Michael Mronz und Armin Laschet  | Bildquelle: picture alliance / Federico Gamb

Coronavirus Offene Fragen: die "Heinsberg-Studie" und ihre PR-Agentur

Stand: 13.04.2020 13:44 Uhr

An der Präsentation der "Heinsberg-Studie" war auch die PR-Agentur "Storymachine" beteiligt. Das wirft Fragen auf, auch sportliche.

Von Niklas Schenk

Wochenlang hatten Prof. Hendrik Streeck, Chefvirologe der Uni Bonn, und sein Team an der "Heinsberg-Studie" gearbeitet. Was sie am Donnerstag (09.04.2020) verkündeten, machte vielen Menschen zunächst einmal Mut: In der besonders vom Coronavirus betroffenen Gemeinde Gangelt im Kreid Heinsberg seien fast 15 Prozent der getesteten Personen inzwischen immun gegen das neue Virus. Die Letalitätsrate, also die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu sterben, liege bei den Infizierten nur bei 0,37 Prozent.

Die Botschaft: Das Kontaktverbot könnte gelockert werden

Der Subtext dieser Ergebnisse: Man müsse zwar weiterhin stark auf Hygiene und das eigene Verhalten achten. Aber über eine Lockerung des strengen Kontaktverbotes sollte mindestens nachgedacht werden.

Diese Botschaften präsentierte Streeck in einer einstündigen Pressekonferenz gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet. Und er präsentierte sie bereits vor und auch nach der Veröffentlichung der Ergebnisse geschickt im Internet - und zwar mit Hilfe der PR-Agentur "Storymachine".

Mronz organisiert viele Sportevents

Das Berliner Unternehmen wird unter anderem von Ex-"Bild"-Chef Kai Diekmann geführt - und von Michael Mronz, dem Initiator der Olympiabewerbung 2032 der Rhein-Ruhr-Region. Mronz verdient sein Geld ansonsten damit, dass er Events organisiert, insbesondere Sportevents. Er war schon an der Organisation von Leichtathletik-Weltmeisterschaften beteiligt oder kümmert sich um das Reitturnier CHIO in Aachen. Selbst eine Wok-WM hat Mronz für Stefan Raab schon einmal organisiert.

Da kommen Fragen auf: Warum ist eine PR-Agentur an einer wissenschaftlichen Studie beteiligt? Wer hat Mronz und seine Firma "Storymachine" beauftragt? Wer bezahlt diese?

Landesregierung zahlte 65.000 Euro für die Studie

Auf manche dieser Fragen gibt es inzwischen Antworten. So verkündete die nordrhein-westfälische Landesregierung, dass gut 65.000 Euro für die Studie gezahlt worden seien, davon jedoch kein Geld an die PR-Agentur geflossen sei. Virologe Streeck sagte, dass er Mronz schon lange privat kenne und ihm damit etwa Arbeit in den sozialen Medien abgenommen werde.

Und "Storymachine" selbst veröffentlichte - wohl auch durch den öffentlichen Druck - dass man einen Teil der Kosten für die eigene Arbeit selbst trage. Die Deutsche Glasfaser und das Unternehmen "Gries Deco Company" würden das Engagement außerdem mit jeweils 30.000 Euro unterstützen.

Mronz und Laschet kennen sich schon länger

Das wären keine finanziellen Partner aus dem Sport - zunächst war darüber spekuliert worden, ob der Auftrag der PR-Agentur womöglich auch direkt aus dem Sport (mit)-finanziert worden sei. Insbesondere Michael Mronz dürfte als Veranstalter vieler Sportveranstaltungen aber ein hohes Interesse daran haben, dass diese zeitnah wieder stattfinden können.

Den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet kennt Mronz übrigens auch gut - beide arbeiten seit längerem zusammen an der Olympiabewerbung 2032.

Zeitlich wurde die Veröffentlichung der Studie geschickt gewählt. Am Mittwoch (15.04.2020) berät die Bundesregierung darüber, ob die Sicherheitsvorkehrungen im Kampf gegen das Virus gelockert werden sollen. Am Freitag (17.04.2020) will die DFL auf einer Mitgliederversammlung über das weitere Vorgehen in den Fußball-Bundesligen abstimmen. Geplant ist bisher immer noch, die Saison bis Ende Juni zu Ende zu spielen, wenngleich wohl ohne Zuschauer.

Quelle: sportschau.de

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