Temperaturmessung bei einem Fußballspiel in Genua - auch bei der EURO 2020 kann es zu solchen Maßnahmen kommen. | imago images/Insidefoto

EURO 2020 Quarantäne, Tests und kaum Karten - die Fans vor dem schwierigsten Turnier

Stand: 11.06.2021 15:38 Uhr

Die EURO 2020 in elf Städten wird für die Fans ein schwieriges Turnier. Quarantäneregelungen erschweren das Reisen, der Einlass in die Stadien ist hart reglementiert, und Karten gibt es in vielen Stadien nur wenige.

Von Chaled Nahar

Bei großen Fußballturnieren sind normalerweise Zehntausende Fans zwischen den Spielorten unterwegs. Die befanden sich sonst innerhalb von einem oder zwei Ländern, bei der EURO 2020 liegen die elf Stadien in zehn Staaten - was in Kombination mit der Coronavirus-Pandemie für mehrere Probleme sorgt.

Sportschau

Problem 1: Reisen

Matt Willis vom europäischen Fanbündnis Football Supporters Europe sieht für viele Fans Schwierigkeiten. Unter der Annahme eines englischen Gruppensiegs erklärt er: "Englische Fans könnten beispielsweise nicht zu einem möglichen Viertelfinale nach Rom, ohne das Halbfinale zu verpassen. Denn sie müssen bei ihrer Rückkehr mindestens fünf Tage in Quarantäne." - Stand jetzt. Einem Team hinterher zu reisen oder sich neutral mehrere Spiele in verschiedenen Ländern anzusehen, wird sehr schwierig. "Für Fans aus Schottland und Wales sind die Regeln teilweise noch strenger", sagt Willis.

Mögliches Viertelfinale in Deutschland ohne britische Fans

Sollte eines der Teams aus Großbritannien im Viertelfinale in München landen, könnten Fans wohl nicht mitreisen. Für die Spiele in München soll nach einer Ankündigung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Coronavirus-Einreiseverordnung so angepasst werden, dass Spieler, Mitarbeitende von Teams und UEFA sowie Medien ohne Quarantäne einreisen können.

Für Fans gelten die Ausnahmen also nicht. Für Menschen, die aus Virusvariantengebiete einreisen, gibt es derzeit eine Pflicht zur Quarantäne, die 14 Tage dauern soll. Ein Freitesten aus der Quarantäne ist derzeit nicht möglich.

Auch politische Situation verhindert Reisen

Es gibt an nur wenigen Spielorten Ausnahmen von den Einreisebestimmungen, die sich zudem laufend ändern können. Für die Schweiz geht es im Spielplan zunächst nach Baku in Aserbaidschan, dann nach Rom und zurück nach Baku - durch italienische Bestimmungen ist diese Route im EM-Zeitplan nicht möglich. "Die meisten Fans der Schweiz reisen wegen der Quarantäneregeln nur nach Rom", sagt Willis.

Sorgen hatten ihm zufolge auch homosexuelle Fanklubs wegen der Verhältnisse in Aserbaidschan und Russland geäußert. Sie hätten nun aber wegen der erschwerten Reisen weitgehend verzichtet, sagt Willis. Zum Eröffnungsspiel werden zudem türkische Fans aus der Türkei nicht kommen können, weil Nicht-EU-Bürger aus touristischen Zwecken nicht einreisen dürfen.

Problem 2: Die Regeln im Stadion

Fans bei einem Spiel in Budapest | imago images/ActionPictures

Fans bei einem Spiel in Budapest Bild: imago images/ActionPictures

Spontan nach dem letzten Bier zum Stadion bummeln ist bei dieser Europameisterschaft kaum möglich. Jeder Fan bekommt ein 30-minütiges Zeitfenster zugeteilt, in dem das Stadion betreten werden soll. Dadurch soll ein Gedränge am Einlass vermieden und der Zugang entzerrt werden. Eine Gesichtsmaske wird in jedem Stadion zu jeder Zeit Pflicht sein, teilte die UEFA mit. Je nach Standort können Temperaturmessungen oder weitere Schnelltests verlangt werden.

Stadion in Budapest voll ausgelastet

Willis vom Fanbündnis FSE berichtet von einer Kuriosität in Spanien: "In Sevilla werden 2.000 schwedische Fans erwartet. Die sollten sich in Kliniken testen lassen und dann an einen anderen Ort in der Stadt fahren, um sich ein Armband als Ausweis eines negativen Tests zu holen." Die Regel steht bei der andalusischen Regionalregierung aber wohl auf dem Prüfstand. Tests sind ohnehin ein Thema, auch die Kosten. "In London sind die Tests umsonst, in Sevilla muss man sie bezahlen", erzählt Willis.

In jedem Stadion soll es durchschnittlich 800 Möglichkeiten zur Desinfektion der Hände geben. Eine eminent wichtige Regel in der Coronavirus-Pandemie wird nicht überall gelten können. Abstand zu halten wird in Budapest unmöglich sein, da dieses Stadion als einziges zu 100 Prozent genutzt wird. In Sankt Petersburg und London soll die halbe Kapazität zur Verfügung stehen.

Problem 3: Die Eintrittskarten

Die Stadien bieten unterschiedliche Auslastungen. Angesichts der Pandemie erlauben einige Städte nur 20 bis 30 Prozent. Besonders hier kam es zu dem Umstand, dass die UEFA mehr Karten verkauft hatte als es nun verfügbare Plätze gibt. Die teilte mit, dass die zu stornierenden Karten ausgelost worden wären. Die Sportschau erhielt mehrere Zuschriften, in denen sich Fans mit Karten für die Spiele in München über ein intransparentes Vorgehen beschwerten.

Unklar: Wie viele Karten wurden den Fan-Kontingenten abgezogen und wie viele den VIP-Bereichen? Das Problem bleibt ohnehin, wie man die wenigen Karten einigermaßen gerecht verteilt. "Die Fans der Teams sollten zuerst Karten bekommen", sagt Willis. "Schließlich sind sie es, die für viel Geld auch weniger attraktive Qualifikationsspiele oder Testspiele gesehen haben."

Fans, die Karten sammeln, gehen bei dem Turnier im Normalfall übrigens leer aus. Die Eintrittskarten werden digital über eine App vertrieben. Wer ein sogenanntes Souvenirticket aus Papier haben will, muss der UEFA weitere 15 Euro bezahlen.

Die Spielorte
Stadion Kapazität Auslastung Zugelassen
Budapest 68.000 100% 61.000
Baku 69.000 50% 31.000
St. Petersburg 68.234 50% 30.500
Kopenhagen 38.000 45% 15.900
Sevilla 57.000 30% 17.100
London 90.000 25% 22.500
Rom 72.000 25% 16.000
Bukarest 55.000 25% 13.00
Amsterdam 54.000 33% 16.000
Glasgow 51.000 25% 12.000
München 70.000 20% 14.500

Quelle: sportschau.de