Kroos | Bildquelle: AFP

DFB-Elf gegen die Schweiz Toni Kroos im Kreis der Hunderter

Stand: 13.10.2020 07:00 Uhr

Toni Kroos wird gegen die Schweiz sein 100. Länderspiel bestreiten. Damit steigt er in einen elitären Kreis von wenigen Profis auf. Und doch unterscheidet er sich von so vielen seiner Kollegen auf dem Fußballplatz.

Von Jörg Strohschein

Während andere Profis vor besonders wichtigen Spielen Fingernägel kauen oder nachts nicht schlafen können, zeigt Toni Kroos keine Nerven. "Wenn ich den Toni gesehen habe vor unserem WM-Finale in Brasilien gegen Argentinien, dann habe ich vor allem eines gesehen: Ruhe", sagt Bundestrainer Joachim Löw: "Es ist zwar das WM-Endspiel. Aber für mich ist es ein Spiel wie jedes andere, hat er mir gesagt. Der Toni ist die Ruhe in Person." Am Ende stand der WM-Titel 2014.

Kroos, der noch immer ein wenig jungenhaft daherkommt, ist am Dienstag (13.10.2020, Live-Ticker ab 20.30 Uhr) Jubilar. Er wird gegen die Schweiz in der Nations League sein 100. Länderspiel bestreiten und steigt damit in einen elitären Kreis von bisher lediglich 15 Fußballprofis auf, die diese Marke bereits überschreiten konnten.

Klub der Hunderter der Nationalmannschaft
NameSpiele
Lothar Matthäus150
Miroslav Klose137
Lukas Podolski130
Bastian Schweinsteiger121
Philipp Lahm113
Jürgen Klinsmann108
Jürgen Kohler105
Dixie Dörner105
Joachim Streich105
Per Mertesacker104
Franz Beckenbauer103
Jürgen Croy102
Thomas Häßler101
Ulf Kirsten100
Thomas Müller100

Goretzka: "Kein Aggressiv-Leader"

Und selbst ständige Beobachter und Begleiter der Nationalmannschaft dürften sich fragen, ob das mit dieser Zahl eigentlich stimmen kann. Denn so häufig agierte Kroos im Mittelfeld so unauffällig, dass man sich nach Abpfiff gar nicht sicher war, ob er eigentlich mitgespielt hat.

Aber Kroos ist einer dieser sagenumwobenen Spieler, die "besonders wichtig für die Mannschaft sind", wie es in Fußballmannschaften allerorten so häufig heißt. So richtig weiß dann zumeist zwar kein Zuhörer, was genau damit gemeint ist. Aber Leon Goretzka bringt es im Fall Kroos auf den Punkt: "Toni ist nicht unbedingt ein Aggressiv-Leader wie er im Buche steht. Aber er ist ein unglaublicher Fixpunkt im Spiel. Und egal wie das Spiel verläuft und das Ergebnis ist, er ist derjenige, der den Ball immer haben möchte. Er findet auch immer eine Lösung und weiß, wo der Ball dann hin muss."

Auch Kroos hat Emotionen

Nicht selten spielt Kroos fast 100 Pässe in nur einem Spiel mit einer Fehleranfälligkeit, die häufig gegen Null tendiert. Viele attestieren ihm noch immer ein Phlegma, vielleicht, weil er ihnen so ganz ohne Star-Appeal - was er sich bei seinen vielen Erfolgen durchaus leisten könnte - einfach zu langweilig ist und er so häufig so unscheinbar daherkommt. Dabei trotzt er mit seiner seltenen Art lediglich den Aufgeregtheiten dieses Profi-Showgeschäfts auf eine ganz eigene Weise. Er ist die Antithese dazu.

Nur ganz selten spielte er sich so sehr in den Vordergrund im Nationalteam, dass man ihn gar nicht übersehen konnte. Etwa bei der WM 2018 in Russland, als er mit seinem spektakulären Freistoßtor zum 2:1 gegen Schweden in letzter Sekunde doch noch den Sieg herbeiführte. In solch einem besonderen Moment bricht es sogar aus Toni Kroos heraus. In dieser Sekunde wusste er nicht, wohin mit seinen Emotionen und schrie sie laut heraus. Eine absolute Ausnahme, die auch nicht lange anhielt.

Kroos ist ein Familienmensch, der seine Kraft aus dem heimischen Alltag mit seiner Frau Jessica und seinen drei Kindern zieht. Ein ausschweifendes Partyleben, protzige Autos oder anderer zur Schau gestellter Luxus sind nicht seine Sache. Kroos und seine Familie verbringen den Großteil ihrer Zeit außerhalb der beruflichen Verpflichtungen des Stars von Real Madrid hinter den Mauern seiner großzügigen Villa am Rande der spanischen Hauptstadt.

Talent früh zu erkennen

Toni Kroos kann sich auf seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auf dem Fußballplatz stets verlassen, weil sie ihm in die Wiege gelegt wurden. Seine Mutter Birgit hat das Talent ihres Sohnes schon auf dem Bolzplatz erkannt: "Das konnte man schon mit fünf Jahren sehen, dass er mit dem Ball umgehen konnte. Ihm wurde einmal etwas gezeigt, dann konnte er das." Vater Roland, der Ex-Trainer seines Sohnes, weiß, weshalb Toni aus der Masse deutlich heraus stach. "Er war nie der Schnellste in der Mannschaft. Aber er war gedanklich schneller als die anderen."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 13. Oktober 2020 um 10:38 Uhr.

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