FC Bayern Campus | Alexander Hassenstein/Getty Images

Fußball Mindestlohn-Vergehen am NLZ: Ermittlungen gegen FC Bayern

Stand: 23.11.2021 14:31 Uhr

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den FC Bayern wegen möglicher Verstöße gegen das Mindestlohngesetz am Nachwuchsleistungszentrum des Klubs.

Von Matthias Wolf

Die Berichterstattung des WDR-Hintergrundmagazins Sport inside zu mutmaßlichen Mindestlohn-Vergehen in den Nachwuchsleistungszentren von Fußball-Bundesligisten zieht weitere Kreise. Nach dem FC Augsburg ist nun auch der FC Bayern mit seinem Nachwuchsleistungszentrum, dem FC Bayern Campus, ins Visier der Ermittlungsbehörden gelangt. Es gibt bereits ein Ermittlungsverfahren der Münchner Staatsanwaltschaft.

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FC Bayern schweigt zu Ermittlungen

Das Verfahren ist offenbar noch sehr frisch. Man könne hierzu "aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen", teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I mit. Das nach WDR-Informationen ebenfalls involvierte Hauptzollamt München ließ durch einen Sprecher mitteilen, man könne "wegen des Steuergeheimnisses" ebenfalls keine Auskünfte geben. Der FC Bayern äußerte sich auf Anfrage nicht dazu.

In Augsburg war die Finanzkontrolle Schwarzarbeit am 3. August 2021 mit 61 Kräften eingerückt und hatte umfangreiche Unterlagen beschlagnahmt. Hier sei man noch mit der Auswertung der Unterlagen beschäftigt und erwarte vor Frühjahr 2022 auch kein Ergebnis, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg jetzt auf WDR-Anfrage mit. Beim FC Bayern liefen die Untersuchungen etwas geräuschloser und unauffälliger ab.

Ähnliche Bezahlpraktiken bei zahlreichen Klubs

Ehemalige Jugendtrainer aus Augsburg und München hatten sich bereits im Mai gegenüber Sport inside detailliert über Dumpinglöhne an den Nachwuchsleitungszentren geäußert – die Berichterstattung war offenbar der Auslöser für die Ermittlungen des Zolls, der damals gegenüber Sport inside erklärte, es gebe dazu keine Erkenntnisse, Ermittlungen oder Überprüfungen an Nachwuchsleistungszentren. Inzwischen scheint nach Recherchen von Sport inside klar, dass es sich um ein weiter verbreitetes Problem handelt, da Jugendtrainer mehrere anderer Profiklubs ähnliche Bezahlpraktiken schilderten wie an den Standorten München und Augsburg.

Ein Augsburger Jugendcoach hatte gesagt, er habe im ersten Jahr unter 200 Euro verdient. Die Jahre darauf 250 Euro als Co-Trainer, und das bei einer Wochenarbeitszeit von mindestens 25 Stunden. "Mir wurde dann der Cheftrainerposten angeboten mit 400 Euro im Monat, und dann habe ich gesagt: Das funktioniert nicht. Ich kann nicht für 400 Euro einen Fulltimejob machen." Sport inside lagen auch Stundenzettel vor, die der Trainer nach eigener Aussage habe falsch ausfüllen müssen. Der FC Augsburg bestreitet die Vorwürfe.

"Dicke unter dem Mindestlohn"

Beim FC Bayern hatte ein Trainer, der ebenfalls auf Minijob-Basis bezahlt wurde, es so geschildert: "Es war der Clou: Man reist irgendwo nach Berlin oder London, ist da drei Tage mit den Kindern komplett zusammen und schreibt 80 Minuten Nettospielzeit auf." Er habe sich über die Bezahlung mal beschwert, berichtete der Trainer, "da hieß es von meinen Vorgesetzten: Es gibt Tausende da draußen, die würden es für 200 Euro machen".

Der Münchener Rechtsanwalt Andreas Waldschmidt, der mehrere ehemalige Mitarbeiter des FC Bayern vertritt, erklärte, seine Mandanten hätten mindestens 25 Wochenstunden abgeleistet. "Wenn man weiß, dass die 450 Euro bezahlt kriegen, dann liegt man dicke unter dem Mindestlohn, nicht nur knapp", erklärte Waldschmidt. Der FC Bayern ließ die Vorwürfe stets unkommentiert.

Umdenken beim FC Bayern

Ein Arbeitsgerichts-Prozess in München offenbarte kürzlich, dass der Rekordmeister seine Praxis inzwischen umgestellt hat. Wohl auch deshalb, vermutet der Bund Deutscher Fußball-Lehrer, weil der öffentliche Druck zu groß geworden ist. Am 5. Oktober wurde in erster Instanz die Klage eines ehemaligen Jugendtrainers am FC Bayern Campus gegen seine Kündigung verhandelt. Auch er war auf 450-Euro-Basis angestellt und gehört zum Kreis derer, die angeben, deutlich mehr als die gesetzlich erlaubten rund 40 Stunden im Monat gearbeitet zu haben.

Im Rahmen des Verfahrens gab der FC Bayern an, es würden schlichtweg keine Minijobber als Trainer mehr beschäftigt. Mit der Begründung, es handle sich um Leistungssport im Nachwuchsbereich. Und deshalb sei dieser anspruchsvolle und vielfältige Trainerjob am Campus nicht in dem durch eine geringfügige Beschäftigung vorgegebenen Rahmen zu erfüllen. Damit räumte der Rekordmeister indirekt ein, dass dies in der Vergangenheit offenbar anders gewesen ist. Diese möglichen Vergehen der Vergangenheit werden nun genauer untersucht.

Quelle: sportschau.de