Markus Eisenbichler (l.), Katharina Althaus und Anna Ruprecht bejubeln den erfolgreichen Sprung von Karl Geiger | dpa

Nordische Ski-WM Deutsche Skispringer mit Sensations-Gold

Stand: 28.02.2021 19:11 Uhr

Der Team-Mixedwettbewerb bleibt bei Weltmeisterschaften eine deutsche Domäne. Völlig überraschend holte sich das DSV-Quartett die Goldmedaille vor den höher eingeschätzten Teams aus Norwegen und Österreich.

Von Wolfram Porr

Ist es eine Sensation? Vielleicht. Eine faustdicke Überraschung aber ganz bestimmt! Katharina Althaus (104,0/99,5 m), Markus Eisenbichler (100,0/98,5 m), Anna Rupprecht (92,5/98,5 m) und Karl Geiger (99,5/99,5 m) setzten in Oberstdorf die deutsche Erfolgsserie im Team-Mixedwettbewerb bei Weltmeisterschaften fort. Das Quartett setzte sich gegen die vorher stärker eingeschätzten Mannschaften aus Norwegen und Österreich durch und holte bei der Heim-WM die erste Goldmedaille für den DSV.

Sportschau

Nach acht Sprüngen lag Deutschland 5,2 Punkte vor Norwegen (Silje Opseth/Robert Johansson/Maren Lundby/Halvor Egner Granerud) und satte 14,3 Punkte vor Österreich (Marita Kramer/Michael Hayböck/Daniela Iraschko-Stolz/Stefan Kraft).

Markus Eisenbichler: "Ist schon geil!"

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", war Althaus nach der Flower-Zeremonie im leeren Skisprungstadion noch kaum in der Lage, das Geschehene zu kommentieren. Eisenbichler sagte: "Schon nach dem ersten Sprung von Katha habe ich gemerkt, dass heute was gehen kann." Er dankte den Trainern für das Vertrauen, "weil normalerweise wäre ich gar nicht aufgestellt worden heute. Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich dabei bin im Weltmeisterteam. Ist schon geil!" Geigers Silbermedaille im Einzel habe etwas den Druck vom Team genommen.

Katharina Althaus legt den Grundstein

Doch von vorne: Schnell war klar, dass es einen Vierkampf um die Medaillen geben würde. Japan - als Bronzeanwärter angetreten - lag bereits nach dem ersten Sprung von Yuki Ito (75,0 m) zu weit zurück, um noch ernsthaft ins Medaillenrennen eingreifen zu können. Bei den Polen, für die Einzel-Weltmeister Piotr Zyla und sein Vorgänger Dawid Kubacki an den Start gingen, gibt es keine Frau, die zur absoluten Weltklasse zählt.

Damit blieben die Topfavoriten Norwegen und Österreich und dazu Slowenien und Deutschland übrig. Und das DSV-Quartett zeigte auf seiner Heimschanze, dass mit ihnen bei einer Weltmeisterschaft immer zu rechnen ist. Die vergangenen drei WM-Titel im Mixed-Team gingen an den DSV.

Und als ob das Flügel verleihen würde, legte Katharina Althaus als erste Springerin mit einem tollen Satz auf 104,0 Meter los. Damit setzte sie sich vor Norwegen und Slowenien. Lediglich Marita Kramer sprang noch weiter und übernahm zunächst die Führung für Österreich.

Granerud und Kraft hinter Karl Geiger

Karl Geiger in Aktion | Daniel Karmann/dpa

Karl Geiger in Aktion Bild: Daniel Karmann/dpa

In der Folge zeigten Markus Eisenbichler (100,0 m) und Anna Rupprecht (92,5 m) solide bis gute Sprünge, hielten das deutsche Mixed-Team im Medaillenrennen und distanzierten langsam aber sicher die vorher mindestens genauso stark eingeschätzten Slowen:innen. Karl Geiger schließlich kam bei schlechter werdenden Windverhältnissen auf 99,5 Meter und brachte den DSV nach dem ersten Durchgang sogar in Führung. Weder Stefan Kraft noch der in dieser Saison überragende Norweger Halvor Egner Granerud kamen an Geigers Weite heran.

Aus Vier- wird ein Dreikampf um die Medaillen

Deutschland vor Norwegen (+ 4,9 Punkte) und Österreich (+ 15,6) - so lautete der Stand nach vier Springen. Die hoch gehandelten Slowen:innen um Einzel-Weltmeisterin Ema Klinec lagen bereits deutlich zurück auf Rang vier. Aus dem Vierkampf war schon nach vier Sprüngen ein Dreikampf um Gold, Silber und Bronze geworden.

Althaus überragend: "Ich bin so froh"

Althaus, im Einzelwettbewerb von der Normalschanze nur Zehnte, bestätigte mit ihrem zweiten Sprung auf 99,5 m, ihre aufsteigende Form. Erneut konnten ihre direkten Konkurrentinnen da keinen oder nur wenig Boden gutmachen. "Ich bin so froh, dass ich zwei so starke Sprünge zeigen konnte", sagte sie in der Sportschau und war sich schon sicher, dass es für eine Top-Platzierung reichen würde.

Rupprecht übertrifft alle Erwartungen

Anschließend schwächelte Eisenbichler (98,5 m) ein bisschen. Als sich dann Rupprecht aber selbst übertraf und mit 98,5 Metern einen Topsprung mit traumhaft sicherer Telemarklandung zeigte, schien Gold endgültig greifbar. Vizeweltmeister Geiger musste jetzt in Führung liegend den Sack zumachen. Und der behielt auf seiner Heimschanze die Nerven, landete erneut bei 99,5 Metern und machte den Überraschungserfolg perfekt.

"Die Taktik ist voll aufgegangen", sagte Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher. Sein Kollege Andreas Bauer meinte: "Ich bin megastolz auf die Mädels." Der Frauen-Bundestrainer sagte, er sei sehr erleichtert nach den doch nicht so guten Ergebnissen im Einzelwettbewerb. "Aber wir sind locker geblieben, und das war dann letztlich der Schlüssel zum Erfolg."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2021 um 20:00 Uhr.