Frankreichs Olivier Giroud freut sich über seinen Treffer gegen Australien | Getty Images/Robert Cianflone

FIFA WM 2022 Doppelpacker, Joker, Bayern-Misere - die WM-Trends des 1. Spieltags

Stand: 25.11.2022 10:24 Uhr

Der erste Spieltag der WM in Katar ist vorbei. Neben den politischen Besonderheiten tat sich auch auf den Plätzen jede Menge Außergewöhnliches. Was besonders war, zeigt die Sportschau-Bilanz zu den ersten 16 Spielen.

Sebastian Hochrainer
Sportschau

Doppelt hält besser

Elf Mannschaften trafen mindestens zweimal. Da verwundert es, wie häufig es jeweils auch einem einzelnen Spieler gelang. Gleich sechs Profis führen die Torschützenliste nach den ersten Partien mit zwei Toren an. Die Doppelpacker waren: Ennar Valencia (Ecuador), Bukayo Saka (England), Mehdi Taremi (Iran), Olivier Giroud (Frankreich), Ferran Torres (Spanien) und Richarlison (Brasilien).

Viele torlose Partien vermiesen den Schnitt

Mit 41 Treffern und einem Durchschnitt von 2,6 Toren pro Partie landete der Ball bisher minimal weniger häufig im Netz als bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2018 - damals waren es 2,64 Treffer pro Spiel am Ende des Turniers.

Und das trotz der torreichen Spiele zwischen England und Iran (6:2), Frankreich und Australien (4:1), Spanien und Costa Rica (7:0) sowie Portugal und Ghana (3:2). Grund dafür sind die vier Spiele, die mit 0:0 endeten. Vor vier Jahren gab es nur in einer der insgesamt 64 Partien keinen Treffer.

Kein Turnier für Scharfschützen und Standardspezialisten

Jedes der 41 Tore wurde innerhalb des Strafraums erzielt. Vor allem bei den Brasilianern lag es aber auch daran, dass bei Fernschüssen bisher einfach das Glück fehlte. Zweimal traf die "Selecao" aus der Distanz Aluminium.

Ebenfalls erfolglos blieben die Abwehrspieler, was auch eine Folge dessen ist, dass fast keine Tore nach ruhenden Bällen gelangen. Nur zwei Tore fielen nach Ecken oder Freistößen, 2018 resultierte jeder vierte Treffer aus solchen Standardsituationen.

Was aber auch auffällt: Es gab noch kein Eigentor. In Russland waren solche Missgeschicke noch fast an der Tagesordnung, zwölfmal ging der Ball da ins eigene Gehäuse.

Richtige Trainerentscheidungen werden immer wichtiger

Es ist auch die erste Weltmeisterschaft, bei der fünf Auswechslungen möglich sind - und das macht sich deutlich bemerkbar. Neun der 41 Tore wurden von Jokern erzielt (22 Prozent), vor vier Jahren waren es nur neun Prozent. Überhaupt ist es der höchste Wert der WM-Geschichte.

Japans Trainer Hajime Moriyasu klatscht mit Torschütze Doan ab. | AP/Ricardo Mazalan

Japans Trainer Hajime Moriyasu klatscht mit Torschütze Doan ab. Bild: AP/Ricardo Mazalan

Die Trainer haben also nicht nur die Möglichkeit, noch mehr während des Spiels einzugreifen, sie machen es in vielen Fällen auch noch richtig gut. Die deutsche Mannschaft litt darunter, beide japanische Treffer wurden von Jokern erzielt.

Fair geht vor

Noch kein einziger Spieler wurde von den Schiedsrichtern vom Platz gestellt. Es geht zwar grundsätzlich mittlerweile deutlich fairer bei Weltmeisterschaften zu (2018 gab es im gesamten Turnier nur vier Platzverweise). Aber der erste Spieltag zeigt, dass Roten Karten bei dieser WM wirklich nur in Ausnahmefällen gezückt werden. Verwarnungen gibt es dagegen recht häufig, das Spiel Deutschland gegen Japan war das einzige, das ohne Gelbe Karte auskam.

Viel FC Bayern mit wenig Erfolg

Kein Klub ist bei dieser WM so präsent wie der FC Bayern München. 14 Spieler des deutschen Rekordmeisters wurden am ersten Spieltag eingesetzt - so viele wie von keinem anderen Verein. Die Bilanz der Bayern-Kicker ist jedoch äußerst überschaubar.

Frankreichs Lucas Hernandez hat sich beim Spiel gegen Australien das Kreuzband gerissen | IMAGO/Fabio Ferrari/LaPresse

Frankreichs Lucas Hernandez hat sich beim Spiel gegen Australien das Kreuzband gerissen Bild: IMAGO/Fabio Ferrari/LaPresse

Es gab kein Tor, dafür aber zwei Verletzte. Lucas Hernandez (Kreuzbandriss) und Noussair Mazraoui mussten vorzeitig ausgewechselt werden. Und Siege gab's nur für die bayerischen Franzosen und Niederländer. Der größte Bayern-Block, der in der deutschen Nationalmannschaft, musste eine 1:2-Pleite gegen Japan hinnehmen.

Die (selbst)ehrlichste Erkenntnis

Die herausragenden Qualitäten von Kevin De Bruyne sind weltweit bekannt. Im Spiel gegen Kanada (1:0) konnte der Mittelfeldstar von Manchester City diese aber nicht zeigen. Er gewann nur 43 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte 79 Prozent seiner Pässe an den Mann - vor allem in aussichtsreichen Situation traf De Bruyne immer wieder falsche Entscheidungen.

Dass er trotzdem von der FIFA zum "Man of the Match" auserkoren wurde, überraschte auch ihn selbst. "Ich habe keine Ahnung, warum ich Spieler des Spiels geworden bin. Vielleicht wegen meines Namens", sagte De Bruyne.

Schier endlose Spiele

"Ein Spiel dauert 90 Minuten - und am Ende gewinnt immer Deutschland." Dieser berühmte Satz von Gary Lineker ist nicht nur wegen der nun seit Jahren überschaubaren Ergebnisse des DFB-Teams bei großen Turnieren hinfällig, sondern auch, weil die Schiedsrichter die Fitness der WM-Spieler in Katar so richtig auf die Probe stellen.

Die Nachspielzeiten sind extrem lang - aber es gibt Hoffnung. Die ersten acht Spiele wurden um durchschnittlich 15,25 Minuten verlängert, in der zweiten Hälfte des ersten Spieltags waren es "nur" 10,5 Minuten pro Partie.

Afrika enttäuscht, Asien überrascht

Keines der fünf afrikanischen Teams konnte zum Auftakt gewinnen. Einzig Tunesien gelang gegen Dänemark ein Punktgewinn (0:0), ansonsten gab es nur Niederlagen. Damit setzt sich der Trend aus dem Turnier von 2018 fort, als alle Teilnehmer aus Afrika in der Gruppenphase ausschieden.

Eine positive Überraschung sind dagegen die Teams aus Asien. Japan schockte das DFB-Team, Saudi-Arabien den Mitfavoriten Argentinien (beide 2:1). Auch Südkorea gelang gegen Uruguay (0:0) ein Achtungserfolg.

Die Null steht dank Kim

Apropos, Südkorea: Die starke Abwehrleistung war hauptverantwortlich für den Punktgewinn gegen Uruguay. Und damit die Spieler Kim, Kim, Kim, Kim und Kim. Alle vier Verteidiger der Startelf-Viererkette trugen den Nachnamen, der Torhüter ebenfalls.

Südkoreas Kim Moon-Hawn im Zweikampf mit Uruguays Facundo Torres  | firo Sportphoto/JEAN CATUFFE

Südkoreas Kim Moon-Hawn im Zweikampf mit Uruguays Facundo Torres Bild: firo Sportphoto/JEAN CATUFFE

Quelle: sportschau.de