Spanien bejubelt das Führungstor gegen die Slowakei | POOL / AFP

Slowakei - Spanien 0:5 Aufbaugegner Slowakei hilft Spanien ins Achtelfinale

Stand: 23.06.2021 19:55 Uhr

Nach zwei Unentschieden hat Spanien im letzten Gruppenspiel gegen die Slowakei doch noch das drohende Vorrunden-Aus abgewendet. Der Gegner half dabei tatkräftig mit - aber auch das eigene Toreschießen klappte diesmal besser.

Von Christian Hornung

Das 5:0 (2:0) der Spanier am Mittwoch (23.06.2021) war vollkommen verdient. Schon zur Pause lautete beispielsweise das Torschussverhältnis 9:0, und der Favorit hatte weit mehr als doppelt so viele Pässe gespielt. Restlos überzeugend war der Auftritt aber trotz des klaren Ergebnisses nicht, doch die völlig überforderte und extrem passive Slowakei erwies sich als perfekter Aufbaugegner.

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Spanischer Chancenwucher

Von Beginn an drängte Spanien den vor dem Anpfiff vor ihr platzierten Gegner tief in die eigene Hälfte, hatte auch bedingt durch die Rückkehr von Leitwolf Sergio Busquets die totale Kontrolle über das Mittelfeld. Doch wie schon in den beiden ersten Gruppenspielen waren die Probleme im Abschluss gravierend.

Den ersten Hundertprozenter servierte der Video Assistant Referee (VAR) der "Furia Roja", nachdem ein Zweikampf zwischen Jakub Hromada und Koke im Nachhinein als Foul am Spanier im Strafraum gewertet wurde. Koke hatte das clever gemacht und sein Bein in die Schussbewegung des Slowaken gestellt - dabei wurde er dann in der Tat im Achillessehnenbereich getroffen.

Mehr Elfmeter vergeben als Tore erzielt

Doch das Geschenk schlugen die Spanier aus. Alváro Morata vergab den Strafstoß in der 12. Minute kläglich - halbhoch, lasch und unplatziert. Es war nach Gerard Morenos Fehlschuss gegen Schweden bereits der zweite vergebene Elfmeter in diesem Turnier - damit hatten sie zu diesem Zeitpunkt doppelt so viele Strafstöße verballert wie Tore erzielt..

Danach erhöhte die Mannschaft von Luis Enrique aber noch den Druck, kam zu Chancen im Minutentakt. Doch was Pablo Sarabia, Pedri und Morata zwischen der 15. und 25. Minute vor dem Tor von Martin Dubravka veranstalteten, war teilweise schon Slapstick.

Und dann hilft der Torwart - wie einst Piplica

Torhüter Martin Dubravka erzielt ein Eigentor | Jose Manuel Vidal / POOL / AFP

Patsch! Torhüter Martin Dubravka schmettert sich den Ball ins eigene Tor Bild: Jose Manuel Vidal / POOL / AFP

Aber Slapstick konnte die Slowakei auch - sogar deutlich besser im Doppelpack. Als sich bei den Spaniern so langsam Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit breitmachte, streute Lubomir Satka beim Aufbau am eigenen Strafraum unbedrängt einen abenteuerlichen Querpass ein, der direkt bei Sarabia landete. Der schloss diesmal schön ab, der Ball klatschte an die Lattenoberkante und wurde zur "Kerze", die Dubravka locker hätte herunterpflücken können.

Dubravka pflückte aber nicht, sondern versuchte es spontan mit einem Sportartwechsel. Wie ein Mittelangreifer beim Volleyball stieg er hoch und wollte den Ball über die eigene Latte schmettern. Das ging komplett daneben und hatte etwas vom legendären Eigentor des Cottbusers Tomislav Piplica, der im April 2002 bei einem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach mal einen Lattenball von Marcel Witeczek ins eigene Netz köpfte. Der einzige Unterschied: Dubravka köpfte nicht, er patschte sich die Kugel rein (30.).

Laporte entlastet die Stürmer

Es war bereits das siebte Eigentor bei dieser EURO und nahm den Slowaken auch den letzten Mut. Beinahe widerstandlos ließen sie die Angriffe über sich ergehen, hatten so gut wie keine Entlastung und wurden kurz vor der Pause durch den Kopfballtreffer von Aymeric Laporte mit dem 0:2 bestraft. Laporte ist eigentlich Innenverteidiger - offenbar hatte er sich die Performance seiner Offensivkollegen nicht mehr mitansehen können und war selbst mit vorgerückt.

Im zweiten Durchgang drosselten die Spanier dann zunächst etwas das Tempo, doch auch daraus schlugen die Slowaken kein Kapital. Nach 55 Minuten war die Sache dann durch: Mit dem ersten Torschuss nach Wiederanpfiff überwand Sarabia nach präziser Vorarbeit von Jordi Alba den diesmal chancenlosen Dubravka zum 3:0.

Ferran Torres zaubert mit dem ersten Ballkontakt

Danach gab sich die Slowakei auf und Spanien fing sogar an zu zaubern. Ferran Torres war in der 66. für Morata eingewechselt worden, Sekunden später beförderte er eine Hereingabe von Sarabia kunstvoll mit der Hacke über die Linie. Und es kam noch schlimmer für die Slowakei. Auch Pau Torres hätte in der 74. Minute beinahe per Kopf getroffen, doch Juraj Kucka drückte den Ball zum zweiten Eigentor an diesem Tag zum 5:0 selbst über die Linie.

Luis Enrique hatte vor der Partie noch den Vergleich mit einer Sektflasche gewählt, die nur irgendwann entkorkt werden müsse. Das ist seiner Mannschaft an diesem Abend in Sevilla definitiv gelungen.

Quelle: sportschau.de