Elisa Senß und Jill Bayings | IMAGO/Eibner

Leverkusen vor Derby gegen Köln Neue Sitzschalen, alte Probleme

Stand: 23.09.2022 10:49 Uhr

Bayer 04 Leverkusen möchte die Frauen im Verein stärken und den EM-Schwung aufgreifen. An strukturelle Änderungen wagen sie sich aber nicht.

Luca Benincasa
Sportschau

"Der Hype ist real. Im Frauenfußball haben wir von der Europameisterschaft einen Schub bekommen, auch die mediale Aufmerksamkeit ist größer", sagt Elisa Senß. Die 24-Jährige ist Kapitänin von Bayer Leverkusen. Vor dem rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln am Freitagabend (Live-Ticker ab 19.15 Uhr auf sportschau.de) hofft sie, dass die Euphorie nach der EM im Sommer auch langfristig anhält.

Der Auftakt war verheißungsvoll, zumindest bei den Zuschauerzahlen: Das Eröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München fand vor mehr als 20.000 Zuschauern statt.

Neue Sitzschalen, aber keine große Bühne

Auch in Leverkusen möchte man die Begeisterung aufgreifen und präsentiert beim Medientermin die Änderungen zur neuen Saison: Im Ulrich-Haberland-Stadion gibt es jetzt neue Sitzschalen, eine zweireihige Trainerbank, ein neues Kamera-Podest, das die Vorgaben der DFL erfüllt und einen neuen Flutlichtmast.

Vor kleiner Kulisse, anders als in Frankfurt, und nicht etwa in der gegenüberliegenden Bayarena wird die Partie gegen Köln stattfinden. Hoffnung auf den ganz großen Andrang hat man auch beim Derby nicht. "Wir müssen jetzt nicht Sachen machen, nur weil andere sie machen", sagt Thomas Eichin, Leiter Nachwuchs und Frauen bei Bayer 04. "Lieber ein kleines volles als ein großes leeres Stadion."

Keine strukturellen Veränderungen

Die neuen Sitzschalen glänzen zwar in der Sonne, aber strukturelle Veränderungen im Bereich der Frauenmannschaft oder beim Mädchen-Nachwuchs gibt es nicht. 

Dabei hatte Eichin bei der Medienrunde genau davon gesprochen: "Den Mädels die Wertschätzung geben, die sie brauchen. Dazu zählt etwa das Athletiktraining, die Anzahl an Physiotherapeuten oder die Platzbeschaffenheit." All das ist aber auch in Leverkusen noch längst nicht auf Augenhöhe mit den Strukturen bei den Männern.

Strukturelle Ungerechtigkeiten auch beim Nachwuchs

Strukturelle Ungerechtigkeiten machen sich schon beim Nachwuchs bemerkbar. Während es bei den Jungs einen Fahrservice zu Trainingseinheiten oder Pflichtspielen gibt, müssen die Mädels die meisten der Anreisen selbst organisieren. Im Nachwuchsleistungszentrum spielen beide Geschlechter. Trotzdem hängen in der gemeinsamen Cafeteria nur Poster von den Jungs-Mannschaften.

"So weit sind wir im Mädchenfußball noch nicht"

"Man darf nicht anfangen das sofort zu vergleichen", sagt Thomas Eichin. Im Jugendbereich der Jungen würden schon enorme Summen umgesetzt und gezahlt. Die Jagd nach den besten Talenten sei groß.

"Im Mädchenfußball muss diese Klasse erst erzeugt werden", so Eichin weiter. "Das kann durch bessere Vorrausetzungen gelingen. Hier müssen wir ansetzen, bevor wir über Fahrdienste nachdenken. So weit sind wir im Mädchenfußball noch nicht. Aber langfristig brauchen wir annähernd gleiche Bedingungen."

Es braucht mehr Geld

Dass die Schere beim Gehalt weiter auseinanderklafft, darauf machte jüngst die Ex-Nationalspielerin Lena Lotzen aufmerksam. In ihrer Masterarbeit zeigt sie auf, dass Spielerinnen in der ersten und zweiten Liga von ihrem Gehalt oft nicht leben können.

Das zu verändern, "ist Aufgabe von uns allen", sagt Eichin. Auch Elisa Senß hält den finanziellen Aspekt für essenziell: "Erst wenn Frauen professionell Fußball spielen, können sie sich weiterentwickeln. So kann die Leistung und auch die Qualität im Frauenfußball gesteigert werden."

Vor dem Rheinderby werden die meisten Spielerinnen tagsüber noch ihrem normalen Job nachgehen, bevor sie dann am Abend im Ulrich-Haberland Stadion mit neuen Sitzschalen und hoffentlich vielen Zuschauern zum Bundesliga-Derby antreten.

Quelle: sportschau.de