Fans von Borussia Mönchengladbach auf Abstand im DFB-Pokal | Bildquelle: imago images/Team 2

Bundesweite Regelung zum Sport Fußball-Fans dürfen wieder ins Stadion

Stand: 15.09.2020 18:59 Uhr

Fans dürfen wieder in größerer Zahl in die Stadien und Hallen des Profisports, bis zu 20 Prozent der Kapazitäten können von den Vereinen in einer sechswöchigen Testphase genutzt werden. Nun müssen die Klubs ihre Hygienekonzepte umsetzen - und sich auf verschiedene Entwicklungen vorbereiten.

Von Chaled Nahar

Die Chefinnen und Chefs der Staatskanzleien einigten sich am Dienstag (15.09.2020) auf diese bundesweit geltende Regelung, die bereits am Wochenende gelten soll. Demnach dürfen mindestens 1.000 Menschen in die Sportstätten kommen, darüber hinaus sind bis zu 20 Prozent der Kapazität nutzbar, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Beschluss zitiert. Die Entscheidung ist nicht nur für den Profifußball relevant. Andere Sportarten wie beispielsweise Eishockey, Handball, Volleyball oder Basketball können bei ihren Saisonstarts in den kommenden Wochen nun zumindest teilweise wieder mit Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf rechnen. DFB-Präsident Fritz Keller sagte in der Sportschau, dass er "glücklich" über die Entscheidung sei.

DFB-Präsident Keller: "Dankbar und froh"
DFB-Präsident Keller: "Dankbar und froh"

Schleswig-Holstein schert bei der Regelung ein wenig aus: Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur will das Bundesland an der jüngst festgelegten Quote von 25 Prozent festhalten. Für die bundesweite Regelung müssen nun die einzelnen Corona-Schutzverordnungen der 16 Bundesländer entsprechend angepasst werden, damit die Fans in die Stadien und Hallen dürfen.

Was die Klubs nun tun müssen

Denn die Corona-Schutzverordnung des jeweiligen Bundeslandes liefert die Rahmenbedingungen, in denen die Gesundheitsämter an den Standorten der Klubs verschiedene Maßnahmen genehmigen dürfen. Das galt zu Beginn der Pandemie für den Trainings- und Spielbetrieb und gilt auch für den Zuschauereinlass. Nun müssen die Klubs ihre Konzepte umsetzen.

Zuschauer kehren in die Stadien zurück
Zuschauer kehren in die Stadien zurück

Auf Grundlage eines Leitfadens der DFL sollten die Klubs der beiden Fußball-Bundesligen Konzepte erarbeiten, die sie nun den Gesundheitsämtern zur Genehmigung vorlegen müssen. Dabei kann es trotz der eigentlich allgemeingültigen Regelung immer noch zu Unterschieden kommen, weil die Infektionszahlen beispielsweise in Sachsen deutlich geringer sind als in Baden-Württemberg. Die Entscheidung treffen weiter die Gesundheitsämter. Die Konzepte der Klubs sollen unterschiedliche Zuschauerzahlen berücksichtigen - die dann je nach Pandemielage angewendet werden.

Auch in anderen Sportarten müssen die Konzepte von den Gesundheitsämtern genehmigt werden. Keine Zuschauer werden zugelassen, wenn innerhalb von sieben Tagen am Austragungsort pro 100.000 Einwohner 35 oder mehr Neuinfektionen gemeldet werden.

Welche Regeln für die Fans gelten

Die Fans werden sich in den Stadien und Hallen weitgehend an die mittlerweile gewohnten Maßnahmen halten müssen. Das Abstandsgebot soll gelten, in manchen Stadien auch eine Maskenpflicht. Um das zu gewährleisten, können die Hygienekonzepte der Klubs besondere Maßnahmen beinhalten, beispielsweise einen zeitversetzten Einlass, um ein Gedränge zu vermeiden. Eine Anreise mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Auto soll bevorzugt werden, damit es im Nahverkehr nicht zu eng wird. Borussia Dortmund beispielsweise wird nur 10.000 Plätze nutzen, obwohl 16.000 erlaubt wären. Der Grund dafür sind die Kapazitäten des Nahverkehrs.

Von einem Stehplatzverbot ist keine Rede mehr, aber Gästefans werden nicht zugelassen, auch ein Alkoholverbot soll gelten. Toiletten könnten im Einbahnstraßenbetrieb laufen. "Es muss allen klar sein: Wenn die Vereine nachher nicht in der Lage sind, das auch einzuhalten, dann wird das sofort wieder zurückgenommen. Darüber darf nicht der geringeste Zweifel bestehen", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen). Bei den Spielen im DFB-Pokal mit Zuschauern war auf einigen Videos zu sehen, dass die Regeln nicht immer eingehalten wurden. In Rostock soll auf der Südtribüne künftig deshalb eine Maskenpflicht gelten, teilten Klub und Stadtverwaltung mit. Dort sei im Spiel gegen den VfB Stuttgart mehrfach gegen die Auflagen verstoßen worden.

Wer am Wochenende zum Start der Fußballsaison spielt

Am Wochenende steht in den drei großen Fußball-Ligen jeweils der 1. Spieltag an, Klubs aus 13 verschiedenen Bundesländern haben dort Heimspiele. In der Bundesliga dürfen bereits in vier von neun Stadien mehrere Tausend Fans kommen. Leipzig (8.500 Besucher), Frankfurt (6.500), Berlin (5.000) und Bremen (8.500) genehmigten bereits die jeweiligen Hygienekonzepte der Klubs. Einige Klubs zogen nun nach, Köln will beispielsweise vor 9.200 Fans gegen Hoffenheim spielen, Dortmund vor 10.000 gegen Gladbach. Zum Eröffnungsspiel der 3. Liga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden sind am Freitag (17.45 Uhr/live im Ersten) 4.985 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion zugelassen.

