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Super-League-Aus Kommentar: Das Ende der Super League muss ein Neuanfang sein

Stand: 21.04.2021 11:00 Uhr

Die Super League ist nach zwei historischen Tagen schon wieder Geschichte. Was zunächst wie eine Katastrophe aussah, ist eine große Chance.

Von Chaled Nahar

Es gibt drei Beteiligte, die nach der Farce Super League eine neue Rolle im europäischen Fußball einnehmen werden: die UEFA, die abtrünnigen Klubs und die Fans.

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Die UEFA: Der Verband ist kein Retter, sondern einer der Hauptschuldigen

Die UEFA hat den Fußball über Jahrzehnte erbärmlich reguliert. Man darf dieser Organisation auf keinen Fall gestatten, in der öffentlichen Wahrnehmung die Rolle der Retterin einzunehmen. Seit der Gründung der Champions League 1992 hat die UEFA die Gier im europäischen Klubfußball immer weiter vorangetrieben, weil ihre Kunden aus Madrid, Manchester oder Turin immer mehr von ihr wollten.

Jeder Umbau der Champions League seit Anfang der 90er Jahre fand immer nur zugunsten der vermeintlich großen Klubs in den vermeintlich wichtigen Ländern statt. Die UEFA gab den Klubs unternehmerische Planungssicherheit: Setzlisten für leichte Gegner, sichere Geldströme über schier unerklärbare Koeffizientenranglisten, ein Startrecht in der Champions League für die großen Ligen bis Platz vier.

Die UEFA opferte so die Vielfalt des Fußballs. In der Champions League spielen und gewinnen meist dieselben Teams aus denselben Ländern. Zahlreiche Ligen in Europa haben Serienmeister entwickelt, denen man die Titel schon vor dem ersten Spieltag verleihen kann.

Dass das einigen großen Klubs aus England, Spanien und Italien immer noch nicht reichte, wurde mit der Gründung der Super League in der Nacht zu Montag klar. Die UEFA ist eine der Hauptschuldigen an dieser Entwicklung. Sie profitiert jetzt von der Inkompetenz ihrer Gegenspieler und dem Druck der Fans, die sie lange verprellte.

Die abtrünnigen Klubs: Das Druckmittel Super League ist zerstört

Bei den abtrünnigen zwölf Klubs stellt sich angesichts des bemerkenswert dilettantischen Ablaufs die Frage: War das eine Nebelkerze? Wollten die Klubs nur weitere Zugeständnisse von der UEFA beim Umbau des Europapokals? Die Antwort ist mit Sicherheit: nein.

Diese Klubs waren schlecht vorbereitet, sie haben den Druck offenbar weder so erwartet noch ausgehalten, sie besaßen augenscheinlich keinerlei kommunikative Strategie, und sie haben sich am Ende genau so doof angestellt, wie es ausgesehen hat. Sie wollten sonntagnachts um 0.30 Uhr mit einer gemeinsamen Erklärung zur Gründung der Super League den Fußball in Europa neu erfinden und krochen zum großen Teil nur rund 48 Stunden später zurück unter das Dach der UEFA.

Und hier liegt die Chance nach diesen geschichtsträchtigen Tagen im April 2021: Diese Klubs sind ab jetzt in allen Diskussionen argumentativ unbewaffnet. Sie haben keine Verhandlungsposition für Zugeständnisse mehr. Ihr Druckmittel haben sie auf eine lächerliche Art und Weise selbst zerstört. Nun - endlich - könnten andere an der Reihe sein.

Die Fans: Sie haben das Spiel gerettet

Am Ende hat besonders der öffentliche Druck, den Fans erzeugt haben, den Ausschlag gegeben. In Zeiten von Geisterspielen fand ihr Protest meist nur online oder auf Plakaten statt. Fan-Organisationen wie ProFans, Unsere Kurve oder das europäische Bündnis Football Supporters Europe schreiben seit Jahren in kaum gehörten Erklärungen, was falsch läuft:

Die Meisterschaften sind langweilig! Geschlossene Ligen sind der falsche Weg! Das Geld fließt immer in dieselben Hände! Es sind nicht hundert weitere Spiele zusätzlich nötig, sondern eine vernünftige Zahl an Spielen, die Spaß machen!

Genau darauf sollte die UEFA nun hören und den von ihr verursachten Schaden selbst reparieren: Dafür müsste sie die gerade beschlossene Reform der Champions League rückgängig machen. Sie müsste eine weniger ungleiche Geldverteilung für mehr Chancengleichheit in einem offenen Wettbewerb ohne Sicherheitsnetze für verschuldete Großklubs sicherstellen. Und die UEFA müsste eine Regelung für das Financial Fairplay entwickeln, die zuverlässig funktioniert. Wenn die UEFA ihr Gerede von Solidarität ernst meinen sollte - der 21. April 2021 wäre der perfekte Tag, um damit anzufangen.

Quelle: sportschau.de