Südafrikas Rugby-Team bejubelt seinen Weltmeistertitel | Bildquelle: AFP

WM in Japan Südafrika ist Rugby-Weltmeister

Stand: 02.11.2019 12:54 Uhr

Im Finale der Rugby-WM in Japan hat Südafrika den Favoriten England klar geschlagen und ist zum dritten Mal nach 1995 und 2007 Weltmeister. Es ist mehr als nur ein sportlicher Sieg.

Südafrika hat sich zum dritten Mal zum Rugby-Weltmeister gekrönt. Die "Springboks" setzten sich im WM-Finale in Yokohama am Samstag (02.11.2019) dank einer taktischen Meisterleistung gegen die favorisierten Engländer mit 32:12 (12:6) durch und holten nach 1995 und 2007 erneut die begehrte Webb-Ellis-Trophy. Entscheidend für den Triumph des Teams von Trainer Rassie Erasmus waren eine überragende Defensive, erfolgreiche Straftritte von Handre Pollard und späte Versuche von Makazole Mapimpi und Cheslin Kolbe.

Damit zogen die Südafrikaner nach Titeln mit den Neuseeländern gleich, die sich am Freitag durch ein klares 40:17 (28:10) gegen Wales die Bronzemedaille gesichert hatten.

Volksheld Kolisi: "So etwas noch nie erlebt"

Die Träume der so hoch gehandelten Briten platzten vor den Augen des sichtlich geknickten Prinzen Harry in einem gnadenlos intensiven Endspiel jäh. "Wir hatten viele Herausforderungen vor uns, haben aber das ganze Land hinter uns gespürt. Wir sind so dankbar, ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte Südafrikas Volksheld Siya Kolisi, der das Team des von so großen Problemen geplagten Landes als erster dunkelhäutiger Kapitän bei einer WM anführte. Und er fügte hinzu: "Hier haben Menschen aus allen Rassen zusammengestanden. Wir haben gezeigt, dass wir alles erreichen können, wenn wir alle zusammenhalten."

Pienaar jubelt auf der Tribüne

Auf der Tribüne jubelte Francois Pienaar, der weiße Kapitän der legendären ersten südafrikanischen Weltmeistermannschaft von 1995, seinem Nachfolger zu. Der damalige Siegeszug im eigenen Land mit dem Finalsieg über Neuseeland hatte vor allem vor dem Hintergrund des offiziellen Endes der Apartheid den Mythos der "Springboks" begründet. Im Hollywood-Streifen "Invictus" über die damaligen Geschehnisse spielte Matt Damon die Rolle Pienaars.

Luft zum Atmen genommen

Wie im falschen Film kamen sich am Samstag die Engländer vor, die im Halbfinale noch Topfavorit und Titelverteidiger Neuseeland mit 19:7 entzaubert hatten. Gegen ein Südafrika, das ihnen über 80 Minuten förmlich die Luft zum Atmen nahm, waren die Briten meilenweit vom zweiten Titel nach 2003 entfernt. Wie schon im Finale 2007, als Südafrika mit 15:6 zum zweiten Mal Weltmeister wurde, war gegen die Auswahl vom Kap der guten Hoffnung nichts zu holen. England musste zudem früh den Ausfall des starken rechten Pfeilers Kyle Sinckler verkraften, der bereits in der dritten Minute mit einer Kopfverletzung vom Feld musste.

Die Briten brachten erst nach 22 Minuten die ersten Punkte zustande. Ein Versuch gelang zunächst keiner der beiden Mannschaften, alle Zähler der ersten Halbzeit resultierten aus Strafkicks - mit vier verwandelten sorgte Handre Pollard für die Pausenführung der Südafrikaner. Auch im zweiten Durchgang hielt Südafrika die Briten konsequent in Schach - der Versuch von Makazole Mapimpi (66. Minute), der erste überhaupt der Südafrikaner in einem WM-Finale, war praktisch die Entscheidung. Versuch Nummer zwei von Cheslin Kolbe gab es noch als Dreingabe.

Kapitän Kolisi das Gesicht der Mannschaft

Kolisi, dieser körperlich fast unwirkliche Ausnahmeathlet von 105 Kilo verteilt auf 1,89 Meter, wurde in den 43 WM-Tagen von Japan zum Gesicht dieser Mannschaft, die die Menschen am Kap wieder näher zusammenbringen sollte. Schon Kolisis Ernennung durch Coach Erasmus im vergangenen Jahr zum ersten schwarzen Kapitän in der Geschichte des Teams sorgte für Schlagzeilen.

Auch fast ein Vierteljahrhundert, nachdem die Apartheid für beendet erklärt worden war und auch sechs Jahre nach dem Tod Nelson Mandelas war dieser Schritt keine Selbstverständlichkeit. "Ich freue mich, Kapitän zu sein. Das ist ein großes Privileg", sagte Kolisi, der aus einem Township der Hafenstadt Port Elizabeth stammt, vor dem Finale noch einmal. Sein großes Ziel: "Ich möchte alle Menschen repräsentieren."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2019 um 15:00 Uhr.

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