Einrichtung und Durchführung des Wettbewerbs gemäß den geltenden Gesetzen sicherzustellen."

Im Ernstfall wird es also Gerichte beschäftigen, ob Klubs oder Spieler ohne Weiteres von Wettbewerben ausgeschlossen werden können. Der Vorschlag zur Super League sieht, abgesehen vom Finale, Spiele ausschließlich unter der Woche vor, damit die Klubs am Wochenende in den heimischen Ligen spielen könnten. Die großen Klubs wollen also beides: Super League und nationale Ligen.

UEFA beschließt Reform der Champions League

Am Montagvormittag beschloss das UEFA-Exekutivkomitee die Reform der Champions League. "Die Reformen sichern die nationalen Ligen", sagte Ceferin. "Sie bleiben der Schlüssel für die Qualifikation und das soll sich niemals ändern", sagte er mit Blick auf die teilweise geschlossene Super League. "Wir werden diese Wettbewerbe mit diesen Klubs oder ohne sie durchführen."

Die jeweils drei großen Klubs aus Spanien und Italien sowie sechs Klubs aus England haben ihre Teilnahme an der Super League offiziell zugesagt. Drei weitere Klubs sollen hinzukommen, um ein Feld von 15 Gründungsmitgliedern zusammenzustellen. Laut AFP sollen mindestens zwei französische Klubs das Teilnehmerfeld ergänzen.

Die Super-League-Klubs
Klubs
FC Liverpool
Manchester United
Manchester City
FC Chelsea
FC Arsenal
Tottenham Hotspur
Juventus Turin
AC Mailand
Inter Mailand
Real Madrid
FC Barcelona
Atlético Madrid

Bislang Absagen von deutschen Klubs an die Super League

Bayern München, Borussia Dortmund und andere Klubs aus Deutschland sowie auch aus Frankreich lehnen die Super League derzeit ab. Der Beschluss der Klubvereinigung ECA (European Club Association) besage, dass die Klubs die geplante Reform der Champions League umsetzen wollen, teilte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit. "Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt."

Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge teilte mit: "Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt." Die verabschiedeten Reformen der UEFA seien der richtige Schritt.

Spiegel-Bericht: Initiatoren der Super League hoffen auf Bayern und BVB

Doch die zwölf Initiatoren hätten Bayern und Dortmund wohl gerne in einer Super League dabei. Wie der Spiegel am Montag (19.04.2021) berichtet, sind die beiden deutschen Topvereine von den Gründern als feste Teilnehmer der Super League gewünscht. Beide Vereine sollen bereits eine Einladung zur Super League erhalten haben, zur Zusage gibt es angeblich ein Ultimatum von 30 Tagen.

Auch Paris Saint-Germain soll demnach nach dem Willen der Initiatoren zum festen Teilnehmerfeld der neuen Super League gehören. PSG soll allerdings nur 14 Tage Zeit für eine Zu- oder Absage haben.

Super League: "Wir wollen neben der Champions League existieren"

Manchester Citys Kevin De Bruyne (R) und  Real Madrids Eden Hazard  | AFP

Manchester Citys Kevin De Bruyne (R) und Real Madrids Eden Hazard Bild: AFP

"Der Wettbewerb soll neben bestehenden nationalen Liga- und Pokalwettbewerben ausgetragen werden, die ein wesentlicher Bestandteil des Wettbewerbsgefüges des europäischen Fußballs sind", heißt es in dem Brief der Super League. "Wir wollen nicht die Champions League der UEFA oder die Europa League ersetzen, sondern mit diesen Turnieren konkurrieren und neben ihnen bestehen."

Konkurrieren - damit dürfte auch die Vermarktung gemeint sein. In Spanien und England laufen die Verträge der Premier League und von La Liga 2022 aus. Dann geht es um das TV-Geld: Mehrere Milliarden Euro von Medienunternehmen werden verfügbar, die eine Super League an sich reißen könnte, die Ligen hätten das Nachsehen. Auf Dauer könnte noch mehr Geld ins Spiel kommen, wenn 2024 TV-Rechte in Italien und vor allem in der Champions League neu verhandelt werden.

Was für die Klubs finanziell zu holen ist

Den Bayern stand nach dem Gewinn der Champions League 2020 die Rekordsumme von 135 Millionen Euro zu. In der Super League könnte es deutlich mehr geben: 3,525 Milliarden Euro sollen zunächst unter den 15 Gründungsmitgliedern aufgeteilt werden. Danach soll es pro Saison allein eine Startprämie von rund 100 Millionen Euro pro Klub geben, bei erfolgreichem Abschneiden gibt es deutlich mehr. Das Prinzip: In einer Super League gibt es mehr Geld, das auf weniger Klubs aufzuteilen ist.

Die amerikanische Investmentbank JPMorgan bestätigte am Montag auch offiziell, der Investor für die Super League zu sein. "Ich kann bestätigen, dass wir den Deal finanzieren", sagte ein Sprecher der Bank der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten am 19. April 2021 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 13:15 Uhr in den Nachrichten.