Leverkusens Lucas Alario (l) and Saarbrückens Manuel Zeitz (r) im Zweikampf. | Bildquelle: RONALD WITTEK/POOL/EPA-EFE/Shutt

1. FC Saarbrücken - Bayer Leverkusen 0:3 Leverkusen steht im DFB-Pokalfinale

Stand: 09.06.2020 23:31 Uhr

Bayer Leverkusen ist locker ins Finale des DFB-Pokals eingezogen. Zwei frühe Tore halfen dem Bundesligisten gegen den 1. FC Saarbrücken, der das Kunststück geschafft hatte, als Viertligist bis ins Halbfinale vorzudringen. Bayer spielt nun am 4. Juli in Berlin um den zweiten Titelgewinn nach 1993.

Von Jo Herold

Leverkusen ging nach einer Traumkombination von Kerem Demirbay und Moussa Diaby (11.) in Führung, nur acht Minuten später erhöhte Lucas Alario aus kurzer Distanz. Saarbrücken kam in Spielabschnitt eins zu keinem Torabschluss, erst in der zweiten Hälfte erfolgte ein Torschuss, der allerdings im Erfolgsfall wegen Abseits vermutlich nicht anerkannt worden wäre. Karim Bellarabi erhöhte nach feinem Zuspiel von erneut Demirbay (58.). "Mir ging's nur darum, dass wir ins Finale kommen", sagte Demirbay nach der Partie am Sportschau-Mikrofon, "bei allem Respekt für den Gegner, der es bis hierhin gutgemacht hat, aber im Halbfinale geht's nur darum, dass du ins Finale kommst."

Bosz mit fünf Veränderungen

Bayer-Coach Peter Bosz hatte sein Team auf fünf Positionen im Vergleich zur Liga-Niederlage gegen Bayern München verändert. Saarbrücken, das auf dem Weg ins Halbfinale die Bundesligisten 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf sowie Zweitligist Karlsruher SC ausgeschaltet hatte, zeigte in den ersten Minuten keinen übermäßigen Respekt vor dem Champions-League-Asprianten und ließ nicht erkennen, dass sein letztes Pflichtspiel coronabedingt fast 100 Tage zurücklag. Doch das "Glück" des FCS währte nur zehn Minuten.

In der elften Minute kam Bayer Leverkusen erstmals gefährlich vors Tor der Gastgeber: Kerem Demirbay chippte unbedrängt den Ball auf den zentral perfekt startenden Moussa Diaby, der sofort aus der Drehung mit rechts abzog und FCS-Keeper Daniel Batz mit einem Schuss durch dessen Beine keine Chance ließ. "Das lag vor allem daran, dass durch das 5-5-0-Spielsystem der Saarbrücker niemand im Rückraum bei Demirbay war", analysierte ARD-Experte Thomas Broich während der Partie. Coach Lukas Kwasniok hatte sein Team taktisch extrem defensiv aufgestellt.

Treffer mit Wirkung

Der Führungstreffer hatte Wirkung: Leverkusen nun plötzlich präsenter auf dem Platz und tonangebend.

Die nächste Bayer-Großchance folgte fünf Minuten später: Charles Aranguiz kam im Strafraum frei zum Schuss, diesmal zeigte der Tormann der Saarländer sein ganzes Können und klärte per Fußabwehr. Und es dauerte wieder nur ein paar Minuten, bis Bayer ein weiteres Mal gefährlich wurde: Der überzeugende Demirbay flankte - diesmal von links - in den Fünfmeterraum der Saarbrücker. Dort wurde Tormann Batz von einem eigenen Abwehrspieler behindert, Lucas Alario jagte den Abpraller aus kurzer Distanz in die Maschen.

FCS läuft hinterher

Von nun an liefen die Spieler des FCS nur noch hinterher: Der Zugriff auf den Ball war verloren, Leverkusen kombinierte schnell und sicher und forderte Saarbrückens doppelte Abwehrreihe enorm. Immerhin zerbrach die gastgebende Mannschaft nach dem Doppelschlag nicht, und so dauerte es bis zur 38. Minute, bis Diaby das 3:0 auf dem Fuß hatte, den Ball aber von rechts aus spitzem Winkel links am Tor vorbeischob.

Demirbay glänzt als überragender Vorbereiter - drei Assists

Spielabschnitt zwei begann identisch zu Halbzeit eins: Saarbrücken spielt mit viel Mut nach vorne, versuchte mit Kombinationen und körperlichem Einsatz zum Torerfolg zu kommen. Nachdem Lukas Hradecky den ersten Schuss der Saarländer noch abfangen konnte, hatte Anthony Barylla in der 58. Minute per Fernschuss die Chance auf den Anschlusstreffer - doch der Versuch wurde geblockt. Dafür zauberte auf der Gegenseite erneut Demirbay, der den Ball artistisch an der Grundlinie behauptete und an der Fünfer-Grenze den nach der Pause eingewechselten Karim Bellarabi entdeckte: präzises Zuspiel, Bellarabi drosch den Ball unhaltbar unter die Latte zum 3:0. Es war Demirbays dritter Assist in dieser Partie.

Die zweite nennenswerte Chance der Gastgeber, die wegen der Baustelle im heimischen Ludwigspark erneut auf das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion auswichen, spielte sich Mitte der zweiten Halbzeit ab: Nach Flanke von Fanol Perdedaj setzte Sebastian Jacob in Mittelstürmerposition zum Kopfstoß an, konnte den Ball aber nicht mit Druck aufs Leverkusener Tor bringen, auch, weil Jonathan Tah routiniert und konsequent störte.

Leverkusen führte die Partie konzentriert weiter; Saarbrücken warf sich noch einmal ins Zeug und wäre fast zum Ehrentreffer gekommen: Markus Mendler hatte in der Nachspielzeit das 1:3 auf dem linken Fuß, verzog den Ball aber rechts am Kasten der Gäste vorbei. "Was mich ärgert, war, dass wir nicht eklig genug waren", sagte Kwasniok nach dem Spiel am ARD-Mikrofon, "wir wollten vom Anstoß an draufgehen."

Pokalfinale am 4. Juli

Der 1. FC Saarbrücken steigt nun erst wieder zu Beginn der neuen Drittliga-Saison in den regulären Spielbetrieb ein - als Aufsteiger. Bayer Leverkusen trifft im Finale des DFB-Pokals am 4. Juli auf den Sieger der zweiten Halbfinalpartie am Mittwochabend zwischen Bayern München und Eintracht Frankurt (ab 20.15 Uhr, live im Ersten), in der Bundesliga spielt Bayer zum Abschluss des 31. Spieltags am Sonntagabend (14.06.20, 18 Uhr) auf Schalke.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2020 um 01:05 Uhr.

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