Leverkusen jubelt über den Siegtreffer gegen Freiburg. | Bildquelle: dpa

SC Freiburg - Bayer Leverkusen 0:1 Havertz hält Bayer 04 auf Königsklassen-Kurs

Stand: 30.05.2020 08:30 Uhr

Der in der Rückrunde überagende Kai Havertz hat auch die Partie beim SC Freiburg entschieden - sein Geniestreich hält Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga auf Kurs in Richtung Königsklasse.

Von Christian Hornung

Das 1:0 (0:0) für die Mannschaft von Peter Bosz ging am Ende vollkommen in Ordnung - viel zu passiv hatten sich die Freiburger über weite Strecken der Partie in ihr Schicksal ergeben. Erst in der Schlussphase machten sie auch mal ein wenig Druck auf das gegnerische Tor, doch das Aufbäumen kam zu spät, um die Partie am Freitag (29.05.2020) noch zu drehen.

"Das ist extrem bitter"

Über den Siegtorschützen Havertz meinte Freiburgs Kapitän Christian Günter bei "dazn": "Das ist die Qualität, die Kai hat. Er braucht nur diese eine Situation. Das ist extrem bitter." Die Leistung der eigenen Mannschaft färbte Günter ein wenig schön: "Wir haben ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht. Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt."

Bayer-Abwehrchef Sven Bender widersprach: "Es war kein glücklicher, sondern ein absolut verdienter Sieg für uns. Wir waren lange Zeit klar überlegen und haben kaum etwas zugelassen."

Streich fand es "brutal"

Freiburgs Trainer Christian Streich gab zu: "Es ist brutal gegen diese Mannschaften zu spielen, weil sie eine unglaubliche Qualität auf der Bank und auf dem Platz haben. Heute haben wir gegen eine hochmotivierte Leverkusener Mannschaft ein aus meiner Sicht und für unsere Möglichkeiten perfektes Spiel gemacht. Sie haben sich super gecoacht, super verstanden. Und dann ist Kai Havertz bei Leverkusen, da kriegen wir dreimal den Tunnel und der Ball geht rein, das ist genial."

Trainer Bosz analysierte: "Es war wichtig für uns nach dem schlechten Spiel zuletzt gegen Wolfsburg. Wir haben es in der ersten Halbzeit gut gemacht, wir haben den Ball gut laufen lassen. Und dann muss man geduldig sein. Geduldig, dass die Räume sich öffnen."

71 Prozent Ballbesitz zur Pause für die Gäste

Vom Anpfiff weg war Leverkusen auffällig bemüht, das 1:4 vom Dienstagabend gegen den VfL Wolfsburg vergessen zu machen. Bayer übernahm fast vollständig die Dominanz im Mittelfeld, kam bis zur Pause auf 71 Prozent Ballbesitz - doch heraus kam dabei zunächst gar nichts.

Im kompletten ersten Durchgang bekamen die Gäste trotz all ihrer optischen Überlegenheit keinen einzigen Schuss auf das Tor von Alexander Schwolow zustande.

Großchance für Höler

Beinahe wäre der Spielverlauf zwei Minuten vor dem Seitenwechsel sogar völlig konterkariert worden. Doch Freiburgs Stürmer Lucas Höler vergab nach einem perfekten Steilpass von Roland Sallai frei vor Gästekeeper Lukas Hradecky - und schob den Ball rechts am Tor vorbei.

Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier mahnte aber zur Pause bei "Sky" noch deutlich mehr Aktivität an: "Wenn wir weiter so viel verteidigen und nicht mehr eigene Initiative nach vorne entwickeln, wird es schwer, gegen diese Mannschaft über 90 Minuten zu bestehen."

Erster Schuss aufs Tor gleich erfolgreich

Saiers Befürchtung sollte sich zügig bewahrheiten. Auch nach dem Wechsel stand Freiburg zunächst nur wieder hinten drin und ließ die Angriffswellen über sich ergehen. In der 52. Minute bekam Charles Aranguiz nach einer von Julian Baumgartlinger verlängerten Ecke nicht genug Druck hinter seinen Kopfball. Kurz danach gab es dann den ersten Schuss aufs Tor an diesem Abend - und der war gleich erfolgreich.

Leon Bailey zog halblinks mal kurz das Tempo an, passte in den Lauf von Havertz, den Freiburg bis dahin gut im Griff gehabt hatte. Aber ihn ganz auszuschalten, ist in dieser Rückrunde nur wenigen Teams gelungen - dem Sport-Club dann auch nicht. Dominique Heintz versuchte zwar noch zu blocken, doch Havertz spitzelte den Ball mit der Pike unter Schwolow hindurch ins Tor (54.).

Baumgartlinger im Glück

Kurz danach hatte Bayer aber auch Glück. Als Nils Petersen in den Leverkusener Strafraum eindringen wollte, trat ihm Baumgartlinger eindeutig auf den Fuß - aber der Tatort war noch um wenige Zentimeter außerhalb des Bereichs, der einen Elfmeter nach sich gezogen hätte. Aus dem fälligen Freistoß machte Freiburg nichts.

Und auch in der Folge entwickelten die Gastgeber für einen Europa-League-Kandidaten einfach zu wenig Torgefahr. Es dauerte bis zur 72. Minute, ehe sich Hradecky mal nach einem Schuss von Jonathan Schmid strecken durfte - der erste Arbeitsnachweis des finnischen Torhüters an diesem Abend.

Havertz verletzt ausgewechselt

Zwei Minuten vor dem Ende musste Hradecky dann noch einmal richtig zupacken. Christian Günter hatte links endlich mal einen Lauf in die Tiefe zu Ende gebracht und präzise in die Mitte gespielt - aber Petersen scheiterte mit seinem Flachschuss am Torhüter.

Der SC Freiburg hat nun am kommenden Freitag (05.06.2020) Borussia Mönchengladbach zu Gast (20.30 Uhr). Bayer Leverkusen empfängt einen Tag später den FC Bayern München (15.30 Uhr). Peter Bosz ist optimistisch, dass Havertz dabei mitwirken kann, obwohl er in der 66. Minute mit einer Verletzung ausgewechselt werden musste. "Es geht ihm gut. Ich weiß nicht, wie schlimm es ist. Aber das geht schon in Ordnung." Sven Bender bleibt aber verhalten optimistisch, was dieses Top-Spiel anbelangt: "Die Bayern haben in der Rückrunde gezeigt, wie unfassbar stabil sie sind. Aber vielleicht können wir sie ein wenig ärgern."

Quelle: sportschau.de

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