Laura Siegemund beim Aufschlag | Bildquelle: imago images/HMB-Media

Vor dem Viertelfinale French Open - Siegemund will die Weltelite aufmischen

Stand: 06.10.2020 12:50 Uhr

Für Laura Siegemund steht das größte Match ihrer Tennis-Karriere an - das Viertelfinale im Damen-Wettbewerb der French Open. Dort wartet heute ab 12 Uhr keine geringere als die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova.

Auf diesen Moment hat Laura Siegemund lange hingearbeitet. Die 32-jährige Metzingerin hat erstmals die Runde der letzten Acht bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht. 16 Anläufe hat sie dafür bei einem der großen vier Turniere auf der Tennis-Tour gebraucht.

Nun kann Laura Siegemund am Mittwoch (07.10.2020, Live-Ticker bei sportschau.de ab 12 Uhr) als erste Deutsche seit Andrea Petkovic 2014 in Roland Garros das Halbfinale erreichen, entsprechend intensiv und präzise wird sich die Schwäbin auf das Duell gegen die Tschechin Petra Kvitova vorbereiten.

Lockeres Training, dann die Beine hochlegen

Verrückte Dinge hat die routinierte Spielerin dabei nicht vor. "Ein lockeres Training, am Nachmittag viel Physiotherapie und die Beine hochlegen", sagte sie am Dienstag zu ihrer Vorbereitung: "Währenddessen taktische Planung für das kommende Match, dann früh ins Bett."

Die cleveren Matchpläne sind ein wichtiger Faktor ihres Erfolgs in Paris. Gegen Kvitova, in Paris an Nummer sieben gesetzt, erwarten sie völlig andere Aufgaben als im bisherigen Turnierverlauf. "Petra ist eine wirklich starke Gegnerin, das ist keine Frage", sagte Siegemund: "Und es wird komplett anders als alle Matches, die ich bislang hier gespielt habe."

"Es gibt keine zweite Chance gegen sie"

Petra Kvitova bejubelt ihren Sieg gegen die Französin Oceane Dodin | Bildquelle: REUTERS
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Petra Kvitova bejubelt ihren Sieg gegen die Französin Oceane Dodin

Bisher hatte es Siegemund weitgehend mit Sandplatzspielerinnen zu tun, die mit Spin spielen und taktisch agieren. Kvitova lebt vor allem von ihrer Power. "Sie schlägt sehr gut auf, und es gibt keine zweite Chance in Ballwechseln mit ihr", sagte Siegemund: "Es wird anders, und ich freue mich darauf."

Und noch etwas wird anders, komfortabler. Siegemund muss nicht mehr wie bei ihrem 7:5, 6:2-Achtelfinalerfolg gegen die Spanierin Paula Badosa Gilbert auf einem der Außenplätze ran. Sie wird auf dem Center Court von Paris spielen, dem legendären Court Philippe Chatrier, seit diesem Jahr mit einem beweglichen Dach ausgestattet. "Darüber bin ich nicht unglücklich", sagte Siegemund.

Herausragend mit Unwägbarkeiten umgegangen

Dabei ist sie bislang herausragend mit den Unwägbarkeiten beim letzten Grand-Slam-Event eines eigenartigen Tennisjahres umgegangen. Die nass-kalten, teils grenzwertigen Bedingungen, ihre anhaltenden Rückenbeschwerden und gegen Badosa Gilbert auch noch Magenprobleme blendete Siegemund aus, als es darauf ankam.

Der Fokus, auch die Resistenz gegen Druck, ist eine große Stärke von Siegemund, die einen Bachelorabschluss in Psychologie besitzt. In Paris gelang es ihr immer wieder, mit ihrer smarten Spielweise in die Köpfe ihrer Gegnerinnen zu kommen. Badosa Gilbert verzweifelte an Siegemunds Stoppbällen.

Langer Weg zurück in die Weltspitze

Schon einmal war Siegemund auf dem Weg, die Elite aufzumischen. 2016 erreichte sie Platz 27 der Weltrangliste, im darauffolgenden Jahr gelang ihr der Turniersieg in Stuttgart. Dann kam der Schock eines komplexen Kreuzbandrisses, doch die Kämpferin ist längst zurück und ruft nach dem US-Open-Titel im Doppel vor rund drei Wochen nun ihr volles Potenzial im Einzel ab.

Belohnt wird sie jetzt schon mit einem Sprung Richtung Top 50 im WTA-Ranking und mit sicheren 283.500 Euro Preisgeld. Bei einem Sieg über Kvitova würden sogar 425.250 Euro den Weg auf ihr Konto finden - persönlicher Rekord.

Quelle: sportschau.de

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