Nach der politischen Einigung heute dürften in allen Ligen weitere Standorte folgen, die Deutsche Fußball Liga (DFL) signalisiert schon länger Bereitschaft, die Klubs werden kurzfristig einen rein digitalen Kartenverkauf oder eine Verlosung unter Dauerkarteninhabern anstoßen. "Wir können Großveranstaltungen managen. Alle Klubs sind in der Lage, innerhalb eines Zeitfensters von drei bis vier Stunden, mehrere Tausend Fans mit digitalen Registrierungsmaßnahmen und unter Einhaltung von Hygieneregeln ins Stadion zu bekommen", sagte DFL-Präsidiumsmitglied Alexander Wehrle vom 1. FC Köln vor rund zwei Wochen.

Die Kartenverteilung wird bei manchen Klubs umstritten sein, da die Nachfrage das Angebot möglicherweise übersteigt. Einige aktive Fanszenen wollen den Spielen fernbleiben. Zum einen gilt für viele Szenen die Maßgabe "alle oder keiner". Zum anderen gibt es Bedenken beim Umgang mit den Daten, die für eine Nachverfolgung von Infektionsketten gespeichert werden sollen. Die Staatskanzleien einigten sich der Nachrichtenagentur Reuters zufolge deshalb auf personalisierte Eintrittskarten. Manche Fanorganisationen fürchten aber einen missbräuchlichen Umgang mit den Daten durch Sicherheitsbehörden. Datenschützer aus Bayern kritisierten zuletzt, dass die Polizei die Daten von Corona-Gästelisten aus Gaststätten nutzte.

Das Fußball-Wochenende
Bundesliga2. Bundesliga3. Liga
Bayern - SchalkeHamburg - DüsseldorfLautern - Dresden
Frankfurt - BielefeldRegensburg - NürnbergBayern II - Türkgücü
Union - AugsburgHannover - KarlsruheLübeck - Saarbrücken
Köln - HoffenheimSandhausen - DarmstadtRostock - Duisburg
Bremen - HerthaWürzburg - AueWehen - Verl
Stuttgart - FreiburgHeidenheim - BraunschweigMeppen - 1860
Dortmund - GladbachFürth - OsnabrückZwickau - Haching
Leipzig - MainzKiel - PaderbornIngolstadt - Uerdingen
Wolfsburg - LeverkusenBochum - St. PauliMagdeburg - Halle
Mannheim - Viktoria

Welche Folgen die Einigung für die einzelnen Sportarten hat

Der Profifußball der Männer kann die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten gut gebrauchen, andere Sportarten und Fußball-Ligen sind aber deutlich stärker auf dieses Geld angewiesen. Der Saisonstart in den einzelnen Ligen findet zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt, für die meisten Mannschaftssportarten kommt die politische Neuausrichtung beim Einlass von Fans aber rechtzeitig. Sie haben nun Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen vorzubereiten.

Fraglich bleibt, ob die präsentierte Lösung Sportarten wie dem Eishockey finanziell wirklich entscheidend weiterhilft. "Wir haben fast 80 Prozent spieltagsbezogene Einnahmen", sagte Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga, vor einigen Tagen in der Sportschau. Dabei geht es nicht nur um den Kartenverkauf - extrem wichtig bleibt er trotzdem. Zum aktuellen Beschluss sagte Tripcke: "Nach den Gesprächen der letzten Woche hatten wir uns deutlich mehr Unterstützung in diesem für uns wirtschaftlich so existentiellen Bereich erhofft."

Saisonstarts im Sport
SportartLiga1. Spieltag
FußballBundesliga18.09.2020
Fußball2. Bundesliga18.09.2020
Fußball3. Liga18.09.2020
FußballFrauen-Bundesliga04.09.2020
HandballBundesliga01.10.2020
HandballFrauen-Bundesliga05.09.2020
EishockeyDEL13.11.2020
EishockeyFrauen-Bundesliga17.10.2020
BasketballBBL06.11.2020
BasketballDBBL24.10.2020
VolleyballVBL Männer17.10.2020
VolleyballVBL Frauen03.10.2020

Worauf sich der Sport für die Zukunft einstellen muss

Die Teilöffnung der Stadien und Hallen wird oft als "Schritt Richtung Normalität" bezeichnet, dem möglichst bald wieder volle Stadien folgen sollen. Allerdings bleibt die weitere Entwicklung völlig unklar, denn die Pandemie grassiert unvermindert weiter. Die Weltgesundheitsorganisation meldete am Sonntag die weltweit bislang höchste Zahl an Neuinfektionen an einem Tag. Gleichklingende Meldungen gab es zuletzt aus Spanien, Tschechien oder Frankreich. Teile der deutschen Nachbarländer Belgien, Frankreich, Tschechien und Schweiz stehen auf der Liste der Risikogebiete des Robert Koch-Instituts.

Diese Entwicklungen zeigen: Der nächste Schritt könnte die Genehmigung von vollen Stadien sein. Der nächste Schritt könnte aber auch die Rückkehr zu komplett leeren Stadien oder sogar eine erneute Gefährdung des Spiel- und Trainingsbetriebs sein. Der dänische Fußball war fast zurück im Normalbetrieb. Am Dienstag kündigte die Regierung an, in mehreren Stadien nur noch 500 statt zuletzt mehrere tausend Fans zuzulassen. Alle Klubs und Ligen in Deutschland sollten organisatorisch und finanziell diesmal so gut es geht auf einen solchen Fall vorbereitet sein - denn zumindest die Erfahrung ist nun da.

Quelle: sportschau.de

Darstellung: